Holzwickede – Rathaus Holzwickede
5 .Fortsetzung
13.03.2025
Zurück zur weiteren historischen Entwicklung
Nachdem Napoleon das reformunfähig gewordene Preußen im Oktober 1806 in den Schlachten bei Jena und Auerstedt im Oktober 1806 vernichtend besiegt hatte, kam es zu etlichen topografischen Konsequenzen und Napoleon verfügte für unsere Region ein Königreich Westphalen von 1807 bis 1813 mit seinem Bruder Jerome Bonaparte als König.
Bild Jerome Napoleon Roi de Westphalie, Prince Francais
aus Schrift 1913 Landesverein im Herzogtum Braunschweig
Es erfolgt im Jahr 1806 umgehend eine neue Verwaltungsstruktur und die ehemalige Grafschaft Mark wurde dem Gouvernement in Hamm unterstellt, bevor im Jahr 1808 eine Neuverordnung das Großherzogtum Berg etablierte in dem nun die ehemalige Mark eingegliedert wurde. Die weiteren Verwaltungsstrukturen wurden nach französischem Vorbild durch Einführung von Departements unterteilt und in diesem Zusammenhang ist das Adelshaus Romberg bei Dortmund interessant für unsere Region. Hier wurde in der napoleonischen Zeit der Baron zu Romberg (Gisbert I.) zu Brünninghausen Exzellenz des Königs von Preußen nun Präfekt des Ruhrdepartements.
Der Königliche Kammerherr Giesbert Freiherr von Romberg hochgeboren zu Brünninghausen folgend vorgestellt auf 2 „vorphilatelistischen“ Belegen abgesendet aus der Stadt Unna in einer polizeilichen und juristischen Angelegenheit (leider ohne Briefinhalt - man ist ja schließlich neugierig). Kastenstempel Unna nach 1850, Einkreisstempel Unna ab 1830.
Dazu zwei weitere Briefbelege, taxiert und mit eingeführten französischen Departementstempel versehen. Unter Napoleon wurden u.a. auch im Postwesen etliche Reformierungen z.B. Stempel eingeführt. Einmal aus CLEVES (frz. Rhein) und Rayonnummer IO3 und einmal nur Rayonnummer C.F.3.R (da nur Rayonstempel hier wohl nur als Grenzpostamtsstempel). Die Rayonstempel wurden ab dem Jahr 1801 neben Frankreich auch in deutschen Landen eingeführt und beruhten auf einer Postkonvention zwischen Frankreich und Thurn und Taxis und wurden Vorbild für die weiteren Poststempelentwicklungen in Preußen.
Im obigen dritten Briefbeispiel ein Beleg aus Unna ferner noch mit Hinweis auf P oder in diesem Fall PP als Bezahlvermerke und übliche Taxvermerke. Dazu auch ein kurzer Blick auf Holzwickede in der napoleonischen Zeit. „Unser Schloss“ Opherdicke fiel testamentarisch 1793 vom Burgmann zu Kamen und Wambel an den Neffen Kaspar Freiherr von Lilien, der aus der Werler Erbsälzerfamilie stammte. Dazu ein passendes Ensemble.
In der napoleonischen Zeit wurden Holzwickede (mit Ortsteilen Natorp, Dudenroth, Rausingen), Hengsen, Opherdicke, Sölderholz, Sölde, Kurl, Wickede, Asseln, Berghofen verwaltungsmäßig neu zusammen gefasst. Dabei fielen die Orte Holzwickede, Hengsen und Opherdicke aus dem Amt Unna heraus und kamen mit den ihren oben genannten Ortschaften zum Amt Aplerbeck und hier wurde oben angeführter Kaspar Freiherr von Lilien auf Schloss Opherdicke Maire = Bürgermeister.
Der Briefinhalt datiert aus dem Jahr 1812 und geht als Eilbrief der schnellsten Anforderung (citissime!) an den Bürgermeister von Aplerbeck mit Sitz zu Opherdicke.
Quelle: ein Brief aus dem ADELSARCHIV des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster. Es liegt in diesem Fall eine digitalisierte Form aus dem Kreisarchiv Unna vor und belegt eine besondere Historie.
Die Völkerschlacht bei Leipzig 1814 beendete das Königreich Westfalen unter Napoleon, aber Holzwickede blieb im Amt Aplerbeck. Die „Zugehörigkeitsstruktur“ im Tal zwischen der Chaussee (Reichstraße 1 - Bundesstraße 1) mit den Bauernschaften Natorp, Rausingen, Dudenroth und Holzwickede (Altes Dorf) zusammen mit dem Haarstrangdörfern Hengsen und Opherdicke ergab sich historisch durch das gemeinsame märkische Kirchspiel in Opherdicke. Das Kirchspiel Opherdicke war wohl im 12. Jahrhundert aus der Urpfarre Unna entstanden und damit zugehörig der Erzdiözese Köln. Hier nahm die Schulbildung ihren Anfang und der Friedhof war bis zu Beginn des 20.Jahrhundert allein für die oben genannten Ortsteile zuständig. Aber durch die rasche Entwicklung der Einwohnerzahlen drängten die Bauernschaften im Tal zwischen Chaussee und Haarstrang zunehmend auf Eigenständigkeit.
Mit dem Preußengesetz von 1841 zu den Reformen im Bereich der Landgemeinden bildete sich im Jahr 1843 die selbständige Gemeinde Holzwickede unter Zusammenschluss der Bauernschaften Holzwickede, Natorp, Rausingen und Dudenroth. Die größte Bauernschaft war Holzwickede und gab dem Zusammenschluss fortan den Gemeindenamen. Erster Gemeindevorsteher wurde der Landwirt Middelschulte aus Rausingen. Der Landwirt Friedrich Stehfen aus Rausingen folgte in diesem Amt im Jahr 1850 und in seiner Zeit bis 1859 fielen die wichtigen Entscheidungen zum Bau der Bahntrasse in Holzwickede und die Verlegungspläne der Zeche ihre Aktivitäten am Brauck (heute Massener Straße) an die zukünftige Bahnlinie und damit in die heutige Gemeindemitte zu verlegen! Da Dortmund später kreisfreie Stadt wurde, kam im Jahr 1887 Holzwickede im Amt Aplerbeck aber nun zum Landkreis Hörde. Das Amt des Gemeindevorstehers hatte im Jahr 1859 der Landwirt Gottfried Hiddemann aus dem „Alten Dorf“ (entsprach der alten Bauernschaft Holzwickede) von Stehfen übernommen und war bis 1881 für Holzwickede im Rat Aplerbeck zuständig. Der Gutsbesitzer Barenbräucker aus dem „Alten Dorf“ folgte dann von dem Jahr 1881 bis zum Jahr 1893 und wurde durch den Landwirt Ludwig Büddemann aus Rausingen (Schwiegersohn von F. Stehfen) abgelöst, der dieses Amt dann bis zum Jahr 1911 innehatte und aus Gesundheitsgründen in diesem Jahr das Amt an den Landwirt Wilhelm Schröer abgab und unter seiner Regie wurde dann der Rathausbau im Jahr 1913 beschlossen. Landwirte prägten also bis zum 1. Weltkrieg als Gemeindevorsteher die Entwicklung in Holzwickede.
Die benachbarte westliche Gemeinde Sölde entschied sich übrigens im Jahr 1899 gegen eine eigenständige neue Amtsbildung mit den Gemeinden Holzwickede, Hengsen, Opherdicke, Massener Heide, Billmerich und Sölde und dies ist retrospektiv doch ein recht interessanter Aspekt und wurde meines Wissens nach vom Dortmunder Ortsteil Sölde im Nachhinein etwas bereut. Nachfolgend nun ein Blick auf die lokale Topographie im Jahre 1910. Damals gehörte Holzwickede mit seinen Ortsteilen Natorp, Rausingen und Dudenroth zusammen mit den noch damals selbstständigen Gemeinden Hengsen und Opherdicke zum Amt Aplerbeck und war damit zugehörig dem Landkreis Hörde.
Da der Landkreis Hörde 1927 ebenfalls aufgelöst wurde, entschied sich die Gemeindeverwaltung Holzwickede gegen den dortigen Verbleib und beantragte fortan die Zugehörigkeit zum Landkreis Hamm in der Hoffnung, dass ein Amt Unna gebildet wird mit Holzwickede und den eigenständigen Gemeinden Hengsen und Opherdicke. Diese Verwaltungsstruktur kam 1929 zum Tragen und der direkt an Holzwickede angrenzende Teil von Sölde mit dem wichtigen Industriegebiet der Firmen Wiederholt, Künstler und Schmidt wurde Holzwickede zugeschlagen und Sölde selbst kam im und mit dem Landkreis Hörde als Eingemeindung in die Stadt Dortmund!
Die nachfolgende Karte ca. aus dem Jahr 1900 zeigt noch die Grenze von Holzwickede zum Ortsteil Sölde vor 1927. Die Grenzlinie wurde durch einen roten Pfeil am unteren Bildrand und mit roter Strichzeichnung gekennzeichnet. Diese Markierung läuft dann nach Norden auf die Chaussee zu – hier bezeichnet als Wickeder - und Natorper – Chaussee! Die Chaussee - besser bekannt unter dem Namen Reichstraße1 und heute Bundestraße1 - war und ist gleichzeitig die Grenze für die Gemeinde Holzwickede nördlich zu Dortmund und nordöstlich zu Unna mit dem Ortsteil Unna - Massen.
Die Eisenbahnlinien und zwei eingezeichnete Zechen (Z. Freiberg u. Z. Caroline) belegen die industrielle Entwicklung im Bereich der vormals reinen Bauerschaften von Holzwickede. Im Jahr 1968 erfolgte dann die erneute Gemeindereform mit Zusammenschluss von Holzwickede, Hengsen und Opherdicke zur Großgemeinde HOLZWICKEDE und zu diesem Ereignis gab es nach 50 Jahren einen Postsonderstempel mit den Wappen der Ortsteile s.a. 29. und letzte Fortsetzung im Menüpunkt Post Holzwickede.
Fortsetzung folgt