Holzwickede – Rathaus Holzwickede

9 .Fortsetzung

11.04.2025

                 

Der Gemeinderat Holzwickede unter dem Vorsteher Landwirt Schroer (aus dem  Ortsteil Dudenroth) entschied  nun im Jahr 1913  die Zusammenfassung der  Verwaltungsstrukturen in einem Gemeindehaus  am Marktplatz  mit Trauzimmer, Meldeamt, Gemeindekasse, Amtszimmer für Gemeindesekretär und  Gemeindevorsteher. Auch die Polizeistation sollte hier ein Zimmer erhalten und die  Zweigstelle der Amtssparkasse über einen separaten Zugang. Ferner waren Wohnungen für den Gemeindesekretär und den Sparkassenrendanten  im ersten Stock vorgesehen und im Dachgeschoss waren noch 2 Wohnungen geplant für den Polizei – Sergeanten und für den Wirt des möglichen Rathauskellers mit seiner Gastronomie. Nach diesen Vorgaben wurde der  Amtsbaumeister Stricker aus Aplerbeck mit der Planung beauftragt und legte folgenden Grundriss  mit dem wichtigen Erdgeschoss dem Gemeinderat zur Entscheidung im Januar 1914 vor.

 

Im Flur nach dem zentralen Treppenaufgang folgt rechts das Polizeizimmer und links das Dienstzimmer des Gemeindesekretärs. Weiter nach links anschließend im Eckzimmer das Trauzimmer und diese letztere Lage hat sich seither erhalten. Nach rechts gelegen nun das Einwohnermeldeamt und im rechten Eckzimmer  war die Gemeindekasse und Steuerhebestelle untergebracht. Dem Trauzimmer anliegend war der Gemeindevorsteher untergebracht. Mit recht hohem Treppenaufgang an der Nordseite war die Sparkasse dann  mit eigenem Zugang etabliert. Erster  Sparkassenleiter war Apprecht später Bangert.

Aber die Baubeschreibung  und Vorlagen von Amtsbaumeister Stricker waren sehr ausgiebig mit etlichen Zeichnungen zu allen Stockwerken, Seitenaufrissen und Gebäudeansichten. Eine Auswahl  soll folgen und ich danke für die Hilfestellung und Zustimmung der Bürgermeisterin Frau Ulrike Drossel, ferner Frau Darleen Kramer aus  dem Fachbereich IV / Technische Dienste der Gemeindeverwaltung und speziell Frau  Catherine Gaertig  aus dem Fachbereich IIb / Schule, Sport, Kultur für ihre unermüdliche Suche im Archiv!

 

Die amtliche Baugenehmigung konnte bis dato nicht entdeckt werden wohl aber mit Datum vom 21.März 1914 der mit dem Rathausbau verbundene Antrag einer Schankwirtschaft und dazu die amtliche  Verfügungserlaubnis mit Unterschrift des zuständigen Königlichen Landrats im Kreis Hörde.

Schon an dieser Stelle der Hinweis, dass  mit dem Bezug des Rathauses nicht die Gastronomie zeitgleich folgte und zunächst andere Nutzungen im Raum  standen.  Die spätere Rathausastronomie   war bis auf wenige Ausnahmen  mit häufig wechselnden Pächtern verbunden mit  teils obscuren  denkwürdigen Begleiterscheinungen  und aktuell stillgelegt. 

Zum Ratskeller und seinen Verwendungen und Pächtern später weitere Anmerkungen.                                                                                                                                                                   

 

Am 19. Januar 1914  stimmte der Gemeinderat  den Bauplänen und Ausführungsbeschreibungen des Amtsbaumeister Stricker zum neuen Gemeindehaus zu und in diesem Zusammenhang kam es  im direkten Zusammenhang zu interessanten Leserbriefen im Hellweger Anzeiger und Bote. Obwohl Holzwickede  zu diesem Zeitpunkt verwaltungsmäßig zum Amt Aplerbeck im Kreis Hörde  gehörte, war anscheinend die Presse  in Unna  das bevorzugte und vermutlich auch mehr genutzte Zeitungsorgan für die Holzwickeder Bevölkerung und am 12. Februar 1914 erscheint nachfolgende recht umfangreiche kritische Stellungnahme. Der Schreiber bleibt namentlich unbekannt und die Reproduktion ist auch  aus dem Archiv des Verlages in Unna recht unbefriedigend trotz Kontrastbearbeitung

 

Ich darf daraus  sinngemäß informieren:

Zur  geplanten Bausumme von  81000 Mark stellt der Schreiber die damalige Schuldenlage der Gemeinde von 180000 Mark gegenüber und nimmt Stellung zur Steuerkraft der Gemeinde mit 6300 Einwohnern zum damaligen Zeitpunkt und die wirtschaftliche Lage und Perspektive.

7/10 der männlichen arbeitenden Bevölkerung  verteilen sich allein auf nur 2 Wirtschaftszweige mit  der Zeche Caroline zu 3/10 und den Bahnbeschäftigten mit 4/10 Anteil. Der Schreiber befürchtet zudem Pläne der Bahndirektion  den Knoten- und Umschlagpunkt nach Hamm zu verlegen. Kurzum  ist sein Resümee das Gemeindehaus ist überdimensioniert und zu teuer schließlich kostet das Gemeindebüro bei Kranefeld nur 400 Mark jährlich, das Standesamt im Schulraum (langjährig in der Funktion des Standesbeamten Rektor Röchling an der Südschule im Alten Dorf) ist kostenlos. Immerhin soll die Miete für den Gemeindesekretär bei zur Verfügungsstellung einer Wohnung im Gemeindehaus wegfallen und die Sparkasse soll ca. mit 1000 Mark jährlich  zu Buche schlagen und  noch die Vermietung einer Wohnung an den Sparkassenrendanten erfolgen. Die Hoffnung auf 2000 Mark Pacht für die Gastronomie im Ratskeller bezweifelt der Schreiber nachhaltig, da gleichwertige Gastronomie im Nahbereich vorliegt und es sind wohl die  Gasthöfe Zum Hohenzollern und  Deutschen Kaiser  gemeint. Einem Restaurationsbetrieb unmittelbar neben der evang. Kirche sollte nach Meinung des Schreibers die Zustimmung verweigert werden und führt die mögliche Lärmbelästigung der  Gläubigen an. Stattdessen wäre in den Räumen des vorgesehenen Ratskellers  besser ein Lesezimmer oder Gesellschaftsraum für die Bevölkerung  sinnvoll und evtl. eine Bibliothek.  Der Schreiber verweist zudem darauf, dass  die Zeche Caroline für diese  Flächen nach Abgabe an die Gemeinde durch entsprechende Klauseln keine Bergbaufolgeschäden an Bauten übernehmen wird und die hohen Kosten für einen dazu notwendigen Betonrostes in der Planungsvorgabe noch gar nicht enthalten sind.  Ein solcher überdimensionierter  Prachtbau gehört nach seiner Meinung einfach  nicht nach Holzwickede!

Dieser Artikel hat wohl „öffentlich für viel Wirbel“  gesorgt und der obige anonyme Verfasser sah sich nur 8 Tage später zu einer 2. Stellungnahme im Hellweger Anzeiger mit Datum vom  20. Februar 1914 veranlasst. Er gesteht in den Zahlen der  Gemeindeschulden   etwas  fehlerhaft zu  hoch  gerechnet  zu haben, aber im Wesentlichen bleibt er bei seinen  angeführten Zweifeln  für den  unnötigen Prachtbau einer Gemeinde mit nur 6300 Einwohnern.

 

Fortsetzung folgt