Holzwickede Kellerkopfdenkmal
25.11.2025
Ich möchte einmal das Denkmal am Kellerkopf als eigenen Menüpunkt vorstellen. Das Thema ist durchaus komplex und im heutigen Zeitverständnis auch kritisch zu betrachten als eindeutiges Kriegerdenkmal mit seinen revanchistischen Aspekten.
Aber als beachtenswertes Bauwerk der Holzwickeder Historie lohnt sich dennoch eine Vorstellung auch im Bemühen nachträglich den Zeitgeist seiner bestimmenden Gründer zur Errichtung des Denkmals zu erahnen, auch wenn ein Verständnis aus heutiger Sicht problematisch ist.
Das Denkmal rechts oben mit den Kränzen der Einweihung vom 1. September 1929 am Kellerkopf in Hengsen führt uns zum näheren Verstehen in die Stadt Metz in Lothringen und zum dortigen 1. Lothringischen Infanterie-Regiment Nr. 130 vor und im ersten Weltkrieg. Dazu passend links oben ein Soldat im Jahr 1903 in der Gardeuniform der 130er und rechts unten Gottlieb Graf von Haeseler und preußischer Generalfeldmarschall, der von 1890 bis 1903 das Armeekorps in Metz kommandierte. Links Blick auf das Deutsche Tor und die Kathedrale.
Die Geschichte der Stadt Metz ist geprägt durch wiederholt wechselhaft deutsch-französische und auch realisierte Besitzansprüche an dieser Stadt und dem zugehörigen Lothringen.
Im Mittelalter zugehörig dem fränkischen Reich war Metz und Region Reichsstadt im Deutsch-Römischen Reich, bevor Mitte des 16. Jahrhunderts Frankreich unter König Heinrich II. Metz in Besitz nahm und im Westfälischen Frieden von 1640 auch rechtmäßig Frankreich zugeordnet wurde. Im Laufe der Jahrhunderte wurde Metz als Handelsstadt und im Bankengeschäft tätig und wurde fortlaufend zur Festungsstadt im Grenzgebiet zu Deutschland ausgebaut. Dennoch kapitulierte Metz im deutsch-französischem Krieg nach mehrwöchiger Belagerung durch deutsche Truppen am 27. Oktober 1870. Zu den Schlachten um Metz eine Militärkarte (Meyers Konversations – Lexikon 5. Auflage aus dem Bibliographischen Institut Leipzig).
Metz kam zurück ins Deutsche Reich. Die Festungsbauten wurden übernommen und darüberhinaus weiter ausgebaut mit einem 2fachen Festungsring um Metz herum zur damals größten bekannten Festungsstadt. Der Sieg über die Franzosen im Jahr 1871 brachte Bismarck ferner seine Wunschvorstellung mit der Kaiserproklamation in Versailles
Nachfolgend deutsche Militärparade auf dem Platz der Armee (Poststempel Metz 25.7.1913).
Rückgabe an Frankreich Ende des 1. Weltkrieges
Der 2. Weltkrieg brachte kurzfristig die Neueroberung von Metz ins Deutsche Reich bis zur Kapitulation 1945 und deutlich die deutsche Besatzungsphase erkennbar mit dem Hakenkreuz über dem Deutschen Tor im Poststempel Metz und Hindenburgmarke mit Aufdruck Lothringen
das Ende des 2. Weltkrieges brachte wieder Frankreich in den Besitz von Metz und Lothringen
Das große politische Interesse in der Zeit des 19. und des 20. Jahrhunderts waren die großen Eisenerz- und Kohlereviere in Lothringen (damals 50 Prozent der Weltförderung) und verständlich damit zwangsweise auch ein militärischer Aspekt. Entsprechend haben die jeweiligen „Landesbesitzer“ auf die Absicherung geachtet und massive Festungen und auch Kasernen etabliert, die bei Besitzerwechsel natürlich übernommen wurden.
Im thematischen Zusammenhang ist die folgende Lithographie (2.4.1899) vorzustellen mit der großen französischen Kaserne Ney (Caserne du Gènie) in Metz aber mit Umbenennung zur Kaiser Wilhelm – Kaserne nach 1871 für das II. und III. Bataillon des Reserve Infanterie Regiments Nr. 130.
Kaserneneingang Inf.Reg.130 mit deutschen Soldaten (s. Pickelhauben)
und im Detail mit französischen Soldaten
da nach dem 1. Weltkrieg Metz mit Lothringen wieder zurück nach Frankreich fiel
Nach kurzer Besatzungszeit im 2. Weltkrieg ist Frankreich erneut und bleibend im Besitz.
Das 130. Reserve Infanterie-Regiment Nr. 130 in Metz rekrutierte sich nun hauptsächlich aus wehrpflichtigen Soldaten aus unserer Region speziell mit Schwerte und Westhofen u.a. Dortmund, Bochum.
Heeresleitungen haben stets zu allen Zeiten ganz allgemein nach Rekrutierung auf regional gemeinsamen Einsatz und Verwendung gesetzt, um auch das Kameradschaftsgefühl aus der Heimat im Schützengraben beim Fronteinsatz auszunutzen und zu sichern.
Ferner wäre daneben auch die mundartliche Verständigung z.B. zwischen Soldaten aus dem Allgäu und dem Rheinland mit eventuell ernsthaft tragischen Missverständnissen behaftet gewesen !
Das folgende Kriegerdenkmal Hengsen ist nur mit dem 1. Lothringischen Infanterie-Regiment Nr. 130 in Metz und dem 1. Weltkrieg im Zusammenhang zu verstehen.
Weltkriegssoldat auf dem Sockel mit der Zahl 130 im Kranz auf Ehrenkreuz
Eine ausführliche Vorstellung des Kriegerdenkmals folgt an späterer Stelle.
Durchaus bezeichnend für die verbreitete Stimmungslage der Bevölkerung zur damaligen Zeit ist die unten abgebildete Erinnerungskarte zur Fahnenweihe und zur 40jährigen Jubelfeier des KRIEGERRESERVE- u. LANDWEHR- VEREINS HOLZWICKEDE aus dem Jahr 1913. Die Ansichtskarte zeigt das Kriegerdenkmal links oben zu Ehren der Gefallenen aus dem Krieg 1870/71, Kaiserporträt und die Fahne in vorder- und rückseitiger Ansicht u.a. mit dem Text MIT GOTT für KAISER und REICH vervollständigen das Kartenbild.
Die Straßennamen in Holzwickede waren damals ebenfalls in diesem Sinne besetzt. Mit Kaiser-, Kronprinzen-, Sedan-, Roon-, Hohenzollern-, Blücher- und Moltkestraße seien hier nur einige Beispiele genannt, die auch ein Spiegelbild der damaligen Gesellschaft sind.
Das obige Kriegerdenkmal von 1870/71 war zunächst im „ALTEN DORF“ gegenüber der alten Südschule bis 1911 platziert, bevor es auf den zukünftigen Marktplatz in der Gemeindemitte vor dem geplanten Rathausbau neu aufgestellt wurde. Dieses Kriegerdenkmal war häufig Kulisse und findet sich speziell mit den „wehrhaften“ Gegebenheiten wie Kriegervereinen, Musterungssoldaten usw. vergesellschaftet. Aus heutiger Sicht wirkt die folgende Aufstellung des ortsansässigen Kriegervereins vor dem Denkmal wie ein Panoptikum, war aber im damaligen Zeitgeist eine durchaus ernsthafte Angelegenheit
Auf der abgebildeten Gewehrgruppe vor 100 Jahren finden sich Gemeindemitglieder, die auch heute noch namensmäßig bekannt und in der Erinnerung durchaus gängig sind u.a. Rissik, Knoke, Hakenesch und Gravert.
Fortsetzung folgt