Holzwickede Gewerbe

Fa. Wiederholt 18.  und letzte Fortsetzung 

02.12.2024

Zurück zum Werk in Rausingen.

Das Jahr 2003 erforderte weitere konsolidierende Maßnahmen durch CEO MacDonald mit Lohnsenkung um 10%, Reduzierung der Lagerbestände und intensive Verhandlungen mit Lieferanten und der Preisgestaltung bei gleichzeitiger Verkürzung von Zahlungszielen im Kundenkreis.

Auch eine Straffung in der Konzerngestaltung wurde rasch etabliert und aus dem Eisenwerk Caroline GmbH, VW- Rohr- u. Bandstahl GmbH und aus der VW-Werke Vincenz Wiederholt GmbH & Co.KG wurde durch Verschmelzung die Wiederholt GmbH. Dies fand auch den Niederschlag im Absenderfreistempel mit folgender Ausführung im Frankitformat.

 

Nach 5 Jahren positiver Werksentwicklung unter CEO MacDonald kommt es im Jahr 2008 zur weltweiten Finanzkrise ausgehend vom Lehman Brothers Zusammenbruch im September in den USA und die Fa. Wiederholt rutschte nun in die 6. Krise ihrer Werksgeschichte.

Der Automobilsektor schwächelte sofort und brach bis zu 60 Prozent ein mit der Folge von Kurzarbeit im Werk Rausingen. Problematisch wurden aber auch die Schwierigkeiten  in den Kontakten und Verhandlungen zur Muttergesellschaft PTC Alliance mit ihrem neuen Eigentümer dem Black Diamand Capital Management in den USA mit ebenfalls dortigen wirtschaftlichen Problemen und Verweigerung von Finanzhilfen für das Werk in  Rausingen. Mit der Insolvenz im September 2009 von PTC Alliance in den USA war für die kreditgebenden Banken  die Fa. Wiederholt  ein absoluter Risikofall geworden.

Am 30.3.2010 beschloss die Geschäftsführung Wiederholt mit CEO MacDonald, Prokurist Martin Krämer und  Betriebsratsvorsitzendem Dieter Brüggemann den Insolvenzantrag am Amtsgericht in Dortmund einzureichen.

Die Belegschaft wurde von der Geschäftsführung auch in Gegenwart  des Bevollmächtigten der IG – Metall Ralf Wehmeier  informiert. Insolvenzverwalter wurde die Kanzlei Dr. Frank Kebekus und Zimmermann, Düsseldorf  und konnte wohl zügig auf ein Sanierungskonzept zurückgreifen, das CEO MacDonald sicherlich in Abstimmung mit Martin Krämer schon  in der Problemphase mit 1jähriger Kurzarbeit in 2009 angedacht  hatten  und  dies  unter Einbeziehung der Wirtschaftsprüfung- und  Beratungsgesellschaft RölfsPartner, Düsseldorf.  Im Insolvenzbieterverfahren kam es unter Kebekus sicherlich auch in Abstimmung mit dem Gläubigerausschuss zur bestmöglichen Lösung für das Werk. Interessenten waren  wohl vorhanden, reine Finanzinvestoren waren auch seitens des Betriebsrates unerwünscht und gemeinsam hatten MacDonald und Martin Krämer eine Erwerbergemeinschaft gegründet mit sicherer Kenntnis der Sachlage und konnten  als Insider mit gutem Ruf  das überzeugendste Konzept vorlegen und dies auch mit Zustimmung der Belegschaft, Gläubigern und Banken und erhielten den  Zuschlag !

Während des Insolvenzverfahrens konnte  die Produktion ohne Einschränkung für Lieferanten und Kunden fortgesetzt werden! Ein Abbau  im Stellenplan war jedoch unvermeidlich. 120 Mitarbeiter wurden in einer Transfergesellschaft untergebracht zur Weiter- bzw. Umqualifizierung. Teils kamen dafür wohl auch Gelder aus der EU in Brüssel über die PEAG Transfer GmbH in Dortmund. Das Werk Unna-Massen musste jedoch schließen. Die Gesamtbelegschaft reduzierte sich von 670 auf 550 Beschäftigte. Kurzarbeit war trotz etwas verbesserter Auftragslage noch angesagt und auch Wiederholt schuf auch eine eigene Transfergesellschaft für  über 60jährige mit Bezugsmöglichkeit von 80% des letzten Nettolohnes. 18 Beschäftigte nahmen dieses Angebot nach meiner Kenntnis wahr.

Das Insolvenzverfahren war also ohne Produktionseinschränkung in schwierigster Zeit bewältigt worden, die Auftragslage stabilisierte sich, die Schuldenfinanzierung konnte abgebaut werden und dennoch vermittelten die Banken ihren Wunsch der Risikominimierung durch Einbeziehung eines weiteren solventen Partners.

Als strategischen Partner  fanden MacDonald und Martin Krämer 2015  die Schmitter Group AG  (Thüringen), die seit dem Jahr 2008 mehrheitlich  in der chinesischen Zhonding Group/Ningguo Provinz Anhui China verankert ist.  Am 1. Mai 2015 übernimmt die Schmitter Group zu 100 Prozent die Fa. Wiederholt GmbH in Holzwickede und somit ist Wiederholt damit mehrheitlich im chinesischem Besitz. Seit dem Jahr 2023 ist nun die Zhonding Group Europe GmbH (Lohr)  übrigens alleiniger Gesellschafter  der  Schmitter Group.

Laut Buch 100 Jahre Wiederholt von Dr. Peter Kracht profitierte mit der Integration  der  SchmitterChassis GmbH das Werk in Rausingen und seit dem Jahr 2018 wurde Tianli Xia (Vertraute des Firmengründers Dinghu Xia)  als Mitglied in der Geschäftsführung neben Martin Krämer und Andreas Sander  im Werk tätig.

 

Sicherlich sind  zur Zeit im Jahr 2024 und der Situation nach  dem CORONA- Lockdown und aktuellem UKRAINE-Krieg  und sinkender Wirtschaftslage auch die Automobilindustrie und hier die Zulieferbetriebe  wieder betroffen, aber es fehlen mir dazu Daten bezüglich der Fa. Wiederholt und ich hoffe nicht, dass es hier wieder und nun aktuell eine 7. Krise gibt !

Ich denke die  Abhandlung Wiederholt  belegt sinnfällig die hohen Anforderungen  an Unternehmer und Geschäftsführungen und in diesem Fall über 105 Jahre, um ein Unternehmen in der Konkurrenzsituation der globalen Weltwirtschaft  in der Spur zu halten und  dies noch wünschenswert in der Verantwortung gegenüber der Belegschaft. Ich empfehle einmal den  Homepagebesuchern diese  Situation vergleichsweise auf ihre eigene frühere oder aktuelle Berufstätigkeit  bezüglich  Einsatz, Belastung, Sicherheit  und Verantwortung  zu überdenken.

Das Thema hat sich zu meinem eigenem Erstaunen deutlich ausgeweitet mit ca. ausgedruckten fast 150 DIN A4 Seiten. Das Thema war aber auch im zeitlichen Aufwand  der Ausarbeitung recht anspruchsvoll.

Ich bitte fehlerhafte Fakten  zur Korrektur  zu melden und auch ergänzende Hinweise sind durchaus erwünscht und eine Erwähnung erfolgt natürlich unter Quellenhinweis auf der Homepage.

Eine Anmerkung ist mir noch erlaubt. Vincenz Wiederholt war sicherlich eine eindrucksvolle, gebildete, optimistische und tatkräftige Persönlichkeit und ein engagierter Firmen- und auch Familienpatriarch  und er hoffte am Ende seines Lebens  mehr richtig, als falsch gemacht zu haben!

Nach durchaus jahrelanger  wiederholter Beschäftigung mit seiner Vita möchte ich mich seinen Worten unbedingt persönlich anschließen und zustimmen und hoffe im Stillen, dass auch sein Vorname als positiv prägende Unternehmergestalt für Holzwickede auf dem Schild der Wiederholt-Str.  in Holzwickede auftaucht.

 

Über ein neues Thema zu Holzwickede habe ich noch keine Entscheidung getroffen. Man wird auch nicht jünger  und der Anspruch der Familie auf  Teilnahme ist legitim berechtigt.

Dennoch, bis demnächst  vielleicht wieder einmal, Ihr E.-M. Eden, Holzwickede