Holzwickede – Rathaus Holzwickede
3.Fortsetzung
26.02.2025
Neben der bemühten Vorstellung zur lokalen Entwicklung in Holzwickede bis zum Rathausanbau in aktueller Zeit nun an dieser Stelle einmal folgend einige allgemeine Hinweise zum 15. Jahrhundert.
Der böhmische Theologe JAN HUS – vergleichbar mit dem späteren Wirken von Martin Luther – scheitert mit seinen theologischen Reformvorstellungen und Kritik an der päpstlichen Machtstruktur und endet jämmerlich durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen im Jahr 1415 in Konstanz.
Vermutlich badet die Bevölkerung 2x jährlich und die gesundheitliche Widerstandsfähigkeit ist rückblickend erstaunlich.
Namhafte Künstler wie Albrecht Dürer, Matthias Grünewald und Lucas Cranach bescheren Ende des 15. Jahrhunderts die Menschen mit ihren eindrucksvollen Werken.
Nach diesem kurzen „erkenntnisreichen Abstecher“ wieder zurück zur Grafschaft Mark.
Entwicklung der Grafschaft Mark, die 1609 zu Brandenburg kam u. damit zu Preußen
Holzwickede zugehörig der Grafschaft Mark liegt direkt benachbart zur Reichsstadt Dortmund und schon aus diesem Grund im Spannungsfeld der Grafen von der Mark und ihren ambitionierten Gebietsansprüchen (Stichwort Agneta von der Vierbecke und der 4.Oktober im Jahr 1378). Folgende Topografie (aus Wikipedia) belegt wie die Reichsstadt Dortmund wie ein Zapfen in die Grafschaft Mark ragt.
Zur Konsolidierung ihrer regionalen Gebietsansprüche waren die Grafen der Mark auch persönlich unterwegs in ihren Landesteilen und nach einem gräflichen Hofregister Ende des 14. Jahrhunderts waren Absteigequartiere festgelegt und auch in Holzwickede sind dazu der Hof Kranefeld im Ortsteil Dudenroth und der Hof Lücke im Ortsteil Natorp anzuführen. Der Hofbauer hatte den Grafen und sein Gefolge (häufig Jagdgesellschaft) zu versorgen mit Unterkunft und Nahrung auch der mitgeführten Jagdhunde und Pferde. Karlheinz Ligges spricht dabei von Grafen - und Hunde - Atzung (Atzung etymologisch d.h. bis ins 17. Jahrhundert Begriff für Beköstigung). Hof Kranefeld Ansicht 1955 K.Ligges Heimatschrift.
Hof Kranefeld (oberhalb Hof Lünschermann) zugehörig dem Adelssitz und Ortsteil Dudenroth
Auch der Adelssitz Dudenroth (Duddenrode) wurde übrigens schon Mitte des 12. Jahrhunderts urkundlich erwähnt in den Heberegistern der Benediktinerabtei Werden. Der zugehörige Grundherr war der Fronhof Marten bei Dortmund und wechselte evtl. später in den Besitz des Heilige Geist Hospitals zu Dortmund. Dazu findet sich im Jahr 1296 eine Erwähnung mit einer Gutsübertragung eines Hofes in Dudenroth. Nach K. Ligges: Bei der Vertragsschließung waren Albertus, uillicus (Schulze) de Holtwickede und gerhardus de Rusikhusen (Rausingen) als Zeugen benannt.
Auch die Erwähnung im Schatzbuch der Grafschaft Mark im Jahr 1486 von Jan und Peter von Natorp belegen das heimische Geschehen und an dieser Stelle auch einmal der Hinweis auf bedeutende märkische Adelsfamilien mit
Bodelschwingh, Plettenberg, Romberg, Syberg, Wenge und Elverfeldt
An dieser Stelle ist Martin Luther (*10.November † 18.Februar 1546) mit seiner Auslösung der Reformation anzuführen mit der Folge eines gewaltigen kirchlichen und politischen Strukturwandels in Europa und die Reformation hält im Jahr 1576 in der Opherdicker Kirche Einzug.
Als „bekennender Philatelist“ (die gegenwärtige Smartphone - Generation kann mit der Briefmarkenwelt nichts mehr anfangen) zumindest ein Ensemble zur Lutherphilatelie mit Lithografie der Wartburg aus dem Jahr 1895, Luther vor dem Reichstag in Worms, Gedenkblatt 500 Jahre Reformation, Luther – Sonderpoststempel mit einer Auswahl aus einem großem Repertoire mit Berlin, Zella-Mehlis, Wittenberg und Eisleben und letztere beiden Beispiele mit Einschreibzettel Lutherstadt.
Zurück ins weitere Geschehen der Grafschaft Cleve mit der zuvor übernommener Grafschaft Mark.
Nach Tod (1609) des letzten Herzogs von Cleve und der Mark (Herzog Wilhelm von Cleve) gab es Erbstreitigkeiten. In Folge des Jülisch - Clevischen Erbfolgestreits zwischen dem Kurfürsten von Brandenburg und seinem Schwager Pfalzgraf von Pfalz-Neuburg kamen Cleve, Mark, Ravensberg im Jahr 1630 zu Brandenburg auch oder erst nach Intervention kaiserlicher Truppen in der Mark durch Kaiser Ferdinand dem I. mit endgültiger vertraglicher Regelung zum Jahr 1666.
Diese Westerweiterung Preußens war von wesentlicher Bedeutung für Preußen und auch der Mark und Preußen erhielt durch die westlichen Provinzen Anschluss an das Rheinland. Der große Kurfürst weilte folgend durchaus öfters in Altena, Hamm und Cleve.
In diese Zeit fiel der 30jährige Krieg von 1618 bis 1648
Für alle beteiligten Regionen und ihre Bevölkerung war dieser politisch-religiöse Krieg im gesamten europäischen Machtgefüge eingebunden und eine entsetzliche Erfahrung. Seuchen und Hunger reduzierten die Bevölkerung bis zu einem Drittel. Bauernhöfe verwaisten ebenso wie ganze Landregionen und teils betroffene Gebiete benötigten ein Jahrhundert zur Erholung wirtschaftlicher und sozialer Strukturen !
Nur ein Jahrhundert später nach dem westfälischen Frieden 1648 in Münster folgte der 7jährige Krieg (1756 bis 1763), der auch seine Spuren in der ehemaligen Mark hinterließ, aber Preußen endgültig als 5. Großmacht in Europa etablierte.
Der 7jährige Krieg hatte durchaus für Holzwickede auch eine lokale unerfreuliche Bedeutung. Ein ausführlicher Bericht von leider nicht gekennzeichnetem Schreiber schildert die Situation. Es kam auf Holzwickeder Gebiet zur französischen Besatzung mit Verschanzungen im Bereich der Schönen Flöte und dem Liedbachtal. Die Franzosen plünderten erheblich die Bauernhöfe zur Verpflegung ihrer Soldaten in allen Ortsteilen mit Dudenroth, Rausingen und besonders die Höfe im sog. Alten Dorf Holzwickede. Herzog Ferdinand von Braunschweig – Wolfenbüttel gelang es nicht nur in der Schlacht bei Minden im August 1759 die Franzosen trotz zahlenmäßiger Überlegenheit vernichtend zu besiegen und damit Norddeutschland und Hannover zu befreien, sondern auch Preußen weiterhin damit Westfalen zu sichern. Die Truppen Ferdinands lagerten aber auch in Soest und von dort über Unna kam es zum Befreiungskampf auch auf Holzwickeder Boden und Zerschlagung der französischen Soldatenkontingente.
Folgend die Verhältnisse der alten Grafschaft Mark ca. Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Grafschaft Stadt Dortmund ist separiert zur Grafschaft Mark und das Straßennetz belegt den Hellweg von Dortmund über Unna Richtung Soest. Holzwickede wird über den Weg Hörde und Aplerbeck Richtung Unna eingebunden. Holzwickede damals im Amt Unna der ehemaligen Grafschaft Mark, die 1609 in Folge des Jülich – Clevischen Erbfolgestreits zu Brandenburg kam und damit preußisch wurde siehe obige Ausführungen.
Aber erst ein Detailausschnitt lässt die genauen Strukturen für Holzwickede erkennen:
Hinweis: In dem 250jährigen Kartenausschnitt ist die Schreibweise nicht unbedingt mit der heutigen Form exakt identisch s. Holtzwickede und interessant die Straßenführung.
Im Norden von Westen kommend liegen am Hellweg von Dortmund ausgehend die alten Adelshäuser in Brakel (aber noch Grafschaft Dortmund!), Asseln und Wickede auf dem Weg nach Unna und hier schon in der Grafschaft Mark gelegen und eingezeichnet. Der Hellweg verläuft dann weiter östlich über Unna hinaus Richtung Werl – Soest. Die darunter vermerkten Adelshäuser liegen in der Grafschaft Mark an der alten Handelsstraße Aachen – Königsberg kommend von Hörde über Rodenberg (Aplerbeck) und Dudenroth (Holzwickede) nach Unna und dies war ab 1807 auch Postweg der bergischen Post unter Napoleon und später nach 1813 wieder preußisch. Ein weiterer südlich gelegener Postweg (oben nicht eingezeichnet) von Schwerte über Lichtendorf und die Landskrone (Poststation wohl später Hof (?) Heuvermann ) führte weiter über den Landweg und erreichte Unna als preußischer Postweg ab 1782 bis ca. 1807 sein Ziel und vereinigte sich vorher in Holzwickede (ab der heutigen Massenerstraße) mit dem schon älteren Thurn – und Taxis - Postweg seit 1755 und dieser evtl. schon seit 1713, der nicht über die Landskrone führte sondern über Schwerte und Hengsen (Ortsteil von Holzwickede seit 1968) und hatte hier oben auf dem Haarstrang eine Poststation zum Wechseln der Pferde auf dem Hof Strenge. Die Thurn und Taxis Post lief dann schon aus Gründen der Steigungen über den Hengser Weg und vereinigte sich mit der preußischen Postweg auf der heutigen Massener Straße (damals Brauckstraße dann später Weißenburgerstraße und heute Massenerstraße) und lief Richtung Unna aber durch das Liedbachtal. In alten Chroniken findet sich der Hinweis, dass Friedrich der II. König von Preussen (der „Alte Fritz“) auf einer Fahrt mit seiner Königskutsche aus dem Rheinland kommend über Schwerte den Postweg über die Landskrone und den Landweg nahm, um auf dem weiteren Weg nach Unna im Liedbachtal im Morast festzuhängen z.B. unterhalb des Hofes Spielfeld. 16 Pferde der umliegenden Bauern sollen gegen Bezahlung die Kutsche wieder flott gemacht haben.
Das oben eingezeichnete Adelshaus in Opherdicke – seit 1968 ebenfalls Ortsteil von Holzwickede – liegt auf dem Haarstrang in östlicher Richtung - lag außerhalb der angeführten Postwege.
Fortsetzung folgt