Holzwickede – Rathaus Holzwickede
17. Fortsetzung
21.06.2025
Die NSDAP hatte erst Ende der 1920er Jahre eine zunehmende aber noch kleine Anhängerschaft, die sich aus den Dörfern Holzwickede, Hengsen und Opherdicke unter dem Schmiedemeister der Zeche Caroline Paul Geldmacher politisch organisierte. Bei der Reichstagswahl im Jahr 1928 lag der NSDAP-Stimmenanteil nur bei 3,5% (=124 Wähler) von 3564 gezählten abgegebenen Stimmen in Holzwickede. Aber schon bei der Reichstagswahl im Jahr 1930 fanden sich nun schon 592 NSDAP – Wähler und steigerten sich auf einen abgegebenen Anteil von ca. 1200 Stimmen im Juli 1932 ! Nach der Ernennung von Adolf Hitler Ende Januar 1933 zum Reichskanzler waren am 5. März 1933 erneut Reichstagswahlen angesetzt worden und unter dem Ortsgruppenleiter Paul Geldmacher wurde die NSDAP in Holzwickede erstmals stärkste Partei mit 1688 Wählern. Die Orts - NSDAP feierte das Ereignis mit der Hissung der Hakenkreuzfahne auf dem Rathaus (Protest von Gemeindevorsitzendem Rieke) und Fackelzug durch die Gemeinde.
Bereits 1 Woche nach der oben erwähnten Reichstagswahl Anfang März 1933 war der Termin der Gemeinderatswahlen und mit 8 Mitglieder wird die NSDAP stärkste Ratsfraktion in Holzwickede !
Der Gemeindevorsteher Theodor Rieke wurde dann zur weiteren Amtszeit auf der konstituierenden Sitzung der Gemeindevertretung durch die Zentrumspartei vorgeschlagen und auch noch einmal gewählt am 28. März 1933. Der Hofbesitzer Friedrich Wilhelm Spring mit langjähriger NSDAP – Mitgliedskarte wurde zunächst nur Stellvertreter. Auf dieser Sitzung erfolgte auch eine rasche ersichtlich NS – konforme Straßenumbenennung und Holzwickede bekam eine Adolf-Hitler-Allee (für Alleestraße), eine Hermann Göring-Straße (für Nordstraße), eine Horst Wessel-Straße (heute Am Markt), eine Schlageter-Straße (für Poststraße) und aus früheren Zeiten war man schon mit Sedan-, Gneisenau- und Moltke-Straße „beglückt mit militärischem Klang“. Übrigens die Umbenennung der Kaiserstraße in Admiral Scheer-Straße erfolgte ebenso wie die Josefstraße in Hans Schemm-Straße erst im März 1936. Nachfolgend die Fotoansichtskarte nun als Adolf Hitler-Allee in süd-nördlicher Richtung mit dem rechts gelegenen Rathaus. Die Baumbepflanzung hat deutlich an Höhe gewonnen und dass Rathausgebäude selbst erscheint schon weinberankt bis zum 2. Obergeschoss. Der Marktplatz war zum Hindenburgplatz umfirmiert worden.
In dieser Phase war die Konsequenz für Theodor Rieke bei veränderter politischer Lage logisch mit seinem Rücktritt zum 25.4.1933 und schon am 25.4. wird mit dem langjährigen NS – Mitglied der Landwirt Friedrich Wilhelm Spring kommissarisch als 1. Gemeindevorsteher tätig bis zu seiner endgültigen und problemlosen Wahl. (Für Interessierte hier noch der Hinweis zur zugehörigen Hofstelle. Es war dies früher der Hof der betuchten Familie ZU NATORP, später dann Spring und aktuell Bauhof der Gemeinde Holzwickede).
Zu den oben erwähnten Gemeinderatswahlen am 12.März 1933 wurde auch der Westfälische Provinziallandtag gewählt und die NSDAP – Holzwickede entsandte Dr. med. Karl Lotz.
Zu Dr. Lotz sind doch noch einige weitere Ausführungen erlaubt, denn er hatte auch „örtlich“ eine Beziehung zum Rathaus und seinem vorgelegenem Marktplatz, denn folgend auf dem Foto die Hitler Jugend auf dem Marktplatz nun Hindenburgplatz vor dem Haus Dr. Lotz.
Nicht ohne Grund baute sich in dieser Perspektive die Hitler Jgend auf. Dr. med. Lotz später noch Mitglied des Reichstages baute das Arztpraxishaus auf dem Marktplatz ca. im Jahr 1934/5 (später hier Vater und Sohn Drs. Watermann und dann Dr. Pappert) direkt an der damaligen Horst Wessel-Straße (heute Am Markt) und gegenüber dem evangelischen Pfarrhaus aus dem Jahr 1908 gelegen. Im Jahr 1935 erhielt die NS – Gruppierung Holzwickede 1935 in Nürnberg eine SA – Standarte verliehen. Träger wurde besagtes NS – Mitglied Dr. Lotz. Folgendes Bild dokumentiert die feierliche Einholung der SA-Standarte in Höhe Ecke Adolf Hitler Allee/Parkstraße vor dem Haus des Mediziners Dr. Voigt (Haus wurde beim Luftangriff 1945 zerstört und lag quasi gegenüber vom Haus Lotz auf der anderen Marktplatzseite). Bild aus dem Buch von Herbert Wilhelmy aus der Reihe Archivbilder HOLZWICKEDE im Sutton Verlag GmbH Erfurt im Jahr 2005.
Dr. Karl Lotz war zudem Gaugesundheitsführer des NS – Gaus Westfalen-Süd mit Sitz in Dortmund. Durch seine zahlreichen Ämter wurde er in der Praxis durch Dr. Schüßler vertreten. Im Jahr 1943 wurde der Sitz der Kassenärztlichen Vereinigung in Dortmund durch Luftangriff zerstört und nach Plettenberg ausgelagert. Dr. Lotz wurde nach dem 2. Weltkrieg interniert. Sein weiterer Lebensweg ist mir nicht bekannt, er verstarb im Jahr 1977 in Kassel.
Über Holzwickede „strahlte nun das Hakenkreuz symbol- und schicksalsträchtig vom Haarstrang herunter“ (seltene Fotopostkarte, schwieriger Scan der schlechten Vorlage).
Der Gemeinderat war mittlerweile auf 18 Mitglieder angewachsen, der Ratskeller war durch die Gastronomie belegt und es bedurfte nun schon einer Neuplanung im Obergeschoss des knapp 20 jährigen Rathauses.
Nach Betreten des Hausflures im ersten Stock über die schon vorgestellte
denkmalgeschützte Treppe (Foto Gemeinde Holzwickede, Theresa Gernreich)
fiel der Blick nun auf die nationalsozialistische Ordenswand zu Ehren der
westfälischen NS – "Märtyrer aus der Kampfzeit“
Die leergezogenen Wohnungen wurden umgebaut und nun ein großer Sitzungssaaal geschaffen und mit einem Hilgenbaum-Dekor auf der Westseite geschmückt und die Nordseite dekorierte ein damals in Verwaltungsgebäuden übliches Bild mit dem Reichskanzler Adolf Hitler. Bild Familie Jauer.
Apropos Hitlerbild. Nicht nur amtliche Stuben waren entsprechend dekoriert, auch das rein christliche Versandhaus Quelle hatte ein Hitlerbildnis mit Goldleiste preiswert anzubieten für den NS – bewussten Haushalt und bei 200.000 Kunden sicherlich kein Ladenhüter
Bezeichnend für die sich schon abzeichnende Einstellung zur politischen Situation ist die Gründung einer Ortsgruppe Holzwickede zum zivilen Luftschutz im Reichsluftschutzbund schon im Jahr 1933 und mit Luftschutzübungen ab dem Jahr 1934. Für Hitler war der 1. Weltkrieg nie beendet und seine Planungen waren stets auf eine Kriegsweiterführung ausgerichtet.
Etwas weniger politisch wirbt aber auch ein friedliches Turnfest in diesem Jahr 1933 vor der Kulisse des Rathauses. Auf dem Plakat im ersten Stock ist noch DIE DEUTSCHE TURNERSCHAFT zu enträtseln, die Fahne der Turnerschaft mit dem Symbol für frisch, fromm, fröhlich, frei und die Buchstabenreihe der Mädchen im Vordergrund beinhaltet den Schriftzug: REIHT EUCH EIN.
Nebenbei bemerkt, reihte sich die Turnerschaft schon 1934 zwangsweise in den Deutschen Reichsbund für Leibesübungen ein und die formale Auflösung erfolgte im Jahr 1936 und wir sehen ein weiteres Beispiel der allumfassenden nationalsozialistischen Vereinnahmung.
Fortsetzung folgt