Holzwickede – Rathaus Holzwickede
7 .Fortsetzung
27.03.2025
In diesem Zusammenhang sind die Besitzverhältnisse in der zukünftig geplanten Gemeindemitte zu erläutern und dazu die Aufnahme aus dem Verlag Hinnerwisch, die in die Anfangsjahren ca. im Jahr 1903 des 20. Jahrhunderts zu datieren ist und zeigt die durchgehend freie landwirtschaftliche Fläche Richtung Norden mit Blick in Richtung Bahnhofstraße. Das gesamte Gelände gehörte zum Hof Dudenroth und war damit seit 1897 in den Besitz der Zeche Caroline gekommen. Aufnahmestandort ist in Höhe des heutigen EDEKA – Geschäftes in der Gemeindemitte anzunehmen.
Ganz links ist das erste Haus von Friedrich Jaques ca. aus dem Jahr 1872 zu sehen mit späterem Verkauf an August Thies ca.1901 und zu dieser Zeit im Adressbuch unter Hohenleuchte1. Daneben ein Bahnhaus (hier lange Mieter bis zum Abbruch Herr Bade und heute hier Rossmann und Netto) und dazwischen im Hintergrund der südwestliche Schornstein der Zeche Caroline. Es folgt dann weiter östlich die große FEME (Bahnarbeiterwohnungen) und dahinter der 2. Schornsteine der Zeche Caroline. Vor dem Feme - Gebäude projiziert sich wohl in dunklen Ziegelsteinen links wohl das Haus Hugo Maas mit Bäckerei u. Colonialwaren und später Übernahme durch Wimbert (heute Pizzeria Positano) und rechts daneben die erste Apotheke (Inhaber Fitz Brodtmann gebaut 1895/6, Nachfolger und Umbau Apotheke Theer, später Zahnärzte Kockskämper mit Nachfolger Amin Khatib) ) und es folgt weiter nach rechts daneben das „helle Haus“ der Post, die hier von 1887 bis 1896 residierte. Das Haus wurde vom Landwirt Ebbinghaus vom Haus Dudenroth im Jahr 1887 für die Post errichtet. Die Post zog dann später 1896 auf die Königstraße (nach Zechendirektor König) in die heutige Stehfenstraße bis zum Jahr 1945 (Zerstörung beim Luftangriff 23.März) um. Nachfolger im Haus der Poststelle, die dieser Straße bis heute ihren Namen gab, war der Metzger Urpiallek. Nachfolger wurde später zunächst wohl Metzger Albert Rieke (?) und dann Metzger Vonhoff, es folgte dann hier später vorübergehend die Polizeistation und zuletzt wurde das Gebäude durch die Gemeindeverwaltung genutzt, bevor der Abriss für den neuen Rathausanbau anstand. Nach rechts kommen wohl die Rückfronten der Häuser an der Post- und Bahnhofstraße zur Abbildung mit Wilhelm Garre (Schreinermeister an der Poststraße 4, nicht zu verwechseln mit August Garre in der Sedanstraße, dieser war Bauunternehmer s. Bau der Eisenbahnunterführung 1911) und auf der Bahnhofstraße das erste Gebäude ehemals Frigge und hier später Robert Hohagen (erstes Haus mit Textilgeschäft) und recht imposant nach rechts die Gastwirtschaft zum Deutschen Kaiser von Wilhelm Böhle und dem Colonialwarengeschäft von Ernst Höing. Zur ergänzenden Erläuterung Robert Hohagen baute später benachbart neu mit dem Textilgeschäft seiner Frau und als Viehhändler belegte er Stallungsgebäude im Hinterhof. Letztere Räumlichkeiten hat dann später einmal Josef Joy übernommen und eine Wäscherei betrieben bevor er das alte Kino von Walter Böhle übernahm.
folgend noch einmal Erstbau Frigge / Hohagen Ecke Bahnhofstraße /Alleestraße
Später Gemüse- und Fischladen Hakenesch. Im Hintergrund rechts oben noch der Sims vom Wohnhaus der Zeche, hier erster Wohnort von Vincenz Wiederholt, dann wechselnde Mieter oder Besitzer s. unter anderem Colonialwarenhändler Wimbert, Heilpraktiker Dr. Grüger und heute Neubau mit Drs. med. Westermann und aktuell mit dem Orthopäden Dr. med. Akin Uzun (Nachfolger von Dr. Petschulat) belegt. Zwischen diesen Gebäuden war wohl einmal eine zweite Schmiedewerkstatt (?) Weitere Information dazu eventuell aus dem Kreis der Homepagebesucher erwünscht. Weitere Schmiedewerkstatt Böcker war im Alten Dorf.
Weitere Gegebenheiten zum Haus auf der Straßenecke Bahnhofstraße und Alleestraße:
Beim alliierten Luftangriff am 23. März 1945 auf Holzwickede wurde das Haus zerstört. Wiederaufbau Anfang 1954/55 und Einzug der Sparkasse 1955. Sparkasse zog schließlich in die Allee 3 (hier später Bürgerbüro der Gemeindeverwaltung). Nach Auszug der Sparkasse wechselnde Mieter im Eckhaus mit u.a. Schuhgeschäft Rose, Sanitär Tollknäpper, Autoteile Pohl, aktuell Handarbeitsgeschäft.
Die Allee“straße“ endete zunächst schon bei Urpiallek ( Urpiallek aber unter Poststraße 1) und führt noch nicht in der Verlängerung nach Süden zur geplanten Gemeindemitte mit Bau der evang. Kirche und dem anvisiertem Rathaus mit dem dazwischen liegendem Marktplatz.
dazu ein Luftbild zur späteren Situation und Bebauung
Links Gelände der evang. Kirchengemeinde mit Kindergarten (auf dem ehemaligen Gelände der Gärtnerei Nagel), Jugendzentrum links im Vordergrund mit Bau 1950, evang. Gemeindehaus (1950), Pfarrhaus (1908) und Kirche (1907). Nach rechts Arzthaus Dr. Lotz gebaut ca. im Jahr 1934/35 (später ab 1.6.1944 hier Dr. Kurt Watermann und Nachfolger später Sohn Hans-Georg gefolgt von Dr. Udo Pappert). Schließlich der Marktplatz mit dem noch angedeuteten Rathaus. Zu Dr. Lotz später noch einmal mehr.
Mit dem Erwerb von Gut Dudenroth war die Zeche also seit 1897 im Bereich der geplanten Gemeindemitte der maßgebliche Großgrundbesitzer. Das Flächenbesitztum war immens und die Zeche Caroline konnte zentrale Flächen auch an die katholische und evangelische Kirchengemeinde südlich der Bahnlinie und damit im zukünftigen Hauptentwicklungsgebiet der Gemeindemitte anbieten und abgeben. Mit der stark angestiegenen Bevölkerungszahl zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Wunsch vorhanden eigene Kirchen in der Gemeinde Holzwickede unabhängig vom Bergdorf Opherdicke mit seinen zuständigen Kirchengemeinden zu etablieren und großzügig war auch die Geste der Zeche mit den Grundstücken. Trotz Bergbauregion und teils Grundwasserproblemen in der Senke zwischen Haarstrang und Chaussee konnten die Gründungen auch für die gewichtigen Kirchtürme bewältigt werden. Die katholische Kirchengemeinde kam zuerst zu ihrem Bauwerk und die Einweihungsfeier war der 13.II.04 und in dieser Schreibweise hielt der Grußschreiber das Ereignis auf der linken „Bausteinkarte“ fest. Die evangelische Kirche folgte im Bau mit der Einweihung am 12.7.1907.
Die obigen Zeichnungen entstanden also vor dem Bau der Kirchen und hielten die Planungsskizzen bildhaft als Ansichtskarten fest und spez. zu den Kirchturmspitzen mit Kreuz und Kirchturmhähnen ist eventuell später einmal etwas näher einzugehen Die obigen visionären Zeichnungen nach Planungsunterlagen mit praktisch identischer Gestaltung der Kirchturmspitzen mit Kreuz und Hahn hatten nämlich ihre Entwicklungsgeschichte und dazu vielleicht später einmal weitere Ausführungen.
Bevor nach dem Bau im Jahr 1907 der evang. Kirche und Pfarrhaus 1908 das Gemeindehaus (1950) zur Planung anstand, gilt es aber eine Marktplatzgestaltungen vorzustellen und dies führt uns zum Kriegerdenkmal in das Jahr 1876.
Für die gefallenen Soldaten aus Holzwickede gedachte man mit Ehrentafeln am alten Kriegerdenkmal für den Krieg 1865/66 und 1870/1871, das gegenüber der Südschule dort 1876 aufgestellt wurde und hier lag die größte Bauernschaft zu dieser Zeit mit der höchsten Einwohnerzahl (ca. 200) und auch wesentlich besetzt mit Handwerkern, Schneidermeister, Schuhmacher, Sattler, Fuhrunternehmen mit Beerdigungswagen, Poststelle in der Gastwirtschaft Gravert und Schmied. Auch ein Tierarzt war wohl vor Ort und der praktizierende Arzt Dr. med. Karl Voigt hatte wohl zunächst seine Niederlassung auch hier. Diese größte Bauernschaft Holzwickede gab damit nach Zusammenschluss der Ortsteile Rausingen, Natorp und Dudenroth 1843 den Namen Holzwickede der Gesamtgemeinde und die Einwohner reden vom Alten Dorf, wenn sie zur Orientierung den alten Ortsteil Holzwickede benennen wollen.
Nachfolgend einmal die handwerklichen Berufe in einem alten Dorf
Damit ein Dorf noch bis Ende des 19. Jahrhunderts und bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts „funktionieren“ konnte, waren Metzger, Schumacher, Schneider, Bäcker und die wichtigsten Männer der Schmied und der Sattler im Ort tätig. Wichtig waren Sattler und Schmied um bäuerliches Fuhrwerk, landwirtschaftliche Gerätschaften z.B. Pflug und Zaumzeug funktionsfähig zu erhalten und damit unabdingbarer als später noch zusätzlich der Tierarzt. Dazu noch Bilder aus der Schmiede Kissing in Hengsen, Oststraße noch in Betrieb bis Mitte der 1940er Jahre (Quelle Hilburg).
Zurück zum Ehrenmal. Im Alten Dorf.
Folgend Denkmalfeier (Einweihung?) am ersten Standort und der sichtbare Weg ist die heutige Bahnhofstraße nord-westlich zur Ortsmitte und Bahn ziehend durch noch rein landwirtschaftliche Flächen. Die weiß gekleideten Festdamen stehen also im heutigen nord-östlichen Straßeneck Goethestraße und Bahnhofstraße
Das Denkmal im Alten Dorf gegenüber der ehemaligen Südschule war aber im Jahr 1910 auf den zukünftigen neuen Marktplatz vor dem Rathaus umgezogen. Für die Gefallenen des 1. WK fand übrigens später am 15.6.1924 eine Ehrenveranstaltung statt mit Ergänzungstafeln zu den Gefallenen.
Links Denkmal 1870/71 im Alten Dorf und rechts umgesetzt zum Markt und auf der Kirchstraße (heute Goethestraße) ein Menschenzug aus dem Alten Dorf zur Feier am Denkmal.
Am 15.6.1924 fand also auf dem zukünftigen Marktplatzdort die große Feier mit der Tafelergänzung der Gefallenen aus dem 1. Weltkrieg statt. 1962 wurde das Kriegerdenkmal abgerissen (dazu später mehr) und das neue Mahnmal für die Opfer und Gefallenen vom Bildhauer Josef Baron aus Hemmerde wurde im neu gebauten Emscherpark 1963 eingeweiht.
Nachfolgend ein seltener nord-südlicher Blick über den Marktplatz Richtung evang. Pfarrhaus und Kirche ca. aus dem Jahr 1915 und zeigt den Kirchenbau von 1907 und das Pfarrhaus 1908
Dieses Kriegerdenkmal war häufig Kulisse und findet sich speziell mit „wehrhaften“ Gegebenheiten wie Kriegervereinen, Musterungssoldaten, Hitler Jugend, nach dem 2. Weltkrieg mit Totengedenkfeiern usw. vergesellschaftet. Dazu werden an späterer Stelle Beispiele vorgestellt.
Fortsetzung folgt