Holzwickede – Rathaus Holzwickede
21. Fortsetzung
20.07.2025
1956 übernahm die neu aufgestellte Bundeswehr wieder allein das Gelände als Truppenübungsplatz für das Versorgungsbataillon 7 der Glückauf Kaserne Unna. Als großes südliches Landschaftsschutzgebiet ist die Fläche nebenbei bemerkt ein passender „Naturausgleich für geplante Gewerbegebiete im Norden“ der Gemeinde. Die bäuerlichen Resthöfe wurden übrigens abgerissen. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt „im sog. Kalten Krieg“ im Jahr 1958 entstanden Pläne und Überlegungen auf diesem Gelände eine Flugabwehreinheit mittels Nike – Hercules Raketen zu besetzen.
Die Kreisverwaltung und die Haarstrangdörfer waren ebenso wie Teile der Holzwickeder Bevölkerung nicht begeistert Raketen mit Atombombenausstattung zu beherbergen und damit im Ernstfall als strategisch wichtiges Erstziel zu dienen. Im Jahr 1962 wurde aber dennoch die Raketenbatterie eingeübt der NATO unterstellt. Das 3. Batterie FlaRakBtl 21 wurde aufgestellt und hatte ihr Quartier nach einigen Umzügen in der neu erbauten Emscherkaserne im Jahr 1969.
oben Wappen des FlaRakBt 21 und rechts Übungsschießen mit Nike-Hercules auf Kreta
unten links 8 Raketenstellungen auf fahrbaren Lafetten in Opherdicke und rechts zugehöriges Radar und die Feuerleitstelle Hengsen
Die Nike-Hercules konnte übrigens mit Atomsprengköpfen bis 50 Kilotonnen TNT bestückt werden und damit die fast 4fache Stärke der Hiroshima Atombombe erreichen. Die Bundeswehr war zuständig für die Bereitstellung der Raketen und Zielführung, die Scharfschaltung lag bei den ca. 30 stationierten amerikanischen Soldaten mittels Kurzschaltung mit dem Pentagon in Washington . Die Amerikaner mit ihren Familien hatten ihre Häuser mit Wohnungen in der Wellstraße erhalten. Nebenbei bemerkt wurde eine der letzten atmosphärischen Atomwaffentests von den Russen ausgeführt am 30. Oktober 1961 mit der Wasserstoff -Zaren-Bombe mit 57 Megatonnen TNT-Äquivalent und damit 8000 mal stärker (!) als die erwähnte Hiroshima-Bombe und ein eigener Besuch im Hiroshima-Gedenkmuseum ist nach meiner Erfahrung schon erschreckend genug. Die ansteigende Radioaktivität in der Erdatmosphäre spez. am messbaren Strontium 90 Gehalt, veranlasste die Atomwaffenländer auf unterirdische Versuche auszuweichen, denn Radioaktivität kennt keine Ländergrenzen. Die Entwicklung der taktischen Neutronenbombe ca. ab 1961 "mit lokal begrenzter Wirkung mit hoher Strahlungsintensität und geringerer thermischer Wirkung ist bei offensiver Kriegsführung" sicherlich auch keine wünschenswerte Vorstellung. Die „Zarenatombombe“ z.B. im Ruhrgebiet zwischen Essen und Bochum als Zielort platziert, würde von Mönchengladbach bis Soest nur noch Ruinen hinterlassen ohne jegliches Leben.. Diese Angaben stammen aus meiner Erinnerung während der Schulung an der medizinischen Militärakademie in München, Schwere Reiter Straße im Jahr 1973. Nike-Hercules war am Haarstrang bis 1986 stationiert und wurde mit dem Patriot-Luftabwehrsystem ab 1987 ersetzt
Viele Details und auch Bilder stammen dankenswert aus den Aufzeichnungen von Autor Manfred Matysik Oberstabsfeldwebel a. D. Folgend eine seiner Anmerkungen im Original:
Am 30.6.1996 übernimmt die Gemeinde Holzwickede, vertreten durch die Bürgermeisterin Margret Mader und dem Gemeindedirektor Heinrich Kampmann, auf Grund eines Ratsbeschlusses vom 26.10.1995, die Patenschaft über die 3. Batterie der Flugabwehrraketengruppe 21, vertreten durch den Gruppenkommandeur Oberstleutnant Knabe und dem Staffelchef Major Klaus-Peter Waldhelm.
Im Jahr 2004 endet die militärische Ära in Holzwickede, Hengsen und Opherdicke. Noch ein bildhafter Hinweis auf die Emscherkaserne (rot umrandet) und rechts unten auf dieser Fläche der neue Wohnpark Emscherquelle (mit freundlicher Genehmigung H. Blossay)
Zurück in das Jahr 1936
Im Jahr 1936 forderte der Beigeordnete und NSDAP-Ortsgruppenleiter Geldmacher eine Umbenennung der katholischen Aloysius – Schule in Hans - Schemm-Schule. Hans Heinrich Georg Schemm war Gauleiter der bayrischen Ostmark und Reichsverwalter des Nationalsozialistischen Lehrerbundes (NSLB) und starb beim Flugzeugabsturz am 5.3. 1935 in Bayreuth. Er wurde posthum eine NS- Gallionsfigur und der Wikipedia – Artikel zu seinem Lebenswerk ist lesenswert. Das Jahr 1936 beginnt außerdem mit einer weiteren Revidierung des Friedensvertrages zu Versailles mit einem durchaus riskanten Einmarsch der noch geschwächten Wehrmacht auf Befehl Hitlers in das entmilitarisierte Rheinland im März 1936. Die Siegermächte Großbritannien und Frankreich schauten tatenlos zu. Hitler verbuchte in der Bevölkerung einen weiteren Prestigegewinn und eine Abstimmung Ende März erbrachte eindeutig ein zustimmendes Ergebnis.
Aus dem Jahr 1936 einmal eine Fotoansicht in seltener Nord-Südrichtung der Adolf-Hitler-Allee mit dem links sichtbaren Eingang zum Ratskeller im Rathausgebäude. Foto Jauer.
Aus dem Jahr 1936 ist noch ein Gemeindebeschluss erwähnenswert mit der Aufstellung
einer Gummisäule (Höhe 80cm) auf der Straßenkreuzung zur Unterführung hin zur besseren
Straßenführung und das regelt heute eine Ampelanlage
Die Gummisäule von 1936 ist noch nachweisbar im Jahr 1955 (weitere Daten erwünscht)
Lokomotivschuppen und Wasserturm oben im Bahnhofsgelände noch vorhanden
Der Wasserturm errichtet im Jahr1870 wurde übrigens im Jahr1958 abgerissen.
Ein dramatischer Wintereinbruch vom 17. auf den 18. April 1936 führte bei massivem Schneefall zum „Stillstand“ in der Gemeinde. Der Zugverkehr wurde eingestellt, Telefonleitungen waren unterbrochen und zahlreich umgestürzte Bäume unter der Schneelast waren die Folge. Am Klimawandel ist anscheinend wohl wirklich nicht zu rütteln.
Im Juli 1936 quartierte sich die Panzer-Abwehr-Abteilung mit ihrer 2. Kompanie in Holzwickede ein – der Bürgermeister Spring absolvierte hier eine Wehrübung – und die Holzwickeder Bürger waren begeistert und feierten am Abend auf dem Manöverball.
1936 war aber auch das Jahr der olympischen Spiele in Garmisch-Partenkirchen, Berlin und Kiel und wurden zur Propagandaschau der Nationalsozialisten. Bei Interesse einmal unter
www.Olympiaphilatelie.de reinschauen – Homepage ruht aktuell für „Holzwickede – Rathaus“
Eine kurze Pause der speziellen antisemitischen Aktionen war nur im Jahr 1936 während der olympischen Spiele zu registrieren, um nicht unnötig im Gesichtsfeld des Auslandes negativ zu erscheinen. Das NS – Regime zur Olympiade tolerierte sogar als Ausnahme beispielhaft Helene Mayer als jüdische Florettfechterin und sie errang eine Silbermedaille. Dazu eine Privatganzsache zu Helene Mayer (80Pf. Burgen u. Schlösser) portogerecht als Einschreib/Eilbotenbeleg mit der Sondermarke aus dem Jahr 1968 und passendem Sonderstempel. Der Einschreibzettel mit Gumminebenstempel oly und 5248 Wissen,Sieg 1 mit Datum vom 14.4.1984
Zurück nach Holzwickede
Im Sommer 1936 eröffnete Christof Bader aus Wickede-Asseln ein Kino in der Sedanstraße (heute Vinckestraße) zunächst nur über das Wochenende und Montag. Das Kino war bis in die 1980erJahre in Betrieb. Es folgte hier Dietmar Larm und bot EDV – Beratung an, bevor noch kurzfristig Elektro Michaelis hier tätig war. Das Gebäude übernahm aktuell Ralf Bieri und ersetze den Kinosaal mit einem exklusiven Neubau und das Fronthaus soll kernsaniert werden.
Fortsetzung folgt