Holzwickede – Post
12. Fortsetzung
28.02.2024
Die Kriegseuphorie des Jahres 1914 erstickte in den Schützengräben der erstarrten Westfront im Trommelfeuer der Geschütze. Das Preußen-Museum Wesel hatte dazu einmal eine recht eindrucksvolle Ausstellung, die auch akustisch das permanente Artilleriefeuer dem Besucher präsentierte mit Ausblick aus einem Schützengraben auf die feindlichen Linien und somit eine furchterregende Erinnerung blieb.
Für die gefallenen Soldaten aus Holzwickede gedachte man mit Ehrentafeln am alten Kriegerdenkmal zum Krieg 1870/71. Das alte Denkmal im Alten Dorf gegenüber der ehemaligen Südschule war im Jahr 1910 auf den zukünftigen neuen Marktplatz vor dem Rathaus umgezogen und die Ehrenveranstaltung für die Gefallenen des 1. WK fand am 15.6.1924 statt.
Links Denkmal 1870/71 im Alten Dorf und rechts umgesetzt zum Markt und auf der Kirchstraße (heute Goethestraße) ein Menschenzug aus dem Alten Dorf zur Feier am Denkmal.
Da war dann rückwirkend zum 1. Weltkrieg das Ehrenkreuz für Witwen im Namen des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler sicherlich auch kein Trost. Siehe auch dazu den Menüpunkt Holzwickede – Zeche spez. 7. Fortsetzung.
Aus der letzten Kriegsphase des 1 Weltkrieges noch ein Briefbeleg chronologisch mit Zweikreisstempel Opherdicke und dem Datum vom 9.6.1918 nach Hindenburg (O.S. = Oberschlesien).
Im Jahr 1919 wurde am 1. April dem Postamt Holzwickede noch die Postagentur Billmerich als Landpoststelle zugeteilt, die bis dahin dem Postamt Unna unterstellt war und die Post Holzwickede beauftragte zur Bewältigung dazu ein privates Fuhrunternehmen.
Gasthof zur Post Karl Hemke Billmerich b.Unna
Obige Grußkarte mit dem Gasthof zur Post und Postamtsschild und Briefkasten ging nach Kamen und rückseitig Text mit Unterschrift Carl Hemke.
Dazu noch einmal die Postagentur Billmerich (zugehörig hier noch der Postexpedition Unna) auf einer Lithografie geschrieben im Jahr 1910 nach Fröndenberg mit Abbildung Gasthof zur Post von Carl Hemke zusammen mit einer Ansicht der Dorfschule.
Am 22. November 1922 Einbruch in der Poststelle Holzwickede in der Königstraße Nr.9, der trotz Schweißarbeiten an der Tresorqualität scheiterte.
Nach dem 1. Weltkrieg änderte sich auch die Poststruktur für Holzwickede mit den Haarstrangdörfern Opherdicke und Hengsen, denn die Poststelle Opherdicke bei Becker wurde im Jahr 1922 geschlossen! Die Postexpedition Holzwickede wurde wieder zuständig, gab aber gleichzeitig die Postagentur Billmerich als Landpoststelle wieder an Unna ab.
Holzwickede setzte wieder den
ein und dieser brachte eventuell dem Landwirt Richwin in Hengsen, Dorfstraße 29 die Rechnung des Schneiders Carl Externbrink aus Hengsen, Kellerstraße 41 über einen Anzug. Diese erneute Unterstellung zum Postamt Holzwickede änderte sich dann aber wieder im Jahr 1929.
Durch die Neustrukturierung der Reichspost aus dem Jahr 1928 war auch das Landpostwesen betroffen unter Einführung der Landpostverkraftung (ein wunderbarer Paragrafenbegriff)
Auf festen Rundkursen klapperten die Landkraftwagen der Post die Poststellen ab
und die Farbe der Reichspost und ihrem Fuhrpark war rot
Aber neben Opherdicke und der Wiedereröffnung im Haus Becker kamen im Jahr 1929 zwei weitere Landpoststellen auf dem Haarstrang hinzu mit Hengsen und Hengserheide und wurden ebenso wie Opherdicke zunächst der Post in Fröndenberg unter Zusatz Ruhr unterstellt.
Dazu passend hat Andreas Heidemann und Vorsitzender im Historischen Verein Holzwickede im Hellweger Anzeiger passend eine tolle Veröffentlichung entdeckt und zur Verfügung gestellt.
Es erfolgt zur Post in Opherdicke - Hengsen detailliert die Vorstellung nicht nur der 3 Posthilfsstellen sondern auch die Beschreibung der 3 zugehörigen Bestellbezirke. Die Lokalitäten der Posthilfsstellen werden angeführt und die Bestellbezirke sogar aufgeschlüsselt und dies sogar mit Nennung der zuständigen Besteller !
Sind bei der Post Holzwickede seit dem Jahr 1861 wohl 8 Umzüge zu registrieren, so kann die Poststelle Hengsen mit 6 Lokalitäten fast mithalten und die oben aufgelisteten „Teilnehmer“ gilt es näher vorzustellen und die Daten dazu sind nicht „auf den Punkt“ gesichert. Ergänzende und korrigierende Hinweise aus dem Kreis der Homepagebesucher sind erwünscht.
Am 1. Oktober 1929 wurden also Opherdicke, Hengsen und Hengserheide als Landpoststellen im Landpostkurs zunächst dem Postamt Fröndenberg (Ruhr) unterstellt. Die Landpoststellen erhielten zweizeilige Gummistempel mit Kastenrahmen und waren neben der Marke abzuschlagen. Die Stempel waren nicht normiert und fielen durchaus in der Ausführung unterschiedlich aus und je nach Stempelkissen sind auch unterschiedliche Farben anzutreffen. Den eigentlichen Poststempel mit Entwertung der Briefmarke erhielten die Belege erst im Leitpostamt. Dazu einmal ein Beispiel zunächst aus Billmerich, denn hier wurde die Poststelle zugehörig bis dato Postamt Unna ebenfalls in den Postkurs Fröndenberg (Ruhr) eingereiht und dies sicherlich z.B. mit dem Weg über Altendorf und Dellwig.
Zurück zur Landpoststelle Opherdicke und hier wieder im Haus von Fritz Becker, Westendorfstr. 13 mit Bäckerei und Gasthof
Bereits im Menüpunkt Holzwickede – Stehfen wurden in der 6. Fortsetzung die Landpoststempel in Opherdicke vorgestellt und daraus folgender Einschub:
Im Jahr 1936 wurde die Landpostzustellung nun mit ihren Fahrzeugrouten umgestellt in den Haarstrangdörfern und mit den Posthilfsstellen Opherdicke, Hengsen und Hengserheide. War bis zum Jahr 1936 die weitere Bearbeitung im Postamt Fröndenberg (Ruhr) vorgesehen, so war ab dem Jahr 1937 für die Route nun das Postamt Schwerte (Ruhr) zuständig. An den zweizeiligen Kastenstempeln der Hilfspostämter lassen sich nun zeitliche Unterschiede der Briefaufgaben festhalten, auch wenn im Poststempel z.B. das Jahresdatum nicht lesbar ist. Hier noch der Hinweis, dass die Kastenstempel neben den Briefmarken zu platzieren waren und die Marken wurden erst in den zuständigen Postämtern der Weiterbeförderung entwertet.
Der oben abgebildete Briefbeleg mit Poststempel Fröndenberg (Ruhr) „verweigert“ leider trotz Lupenbetrachtung neben dem 24.7. die Jahreszahl. Der zweizeilige Kastenstempel der Poststelle W. Becker im Gasthof zur Post dokumentiert aber Opherdicke über Fröndenberg (Ruhr) und nach dem oben angeführtem Sachverhalt wird wohl damit das Jahr 1936 ordnungsgemäß sein. Der Brief sollte ein Fräulein über die Führerin des deutschen Frauenarbeitsdienstes in Weimar erreichen. Nebenbei zweimalige Adressumleitung, heute käme der Brief bei lesbarem Absender nach 1 Woche allenfalls retour. Der rückseitig vermerkte Absender belegt nun aber eindeutig das Landjahrlager Opherdicke und dies nach der Kastenstempelvariante noch bis zum Jahr 1936.
Die nachfolgende Ansichtspostkarte dokumentiert nun eindeutig mit Datum vom 18.10.1940 die geänderte Kraftpostroute mit dem Poststempel Schwerte (Ruhr) und nun mit dem zweizeiligen Kastenstempel Opherdicke über Schwerte (Ruhr). In diesem Fall nun im Absenderfeld noch der Gumminebenstempel Landjahrlager Opherdicke Regierungsbezirk Arnsberg. Vorderseitig ein Landjahrmädel aus dem Verlag und Druck von E. Appelhans &Co., Braunschweig Bild Nr. 9 Foto: Landjahrmädel.
Fortsetzung folgt