Holzwickede – Rathaus Holzwickede

22. Fortsetzung

29.07.2025

 

Zurück zum Rathausplatz 1937.

Nun findet sich in durchaus seriöser Quelle der Hinweis, dass die Musikkapelle der SS- Leibstandarte Adolf Hitler mit 45 Musikern  am Sonntag den 27. Juni  1937 von 14-bis 15 Uhr ein Konzert und diesmal auf dem Hindenburgplatz (Marktplatz vor dem Rathaus) veranstaltet hat  unter heller Begeisterung der Bevölkerung und sogar am nachfolgenden Tag  die Wiederholt Werke mit einer Feierstunde beehrt hat. zitiert: Am Tag darauf konzertierte die Musikkapelle in der Werkpause der VW-Werke. In hellen Scharen strömte  die Holzwickeder Bevölkerung zum Fabrikplatz der VW-Werke, um an dieser besonderen Feierstunde teilzunehmen.

In der 8. Fortsetzung im Menüpunkt Wiederholt findet sich aber meine folgende Notiz:

Am 5.7.1937 gab der Musikzug der Leibstandarte Adolf Hitler ein Konzert  für die Belegschaft des VW-Werkes unter der Leitung von Obermusikmeister  Müller – John. Auch der Werkschor trat in Begleitung des Musikzuges  mit  einigen Liedern auf und dies im Rahmen auch als Rundfunkübertragung. Der Kreisobmann der DAF (Deutsche Arbeitsfront)  Walter Reichenberg  schloss die Veranstaltung mit herzlichen Worten (aus dem Hellweger Anzeiger 7.7.1937).

Das wären dann immerhin drei Konzerte der Musikkapelle der SS- Leibstandarte Hitler innerhalb von 8 Tagen in Holzwickede. Vielleicht kommt dazu doch einmal ein weiterer Hinweis aus  der Reihe der Homepagebesucher.

Mit Anmerkungen zur Gastronomie geht es  zurück zum Ratskeller.  Die ersten beiden Pächter Frölke und Fiebig gaben nur ein kurzes Intermezzo, erst das Ehepaar Karl und Alma Engler waren seit dem Jahr 1929 erfolgreiche Wirtsleute.

Das Rathaus entwickelte sich seit dem Jahr  1933  zum „braunen  Dienstgebäude“ und der Ratskeller zum Stammlokal der Nationalsozialisten und der Wirt Engler trennte  zum Missfallen der NS in einem Streit zwischen NS – Chargen  und Nichtparteimitgliedern wohl nicht NS – konform und der Pachtvertrag wurde  ihm im Jahr 1937 gekündigt.

An dieser Stelle einmal der Hinweis zum Buch „Der schönste Platz…“ Kneipen und Gaststätten in Holzwickede, Hengsen und Opherdicke  vom Historischen Verein e.V. mit seinem Arbeitskreis Geschichtswerkstatt - Holzwickede und dortigen unerschöpflichen Details.

Die beiden Nachfolger Windhagen und Gerke waren wohl wieder nicht langfristig als Gastronomen vor Ort tätig und erst mit dem Ehepaar Georg von Trümbach wurde über 14 Jahre der Ratskeller erfolgreich betrieben mit einer kurzen Unterbrechung nach dem 2. Weltkrieg durch Besetzung der Räumlichkeiten durch eine amerikanische Besatzungseinheit und das Ambiente blieb über Jahrzehnte erhalten. Die folgenden Ansichten zeigen den Schankraum im Eingangsflur  nach rechts und das Gesellschaftszimmer nach links aus dem Jahr 1939  und 1941.

 

Allein 20 Pächter des Ratskellers finden sich im oben angeführten Buch des Historischen Vereins und davon allein 14 Pächter nach 1953 und die letzten beiden Betreiber waren dann besonders „eindrucksvolle  Überraschungen“ für die Gemeindeverwaltung. Pächter  Giuseppe Dota („Jeder“ – auch der Bürgermeister - nannte ihn Pino) immerhin vom  Jahr 2000 bis 2010 hinterließ Schulden beim Finanzamt und der Gemeinde. Der Hellweger Anzeiger hat dazu immer wieder berichtet und dies auch zum nachfolgendem Pächter ab Dezember 2013 mit dem  letzten Pächter  Thomas Wiese  der Reitsport GmbH Unna.

Thomas Wiese  ist ebenso eine „schillernde Figur“  und war Geschäftsführer im Aluminiumwerk Unna, hat zahlreiche Unternehmungen im großen Stil gegründet u.a. einen Reitsportfachhandel,  Reitsport GmbH Unna mit der Reitanlage Massener Heide und seit längerer Zeit stehen nach Insolvenz alle seine Unternehmungen   zur Versteigerung an und das Debüt im Ratskeller endete auch  bereits im Juni 2016.

Die Gemeindeverwaltung hatte für diesen Pächter 2012/2013 umfangreich den Ratskeller renoviert und dazu ein Außenschild  und ein kleines Bildensemble.

 

Ich frage mich immer, was wohl aus den eindrucksvollen bleiverglasten Fensterscheiben aus dem Jahr 1928 geworden ist!

Aktuell nach weiterer Renovierung sind die Räume buchbar  auf Antrag bei der Gemeinde für   besondere Termine  aus dem Vereinsleben und  zum "standesamtlichen  Ausklang“  im Rathaus.

Zurück in das Jahr 1938 und hier sah sicherlich der Großteil der Bevölkerung allgemein einen Grund zum Feiern.

Die zweifelsohne massiv inszenierte nationalsozialistische Propaganda  führte in Österreich  mit jahrelanger Zuspitzung der „Anschlussfrage“ an das Hitler-Deutschland im Jahr 1938 zur Androhung  Hitlers eines militärischen Einmarsches und am 11. März trat daraufhin  Österreichs Kanzler Kurt Schuschnigg unter diesem politischen Druck von seinem Amt zurück mit  den  Worten im Rundfunk „Gott schütze Österreich“.

und am 9. April 1938  feiert Deutschland  den Tag des Großdeutschen Reiches

 

Georg Ritter von Schönerer  (*1842 Wien †1921 Rosenau Niederösterreich) war  u.a. Führer der Alldeutschen Vereinigung, ausgeprägter Antisemit  und mit Sicherheit Vorbild für Adolf Hitler  und  dessen Prägung   seiner politischen Gesinnung  schon früh in  Hitlers  Jugendzeit !

Im Wiener Sonderstempel wird Georg Ritter von Schönerer als Künder und Wegbereiter des Grossdeutschen Reiches vorgestellt auf einer Briefmarke  zu den Wehrkampftagen der SA.

Erwähnt werden muss aus dieser Zeit und in diesem Zusammenhang der entlassene Weltkriegssoldat ADOLF HITLER, der im Kriegslazarett PASEWALK im Jahr 1918 nach eigener Aussage dort den Entschluss ob der katastrophalen politischen Zustände in Deutschland fasste, selbst Politiker zu werden, um Deutschland „zu retten“. Diese Entscheidung sollte dann später  ca. 50 Millionen Menschen das Leben kosten.

 

im Stempelbild

„Ich aber beschloss Politiker zu werden“ Kriegslazarett des Führers in Pasewalk

 

Am 10.April erfolgt die Volkabstimmung zum Österreich- Anschluss

Ein Volk, ein Reich, ein Führer

In Holzwickede war das Wahlergebnis  „ein eindeutiges und begeistertes  Bekenntnis zum Werk des Führers“  mit 4648 Ja-Stimmen bei 4751 Gesamtstimmenzahl !

Auch philatelistisch kann  der Anschluss Österreichs  gut dokumentiert werden

 

Am 18. April  1889 wird Adolf Hitler in Braunau (damals Österreich-Ungarn) geboren. Dazu ein philatelistisch induzierter Einschreibbeleg, der so alles zusammen fasst, was diesbezüglich möglich war mit Sondermarke zum 49. Geburtstag Hitlers, mit Sonderstempel vom Geburtstort  Braunau, Sondermarke (Berliner und Wiener Druck) zur Volksabstimmung der Österreich-Eingliederung vom April 1938 und Flugpostmarken Österreich aus dem Jahr 1935. Ab 4.4.1938 konnten reichsdeutsche Briefmarken in Österreich genutzt werden und sogenannte 2-Länderfrankaturen waren möglich. Der Umrechnungskurs betrug 1Mark = 1,5 Schillinge.  Die Einschreibgebühr wurde nach inländischer Gebühr weiterhin berechnet und die Briefgebühr nach  deutschem Gebührensatz!

Der ungelernte Gefreite Hitler propagandistisch durch die Reichswehr bis 1920 geschult, erkannte die Chance auf dem Nährboden des Diktatfriedens von Versailles und durch hohe Reparationsleistungen mit der Rhein-Ruhr-Besetzung nach Zahlungsrückstand mit Auslösung der Hochinflation nun seine nationalsozialistische  Partei zu etablieren und unter Ausschaltung seiner politischen Gegner den sozialen „Volksbeglücker“ zu spielen. An dieser Stelle der Hinweis, dass der ungelernte  und  nach seinem missglückten Münchner Putschversuch vom 9.Nov.1923 auch vorbestrafte Adolf Hitler, erst im Jahr 1938 kurz vor der Reichspräsidentenwahl durch den Freistaat Braunschweig  die zwingend notwendige deutsche Staatsbürgerschaft erhielt und dies nach etlichen vorherigen vergeblichen Versuchen seiner Parteiadlaten.

Unter dem Motto „Gebt mir 4 Jahre Zeit“ hatte Adolf Hitler unter der Regie von Hermann Göring sein vorbereitendes  Aufrüstungs- und Kriegsplanungs-Konzept schon 3 Jahre nach seiner Machtübernahme erfolgreich etabliert und seine eigenmächtigen Revisionen des Versailler – Vertrages größtenteils nicht nur erreicht, sondern er näherte sich  unter der „Einverleibung“ Österreichs, des Sudentenlandes und mit dem geduldeten Protektorat Böhmen und Mähren  seiner Wahnvorstellung  eines Großdeutschen Reiches.

 

Ausstellung „Gebt mir 4 Jahre Zeit“. Ich persönlich sehe nur Soldaten, Geschütze, Kampfflugzeug, Militärlastwagen und  ein U-Boot für Torpedos und 8,8cm  Geschütz auf dem Deck. Spätestens in dieser Ausstellung konnte man erkennen, in welche Richtung Deutschland unter Adolf Hitler  steuerte. 1937 wurde die Ausstellung „Gebt mir 4 Jahre Zeit“ in den Berliner Messehallen eröffnet und wurde anschließend zur Wanderausstellung in  den deutschen Großstädten.

Für Hitler war der 1. Weltkrieg nie beendet  und sein Ziel war die konsequente Aufrüstung Deutschlands  zu verfolgen und dies dann mit dem Endspurt des  Vierjahresplanes unter Hermann Göring  zur Vorbereitung   militärischer Aggressionsmöglichkeiten. Text der folgenden Fotoansichtskarte Die Beauftragung mit dem Vierjahresplan. Der Führer gibt die ersten Richtlinien (hier an und mit  Hermann Göring).

 

Hermann Göring war im 1. Weltkrieg dekorierter Jagdflieger  und verschrieb sich früh der nationalsozialistischen Bewegung  unter Adolf Hitler. Sein Weg führte über den Hitlerputsch 1923  zur maßgeblichen Beteiligung des Aufbaus der NSDAP, im August 1932 wurde er Reichstagspräsident und mit der Machtübergabe 1933 folgte das Amt des Ministerpräsidenten Preußens,  er machte in seinem Verantwortungsbereich die SA zu Hilfspolizisten in der Frühphase der Machtübernahme,  der Aufbau der geheimen Staatspolizei (Gestapo) war ebenso sein Betätigungsfeld  wie der Aufbau von Konzentrationslagern.  Er wurde ferner Luftfahrtminister und schließlich Oberbefehlshaber der Luftwaffe und war verantwortlich für den Vierjahresplan und übernahm die Führung der deutschen Wirtschaft bis hin zur Ausschaltung  des  jüdischen  Wirtschaftsleben.  Vielleicht sein weiterer Werdegang einmal an späterer Stelle.

Ich habe einmal die Zahl der Stahlhelme auf deutschen Briefmarken (in den  10 NS- Jahren 1935 – 1945) unter der Lupe ermittelt und bin auf 55 Soldaten mit Stahlhelmen auf 17 Briefmarken gestoßen ! Obwohl meinerseits nicht mit Ausgaben aus  Russland, China und Nordkorea verglichen, liegt hier vermutlich ein weiterer  negativer deutscher kurzfristiger Rekord vor und ein bedrohlicher Hinweis der politischen Lage in einer in der Regel  sonst friedlichen Philatelie.

 

Fortsetzung folgt