Holzwickede – Zeche

3. Fortsetzung

23.03.2023

 

Die nördliche Brücke der Unterführung war zerstört und 14 Tage später (!) konnten die amerikanischen Tanks  diesen Weg durch die Unterführung nicht mehr  nutzen. 

 

Detail zur Zechenlage

 

Unsinnige Militäreskalation  6 Wochen vor der  bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht und damit Deutschlands.

Zurück zur Zeche Caroline.

Die folgende Ansichtskarte (im Jahr 1923 geschrieben) verdeutlicht noch einmal die direkte Nachbarschaft der Zeche zur gebauten Bahnunterführung.

 

Man erkennt die parallelen Bahngleise und die offenen Güterwagen stehen teils auf der Unterführung und  werden von der Brikettfabrik beladen, die im Jahr 1882 erfolgreich etabliert wurde. Vorne ist einer der schmalen Aufgänge aus der Unterführung zum Bahngelände erkennbar. Diese Treppenaufgänge wurden später verschlossen.

 

Dazu folgend ein Blick (ca. 1925) vom Bahnhofsgelände in die Unterführung mit dem relativ schmalen Straßenzug zwischen den Brückenteilen. Wasserturm von 1870.  Rechts davon hinter den Bäumen liegt im Hintergrund das Zechengelände Caroline mit ihren Gebäudeanteilen. Ein weiterer später gebauter Zugang zum Bahnhof besteht nur noch in Form eines Fußgängertunnels von der südlich gelegenen Bahnhofstraße. Eine gewünschte Fortführung des Fußgängertunnels nach Norden  zur  Stehfenstraße scheitert seit Jahren am Einspruch der Eisenbahnverwaltung  „man benötigt evtl. die stillgelegten Gleise noch für die Erweiterung von Bahnstrecken, also evtl. ab dem Jahr 2060“.

 

Die nun seit dem Jahr 1857 erbaute  Zechenanlage  Caroline  gelegen im Campus Stehfen  am Bahnhof wurde mit einem Senkrechtschacht betrieben, die Förderung fand ab dem Jahr 1869 statt, die vorherige Anlage am Brauck mit ihren 2 Schrägschächten wurde dann 1876 stillgelegt. Der Tageslohn eines Bergarbeiters betrug 15 bis 25 Silbergroschen (ein Pfund Butter kostete 9 Silbergroschen, 6 Eier 2,5 Silbergroschen). Im Jahr 1872 hatte die Zeche 350 Beschäftigte und geriet in eine finanzielle Krise mit Konkurs der Aktiengesellschaft und Umwandlung in die Gewerkschaft Caroline mit 1000 Kuxscheinen (Anteilsverteilung zur Zeche an Privatinvestoren).

Diese Phase kann auch philatelistisch begleitet werden beginnend mit einer interessanten Postkarte (zu erwerben bei den damaligen Postanstalten)  mit Datum vom 20. Januar 1873.

 

Im Absender findet sich dann  der Gummistempelabdruck Die Verwaltung der Zeche Caroline und im Detailbild ist der Kontrast  verbessert und relativ gut lesbar. Es handelt sich um die Bitte einer Angebotsofferte nach Köln.  Mit dem  Jahr 1873 hatte  dann zufälligerweise auch  der Poststempel im zweizeiligen Kastenformat ausgedient. Denn im Jahr 1873 wurde unter Postminister Stephan der Einheitsstempel der Reichspost in Einkreisform eingeführt und war ab 1875 verbindlich. Dazu kann nun mit Datum vom 4.September 1874 recht früh die Verwendung in Holzwickede dokumentiert werden und dies abermals auf einer Zechenkarte.

 

Die Zeche Caroline bestätigt mit Datum 4.9.1879 eine Rimesse (Wechselgutschrift) über 165 Mark und 40 Pfennige,  die auf dem Conto des Kunden gutgeschrieben wird und empfiehlt  sich für fernere Aufträge. Der Einkreispoststempel Holzwickede ist mit  dem 4.9. gut erkennbar und die Jahreszahl ist sicher (18 nicht enthalten) mit der Ziffer 7 und leider einer schwer erkennbaren 9.

Die Entwicklung der Zeche Caroline gestaltete sich anfangs recht erfolgreich, die Beschäftigungszahl stieg 1874 auf 500 und im Ruhrgebiet waren Bergleute bis zum Jahr 1873 gesucht. Zur Verbesserung der Anwerbung und aber auch der Unterkunftssituation wurde auf dem Gelände (meines Wissens nach aus dem Besitz der Zeche Norm) südlich der Köln-Berliner-Chaussee  eine Bergarbeitersiedlung ab 1871 geplant und 1873 fertig gestellt. Im Jahr 1968 war übrigens die Geschichte der Bergarbeiterkolonie in Holzwickede durch Abriss beendet und nur noch ein Straßenname Zur Alten Kolonie erinnert an diese Siedlung. Dazu eine Topographie zur Orientierung  ca. Jahr 1985.

 

Eine Lithografie (gestempelt 1901) verdeutlicht mit einem aktuellen Bild die rasante Entwicklung. Das Pferdefuhrwerk auf der „stark befahrenen B1“, dahinter der alte Hof Hesselmann nördlich der Chaussee und südlich lag die besagte Arbeiterkolonie der Caroline. Der Lufthafenverkehrstower steht aktuell genau auf dem ehemaligen Hofgelände und  im Hintergrund das neu errichtete Flughafengebäude.

 

Der Vollständigkeit halber aber ein Blick auf die Entwicklung. Der Hof Hesselmann brannte im Jahr 1911 ab, die Eheleute bauten durchaus ansehnlich neu und die Witwe heiratete später Herrn Knuf (s. Angabe auf späteren Karten). Auf der Ansicht mit dem Neubau wird auch die besagte Zechensiedlung abgebildet, die sozusagen über die Chaussee hinweg südlich davon lag.

 

Die Kolonie bestand aus 15 Häusern mit je 4 Wohnungen  = 60 Wohnungen und jede war mit ca. 6 bis 10 Bewohnern belegt. Die anfängliche Belegung (Wirtschaftskrise) war etwas schwerfällig trotz Absenkung der Mietpreise pro Wohnung. Es lebten dann aber durchaus 400 Bewohner hier - Bergarbeiter mit ihren Frauen und Kindern - und es war ein kleines Dorf  für sich und die Kinder hatten keinen Mangel an Freunden auf den Lehmwegen. Unten war Flur und Küche, oben dann ein kleiner Flur, ein größeres Zimmer und eine Kammer (mehrfach belegte Betten normal). Kanalisation gab es nicht, aber ein kleiner Anbau war nützlich als Toilette, aber daneben auch ein Verschlag für die Bergmannskuh = die Ziege. Dazu gehörte etwas Gartenland zur Selbstversorgung und ab ca.1940 tatsächlich  elektrischen Strom. Einkauf im Haus Fehre auf der Chaussee oder bei Pomowitz auf der Nordstrasse, aber die Zeche hatte auch einen Bergarbeiterkonsum gegründet, der später auf der Nordstraße 1 im Anbau  der  Gastwirtschaft Schopp  betrieben wurde (s.Pfeil).

 

Nebenbei bemerkt es gab in Holzwickede auch einen Bahnarbeiterkonsum auf der damaligen Kaiserstraße und  gesellschaftlich war zwischen  den Beschäftigten von Bahn und Zeche eine deutliche Distanz.  Aus Gesprächen war zu erfahren, dass die Koloniebewohner trotz der beengten Verhältnisse sich aber wohl fühlten und hier auch ihre Gemeinschaftsbeziehungen pflegten.

Dazu einmal eine Vermählungsanzeige aus der Kolonie 28.

 

Eingeladen hatten zum 24. Mai 1923 die Braut Anna Keller und ihr zukünftiger  Ehemann Alfred Nagel.

 

Fortsetzung folgt