Friedrich Stehfen  und seine Stiftungen

Holzwickeder Persönlichkeit  (1809 -1879)

30.08.2023

Bevor ich einmal das Thema der Holzwickeder Postgeschichte überarbeitet vorstelle, möchte ich  mit einem zweiten Thema nach dem Bergbau einmal mit Friedrich Stehfen einer herausragenden Holzwickeder Persönlichkeit  näher  bekanntmachen. An Friedrich Stehfen  „dem Missionsmann im Bauernrock“ erinnert aktuell nur noch ein Straßenname im Norden der Gemeinde und der Grabstein mit Gedenkplatte auf dem Friedhof in Holzwickede nach Versetzung vom Friedhof Opherdicke.

Dennoch existieren in der  heimischen Bevölkerung noch Vorstellungen zu Stehfen  durch Literaturhinweise  u.a.  in den Werken von  Pfarrer Walter Sattler (1931), vom Stadtarchivar Willy Timm (1988)  und  Herbert Wilhelmy  aus dem Jahr 2004.

 

Das Bildnis zeigt Friedrich Stehfen in jüngeren Jahren und die abgebildeten  Erziehungshäuser  dokumentieren seine Stiftungen gemäß seiner humanistischen und christlichen  Weltanschauung und Initiative,  hat er aber selbst nicht mehr  im obigen Umbaustil im Ortsteil Rausingen der Gemeinde Holzwickede erlebt und  in  Opherdicke wurde die Erweiterungsdependance erst 28 Jahre nach seinem Tod  eröffnet. Schon an dieser Stelle der Hinweis, dass nur das Gebäude in Opherdicke noch  gänzlich erhalten ist und von der Präparandenanstalt als Anbau zum Waisen- und Erziehungshaus existiert nach dem Luftangriff  auf Holzwickede am 23.3.1945 nur noch die ehemalige Turnhalle (in der  folgenden Topografie ca. aus dem Jahr 1960 als gemeindliche Mehrzweckhalle rot markiert) und das Lehrerwohnhaus.

Stehfen wurde im Jahr 1809 in der Bauernschaft Rausingen geboren auf dem elterlichen Hof.

Nachfolgend Topografien links ca. aus dem Jahr 1790  und Rausingen hier Bauschingen (damalige Einwohnerzahl ca. 20) und rechts  ca. 170 Jahre später. Der Ortskundige erkennt vor nun insgesamt ca. 230 Jahren noch die Wegeführung direkt von der Mühle Cranefeld am Brauck (heute Sparkasse an der Hauptstraße)  in die Bauernschaft Rausingen. Damalige Hofstellen in Rausingen  waren Middelschulte, Caspar Schulte (wurde später  parzelliert) und  der  Stehfenhof  und   lagen nördlich  vom Verlauf der Emscher, die sich westwärts Richtung Sölde  bewegt.  Das Kataster der kontribuablen Güter in der Grafschaft Mark aus dem Jahr 1705 (bearbeitet von Willy Timm) spricht vom Hof  Mittel Schulte (Middelschulte) und vom Hof  Steven (Stehfen). Die Historie dieser Höfe reicht aber teils bis in das 13. Jahrhundert zurück.

 

Dazu eine nähere  Beschreibung der Verhältnisse ca. aus dem Jahr 1960

 

dazu eine erklärende Fotoansicht

 

Das alte noch angedeutet abgebildete Hofgebäude Middelschulte links in der Kurve der Rausinger Straße existiert nicht mehr, der Hof Stehfen (nach Brand neu errichtet im Jahr 1847) rechts im Hintergrund ist im Jahr 2011 abgebaut worden und mit einem Mehrfamilienhaus ersetzt worden und das vorne platzierte Haus Herkenrath (langjähriger Ortsheimatpfleger in Holzwickede, Vogelkundler und Lehrer) ist ebenfalls einer kleinen Reihenhauszeile gewichen. Heinz Herkenrath stammte übrigens wohl mütterlicherseits vom Hof Stehfen. Schemenhaft im Hintergrund die frühere Pappelallee der Chaussee B1. Im Hintergrund links noch Restgebäude der Ziegelei Rausingen. Das vorgestellte Häuserensemble existiert also nicht mehr. Hier noch der Hinweis, dass die genannten Hofstellen in Rausingen schon früh von ihren gutsherrlichen Verpflichtungen frei gekauft wurden und damit die Landwirte erbgesessene freie Männer waren auf eigenem Grund und Boden. Interessant oben noch der topografische Hinweis auf das Eisenwerk Karoline der Fa.  Wiederholt auf dem ehemaligen Zechengelände. Falsch ist die Kennzeichnung 1 auf der Autobahn A40 und hätte höher zur Chaussee gepasst. Oberhalb des Bahnhofsgeländes besagte Stehfenstraße. Weiter nördlich findet sich  rot gezeichnet die Nordschule, ein Kindergarten und es gab  noch vorübergehend ein evangelisches Gemeindehaus im Norden unter dem Begriff  Stehfenhaus mit Pfarrwohnung (langjährig Pastor Gaiser) für den nördlichen Gemeindebezirk.

 

Zur oben erwähnten Mühle Kranefeld zumindest noch die spätere Entwicklung

 

Das obige Ensemble zeigt links das Wohnhaus Kranefeld und einen Zwischenbau zur rechtsseitigen Mühle  ca. im Jahr 1920. Vor der Mühle der Pferdewagen mit Getreidesäcken. Den Zwischenbau hatte die Gemeinde einmal kurzfristig  gemietet (bis ca. 1915) und Gemeindesekretär Trümper oblag hier die Steuerhebestelle. Rechts oben die Mühle nach dem Umbau und unten die vollständige Neubebauung mit dem Sparkassengebäude.

Zurück zu Friedrich Stehfen (F.S). Ein wohl erster Artikel  zu Stehfen erschien im Jahr 1890 im „Der deutsche Volksbote“ und  trug den  Titel  „Ein Missionsmann im Bauernrock“.  F.S.  war der zweitgeborene Sohn, sein Vater war schon als Landwirt  mit dem  Amt des Kirchmeisters  der  evang. Kirchengemeinde  in Opherdicke  verbunden. Die Gemeinde Holzwickede im Tal zwischen Haarstrang und Hellweg war bis zum Jahr 1907  im Kirchspiel Opherdicke eingebunden einschließlich der Kleinschule und dazu eine Ansicht des altehrwürdigen  Kirchenbaus noch mit Adler auf der Siegessäule zum Krieg 1870/71.

 

Für die evangelischen Kinder aus Holzwickede bedeutete dies der Weg zu allen Wetterlagen  häufig barfuss oder in Holzschuhen zur Schule und Kirche (s.a. Katechumenen - oder Konfirmandenunterricht u. evtl. am Sonntag 2x täglich) ca. 2,5km bei ca. 100 Höhenmetern und Lehmwegen. Lederschuhwerk war kostbare Luxusware. Dazu einmal ein Bild vom Holzschuhsäubern  im Landjahrlager Opherdicke ca. im Jahr 1940 (werde ich noch einmal näher vorstellen als Nachfolgeinstitution  des oben erwähnten Erziehungshauses in Opherdicke).

 

Fortsetzung folgt