Holzwickede – Zeche

6. Fortsetzung

24.04.2023

Zurück zur Zeche Caroline Ende des 19. Jahrhunderts.

Folgend eine Post=Zustellungsurkunde vom Königlichen Bergrevierbeamten (Bergrevier Essen-Süd in Essen)

An

den interimistischen Repräsentanten

des Steinkohlenbergwerks Terbeck

Herrn Grubendirektor Trompeter

zu Holzwickede

 

Seit dem  Jahr 1862 war auf der Caroline  Herr J. Trompeter Grubendirektor und in dieser Zeit war er erfolgreich in der Entwicklung der Zeche, die bis zu seinem Ausscheiden (evtl. im Jahr 1899) ihre Fördermenge verdoppeln konnte.

Die Rücksendung des Briefbeleges nach Essen ist sehr interessant. Die Aufgabe  der Post=Zustellungsurkunde ist mit Postabgangsstempel 24.3.98 2-3N (N=nachmittags) in Holzwickede dokumentiert und der Ankunftsstempel in Essen – Ruhr belegt den 24.3.98 5-6N  d.h. tagesgleiche Zustellung nach 3 Stunden! Übrigens zu dieser Zeit wurde in Berlin 4bis6x täglich die Post ausgetragen, „insofern hat sich bei der Deutschen Post im Jahr 2023 nur geringfügig in Holzwickede etwas geändert mit ca. 3x Austragung in der Woche“! Die Post=Zustellungsurkunde war portofrei durch Frei lt.Avers.No.21. Kgl.Pr.Bergrevierbeamter.

Dazu einmal ein Blick in die Zechenanlage Caroline Anfang des 20. Jahrhunderts (Lithografie Hinnerwisch 1908) und beide Kirchtürme im Hintergrund mit Bau von 1904 und 1908  passen im  Datum  zur Angabe der Kartendrucklegung. Rechts im Vordergrund die Ausläufer der Bergehalde und der Zechenkamin und dahinter das Gebäude mit Förderschacht I (als noch gleichzeitig die Zeche Caroline am Brauck vor ihrer Stilllegung bestand, wurde am neuen Standort Bahnbereich zunächst noch die Nummerierung Schacht III  angegeben) und nach links Gebäude der Fördermaschine und weiter zur linken Seite  dann das Maschinenhaus und das Kesselgebäude)

 

Die Brikettförderung wurde auf jährlich 50.000 gesteigert und die Kohleförderung lag insgesamt bei 120.000 Tonnen zum Jahr 1898 bei 900 Beschäftigten.  Die folgende Fotopostkarte (Feldpost im Jahr 1917) der Zeche (hier nun geschrieben mit K) und mit Sicht vom Bahnhofsgelände demonstriert die Beladung der Güterwagen im Zechenbereich, der durch  einen Drahtzaun vom Bahngelände abgetrennt ist. Rechts die Brikettfabrik (1891 bis 1927) mit Überdachung der Waggonbefüllung. Links daneben die Kohlenwäsche und dahinter das Gebäude der Kohlenseparation und dahinter dann  das Gebäude mit Schacht I.

 

Dazu eine seltene Ansicht mit Blick  Richtung zum Bahnhofsgelände

 

Dazu einmal ein Zechenplan aus dem Buch von Joachim Huske aus dem Jahr 1925 mit roten Pfeilmarkierungen für den Zecheneingang mit der Kontrolle und der direkt gegenüber liegende Gasthof und Restaurantbetrieb Wever/Lähnemann. Nach rechts vom Zecheneingang führte die Rausingerstraße zum Straßenkreuz  mit der Nordstraße  -  aus der späteren  Unterführung kommend – und der gegenüber liegenden Königstraße und späteren Stehfenstraße.  Der Pfeil dort markiert den Gasthof zur Post von Fritz Linhoff und ab dem Jahr 1909 von Wilhelm Schopp betrieben. Auf das kaufmännische Verwaltungshaus verweist der Pfeil innerhalb des Zechengeländes rechts zur Unterführung hin. Ferner  ist die Brikettfabrik markiert und der Schacht I.

 

Die angeführten Gasthäuser sind bezüglich ihrer Lage zum Zecheneingang für den ein- und ausgehenden Werksverkehr nicht ungünstig gelegen, denn die Bergleute kamen zu Fuß zur Zeche und der Weg nach der Schichtarbeit war nicht immer der direkte Heimweg und führte nun an diesen Gaststätten vorbei und freitags  standen die Ehefrauen  an der Kontrolle, um die „Lohntüten für die Familie“ zu sichern. Nachfolgend Blick in den Zecheneingang ca. 1910. Rechts der Kontrolleingang und links ein Zechenwohngebäude für Beamte.

 

Der obige Standort des Fotografen war der Gasthof Wever / Lähnemann und dazu ein Ensemble und die Postanschrift aus dem Jahr 1911 ist gerichtet an Fräulein Mimi Biermann zur Anschrift Herrn G. Lähnemann Wirt Holzwickede Rausinger – Straße. Der genaue zeitliche  Übergang von Wever zu Lähnemann ist unbestimmt, vermutlich   aber  zum Jahr 1911 oder schon etwas früher.

 

Die folgende Ansicht belegt nun den weiteren Gasthof zur Post von Fritz Linnhoff  mit Blick über die  Nordstraße  in die Rausinger Straße und nur ca. 120m vom Zecheneingang entfernt.

 

Da die Straßenzüge noch mit der für „Regensituationen günstigen Lehmdecke“ ausgestattet sind und die Elektromasten  schon stehen (Planungsausführung ab dem Jahr 1906)  und andererseits die Übergabe an Wilhelm Schopp in das Jahr 1909 fiel, datiert die obige Aufnahme wohl auch aus diesem Jahr. Der Name Gasthof zur Post  war durchaus  verständlich gewählt, denn hier war vor Linnhoff  vom Jahr 1866 bis zum Jahr 1887 die Post mit ihrem 2. Standort nach Verlassen des kleinen  Bahnhofsgebäudes  untergebracht.

Zurück in das   Jahr  1905  mit einem   Frachtbrief  der  Zeche  Caroline  über eine Lieferung von 1 Waggon zu 10.000kg Kohlen. Die Angabe Stück Kohlen bezieht sich vermutlich auf die Qualität. Unterschieden wurde in steigernder Qualität von Grußkohle über melierte Kohle zur reinen Stückkohle. Der Frachtstempel HOLZWICKEDE ist sehr schwach abgeschlagen und findet sich auf der  nicht abgebildeten Nebenseite des Frachtbriefes.

 

Im Jahr 1902 hatte übrigens  die Zeche Caroline mit ihrer 4. Sohle  die Tiefe von 357m erreicht. In dieser Expansionsphase erwarb die Zeche im Jahr 1905 die ortsansässige Ziegelei im Ortsteil Natorp und im Jahr 1920 die Ziegelei im eigenen Ortsteil Rausingen. Die folgende Topografie stellt die Bergbauverhältnisse im Raum Holzwickede noch einmal vor. Rechts oben die erworbene Zeche Norm und darunter die Bergarbeiter – Kolonie (rot umrandet) im Ortsteil Natorp. Ebenfalls in Ortsteil Natorp darunter die mit Pfeil gekennzeichnete Ziegelei (Zgl.). Ferner weist der gestrichelte rote Pfeil im Ortsteil Rausingen auf den Umzug der Z. Caroline vom Brauck  an das Bahnhofsgelände hin. Die weitere Ziegelei in Rausingen ist wieder mit Pfeil markiert und die westlichen Z. Freiberg und Z. Margaretha gehörten zum Ortsteil Sölde  aus Dortmund sind rot unterstrichen.

 

Der Kauf der ortsansässigen Ziegeleien war für die Zeche sinnvoll für ihre eigenen Maurerarbeiten spez. in den Förderschächten aber auch im allgemeinen Verkaufsbetrieb. Der Vollständigkeit halber hier der Hinweis, dass die Ziegelei  in Rausingen  in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wohl im Jahr 1927 stillgelegt wurde und die Ziegelei in Natorp produzierte mit verschiedenen Unterbrechungszeiten (bis zu 3 Jahren) später nun als kriegswichtig eingestuft dann doch noch bis in das Jahr 1944.

Fortsetzung folgt