Holzwickede – Rathaus Holzwickede
26. Fortsetzung
21.08.2025
Landung der Alliierten 6. Juni 1944 in der Normandie
Nach diesem besagten und für den Kriegsverlauf nach Stalingrad ebenfalls
schicksalhaftem Ereignis und nun an der Westfront in der Normandie
war das Ende des Großdeutschen Reiches von Hitler abzusehen
Im November 1944 wurde durch Fliegerbomben die Ziegelei Natorp zerstört und dies brachte nach Jahren – teils mit Unterbrechungen – das endgültige Aus dieser Industrieanlage.
In den letzten Kriegsjahren machen sich dann Transportprobleme negativ u.a. für die Rohrfabrik Vincenz Wiederholt, die Bergbauanlagenfirmen Künstler und Schmidt und die Zeche Caroline bemerkbar und ein Tiefflieger zerstörte um die Jahreswende 1944/45 endgültig die Bahngleistrassen im Bahnhofsgelände Holzwickede.
Es standen ca. 1500 Waggons beladen mit durchaus interessanten Gütern (z.B. Medikamente, Verbandsmaterial) für die Bevölkerung aber natürlich auch für den militärischen Kriegswahnsinn „unbeweglich“ im Bahnhofsbereich massiert herum.
Am 23. März 1945 erfolgt der alliierte Luftangriff auf Holzwickede und Zielgebiet war der Bahnhof mit seinem Rangiergelände und den Umladehallen. Brand-, Spreng- und Splitterbomben hinterließen eine Kraterlandschaft und die alliierten Luftaufnahmen zeigen den „erfolgreichen“ Angriff mit ca.1000 Bombentrichtern. Bahnhof, Zeche und spez. das „Alte Dorf“ in der Einflugschneise wurde schwer getroffen.
Es starben nach Quellenangabe (Karlheinz Ligges 1968) vermutlich 54 Menschen (eine Zahl die Willy Timm in seinem Buch im Jahr 1988 übernommen hat), es gab zahlreiche Verletzte, ca. 150 Familien wurden obdachlos und 55 Gebäude waren total, 74 schwer und 189 leicht zerstört.
Die alliierten Luftaufnahmen zeigen den „erfolgreichen Angriff“ mit 1000 Bombentrichtern. ca. 50 Toten, zahlreiche zerstörte Häuser, 1000 Waggons standen 7 Tage in Flammen, Bahnhof, Zeche Caroline und spez. das „alte Dorf“ waren massiv betroffen.
Der Angriff galt primär dem Bahnhof aber vorzeitiger Abwurf traf spez. den Ortsteil Altes Dorf. Die Nähe zum Bahnhof war dann natürlich fatal und hier am Beispiel Hermann Göring Str. 1 (heute Nordstraße 1) direkt am nördlichen Ausgang der Unterführung. Bild Gemeindearchiv Holzwickede und zeigt das völlig zerstörte Haus Schopp.
Schon 2 Tage nach dem Angriff wurde damit Franz Heitkämper wohnhaft Hermann Göring Str.1 (heute und vor 1933 Nordstraße) der Ausweis für Total-Fliegergeschädigte ausgestellt. Nach einer mündlichen Überlieferung war zum Anfang der 1940er Jahre „Klärchen Höing“ Briefträgerin im Norden von Holzwickede und es gelang ihr wohl aus den verkohlten Trümmern der zerstörten Post in der Königstraße (heute Stehfenstraße) nach dem alliierten Luftangriff März 1945 noch Briefpost teils zu retten und tatsächlich zuzustellen.
Dazu oben ein Brief des Soldaten Herbert Wilhelmy an seine Eltern in Holzwickede, Gneisenau-Str. 39 (heute Sachsenstraße) gesichert aus dem zerstörten Postgebäude und noch ordnungsgemäß zugestellt. Dies ist eine persönliche Information mit Abbildung von Herbert Wilhelmy, der selbst später in der Lessingstraße wohnhaft und Ortshistoriker mit etlichen hervorragenden Ausarbeitungen zu seinem Heimatort Holzwickede war.
Der Geschwaderluftangriff in drei Angrifswellen war ein Paradebeispiel irrsinniger militärischer Eskalation. Man hatte eben noch Bomber B17 und B29 übrig, Piloten und Flugzeugbesatzung gab es auch noch und die Flugzeugbomben "mussten weg", auch wenn es strategisch 2 Monate vor Kriegsende nicht mehr kriegsrelevant war ! Bild © USAAF-USAF museum Websit.
Der Luftangriff auf Bahnhof und Zeche erfolgte am 23.3.1945 und schon 20 Tage danach erreichten amerikanische Verbände am 11. April 1945 Holzwickede von Osten her (s. US-Ruhrkesseltaktik) und die von alliierten Bomben selbst zerstörte Unterführung war nicht mehr passierbar für Panzer und die Unterführung am Schulzenhof Ortsteil Natorp war Ersatz.
Nachfolgend Luftbild Zentrum Holzwickede nach dem Luftangriff
Altes Haus Hakenesch (Ecke Allee und Bahnhofstraße) zerstört. Kleine Feme total zerstört. Große Feme zur Hälfte im östlichen Teil zerstört. Die Eckhäuser auf der Nordstraße hinter der Unterführung mit Eickelberg und Schopp zerstört. Rechts unten noch Turm der Feuerwehr erkennbar! Haus Dr. Voigt/Lauer total zerstört und 40m süd-westlich vom Rathaus leider oben nicht mit abgebildet. Der im Vordergrund dominierende praktisch unversehrte Rathausbau aus dem Jahr 1914 ist also umgeben von etlichen nahen Hauszerstörungen und dies trotz der Lage im Bereich des primären Zielgebietes mit dem Bahnhof Holzwickede.
Unter den zigtausend Brand- und Splitterbomben gab es auch Blindgänger. Ich bewundere die praktische Räumung noch 10 Jahre später im Haus Willingmann auf der ehemaligen Moltkestraße und heutigen Lessingstraße. Familienbesuch hatte sich wohl in Kenntnis des Bombenblindgängers unter dem Kellerboden „etwas zurückgezogen“ und so war nun die Entsorgung nicht mehr zu umgehen. Es wurde eine äußerst praktische und aufwendungsarme Angelegenheit. Folgend im Hintergrund rechts die Bauten der Zeche Caroline.
Die frisch ausgebildeten Kinder vom Bombenentschärfungs- und Räumkommando waren noch rasch auf dem Roller vorbei gekommen und beurteilten sachkundig den Abtransport der Bombe im bereitgestelltem VW – Bulli - vielleicht aus dem Bekanntenkreis geliehen. Die umgebenden Häuser waren sicherlich geräumt, nicht transportfähige Bewohner im Krankenwagen abtransportiert worden und Feuerwehr und Polizei sind vermutlich nur zufällig nicht mit auf dem Bild (?!). Aktuell werden immer noch entsprechende Stadteile mit bis zu 20.000 Menschen evakuiert und dem würde ich - selbst betroffen - nicht widersprechen ! Aber wohl kurzfristig und tatkräftig entschlossen und vermutlich ohne Verwaltungsbürokratie gelang so und in dieser Haltung beispielhaft anscheinend der erstaunliche Wiederaufbau im zerstörten Westdeutschland nach dem 2. Weltkrieg.
Der Deutsche Volkssturm ab Oktober 1944 sollte mit noch waffenfähigen Männern im Alter von 16 bis 60 Jahren, die Wehrmacht im erhofften Endsieg unterstützen und ist an Sarkasmus nicht zu überbieten
Halbwegs chronologisch gilt es an dieser Stelle auf die Sammlung der existierenden Erlebnisberichte zum Luftangriff auf Holzwickede hinzuweisen. Das Heft ist eine Herausgabe des Historischen Vereins Holzwickede im Jahr 2005 von Herbert Wilhelmy mit ca. 20 unbedingt lesenswerten und auch traurigen Zeitzeugenberichten. Darüber hinaus gibt es weitere Berichte und auf einen möchte ich doch kurz eingehen. Dr. Kurt Watermann hatte am 1.6.1944 die Praxis Dr. Lotz übernommen, der als Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung in Dortmund ausgebombt war und in Plettenberg ab dem Jahr 1943 seine Dienststelle hatte. Das Haus Dr. Lotz am Markt wurde bereits vorgestellt, die Praxis war hier mit Auto und Garage untergebracht. Dr. Watermann und Ehefrau hatten aber im Juni 1944 eine Wohnung im 1. Stockwerk des Rathauses zugewiesen bekommen ! Er erlebte mit etlichen verängstigten Mitbürgern im Luftschutzraum des Kellergeschosses den Bombenangriff. Beim Verlassen zeigte sich der Marktplatz mit zahlreichen Bombentrichtern, aber die direkt umliegenden Gebäude bis auf das Haus Dr. Voigt/Lauer waren relativ unzerstört geblieben bis natürlich auf die zerborstenen Fensterscheiben. Das Arzthaus Lotz gehörte der kassenärztlichen Vereinigung, die Mietwohnung wurde freigezogen und Familie Dr. Kurt Watermann übernahm das Haus dann gänzlich.
Fortsetzung folgt