Holzwickede – Zeche

5. Fortsetzung

15.04.2023

Folgend eine weitere interessante Geschäftspostkarte der Gewerkschaft Caroline in Holzwickede an die Firma der Gebrüder Eickhoff i n Meschede mit Datum vom 15. Februar 1890 (vermutlich zugehörig schon damals der aktuell bekannten Eickhoff Gruppe - Gebr. Eickhoff Maschinenfabrik und Eisengießerei GmbH ein Unternehmen in Bochum im Bereich des Maschinenbaus und spez. auch der Bergbautechnik).

 

Im Text bedauert die Caroline die gewünschte Auslieferung der Kohle in der Qualität Nuss II nicht liefern zu können, da  ausverkauft!  Eine recht positive Aussage für die Zeche, die auch  schlechtere Zeiten durchstehen musste in der Zeit von 1875 bis 1880 mit Feierschichten  und  vorübergehender reduzierter Belegung in ihrer Arbeiter – Kolonie. Ein spontaner Streikversuch  im Jahr 1889  blieb aber erfolglos zur Verbesserung der Bergarbeitersituation.

Bereits erwähnt wurde 1882 die aufgenommene Brikettproduktion und war damit erst die 4. Anlage im Ruhrgebiet. Zu diesem Zeitpunkt wurde ebenfalls eine Kohlenwäsche  für die oben erwähnte Nusskohle  eingerichtet.

Aus dieser mit Unterbrechungen prosperierenden Zeit der Zeche einmal ein Blick auf das Zechengelände herab von der Bergehalde. Links der Wasserturm und die Rangierlokomotiven  lassen  Dampf ab und versperren den Blick auf Schacht I.

 

Es gilt aber auch einmal einen  Blick auf die Zechenproblematik für das  Dorf Holzwickede zu werfen. Die Schachtanlage  spez. am  Brauck entzog teils das Brunnenwasser der Höfe  und dafür hatte die Zeche zum Ausgleich mit einer  Wasserleitung für  Abhilfe zu sorgen.

Es gab Bergschäden an den Gebäuden, Belästigung durch Zechenbetrieb, Verschmutzung durch Abwässer in die Emscher und dazu möchte ich einmal 3 Beispiele aus dem Buch von Joachim Huske  anführen, wie solche Streitigkeiten  seitens der Kapitalgesellschaft gelöst wurden und daran hat sich bis heute nichts geändert. Der Kläger wird finanziell geködert bzw. gekauft oder mittels eigener Rechtsabteilung über jahrelange Gerichtsprozesse „ermüdet“.

So klagte der Landwirt Schoof im Ortsteil Dudenroth im Jahr 1893 auf Bergschaden  am Hofgebäude mit der Folge natürlich mit Sachverständigen-Gutachten, Gerichtsprozess usw.

ehemaliger Hof Schoof im Ortsteil Dudenroth

 

Im Jahr 1896 kaufte die Zeche Caroline dann einfach den Hof. Schoof baute neu auf der Hohenzollernstraße und  heute Opherdickerstraße (relativ benachbart zum alten Hof)  und im Jahr 1972 erfolgte Übernahme durch die Gemeinde  für das geplante und mittlerweile fertige Schulzentrum mit Hauptschule, Gymnasium, Kleinschwimmhalle, Bibliothek und Dreifachturnhalle (hier stand der Hof Schoof  mit den nachfolgenden weiteren Besitzern R. Hohagen, L. Krämer und letztem  Pächter Heinrich Kissing).

Interessant auch der Streit mit dem Gutsbesitzer Ebbinghaus, der durchaus in das heutige Verständnis  passt – er fühlte sich durch den „Grubenverkehr belästigt“. Dabei war gar nicht die direkte Nachbarschaft zur Zeche gemeint, sondern der ca. 150m entfernte Luftschacht. Ein Blick dazu auf die Fotoansichtskarte unten vermutlich vom Schacht der Caroline auf die beginnende Bebauung südlich der Bahnlinien zur Orientierung (Ansichtskarte Poststempel 1902). Der linke Pfeil weist auf den Luftschacht hin  und  der rechte Pfeil zeigt in den Bäumen etwas versteckt den alten Gutshof Dudenroth der  Freiherrn zu Hövel (400 Jahre im Besitz) und von der Rittergutsfamilie Ebbinghaus im Jahr 1838 erworben und lag zur eigentlichen Zeche und Bahnhof  relativ weit entfernt.

 

Ebbinghaus errichtete das neue Gutshaus im Jahr 1845, das rechts oben mit einer Ansicht zu Anfang des 20. Jahrhunderts eingefügt ist. Der prinzipiell als Notausstieg genehmigte Luftschacht ( der ehemaligen Standort von 1886 bis 1904 ist aktuell Haus der Polizeistation) wurde von den Bergleuten  z.B. aus den Haarstrangdörfern Hengsen und Opherdicke und auch Billmerich  als „Abkürzung“ nach der Schicht genutzt und besonders die Kinder hatten immer wieder im Winter – es gab damals noch Schnee –  ein erstaunliches Erlebnis, wenn die „schwarzen Männer aus der Erde krochen und  in die weiße Landschaft traten“. Ebbinghaus fand dies wohl nicht so lustig und bemühte gegen die Zeche das Gericht. Er bekam zwar Recht, aber es änderte sich nicht viel und im Jahr 1897 kaufte die Zeche den großen Gutshof Dudenroth und damit war die Angelegenheit ebenfalls erledigt. Schon an dieser Stelle der Hinweis, dass die Zeche das Gut  Dudenroth an den Elektrokonzern VEW im Jahr 1927 verkaufte und im Jahr 1968 übernahm die Gemeinde Holzwickede das Gelände zur Neugestaltung der Gemeindemitte. Leider wurde der ansehnliche Gutshof im Jahr 1976 abgerissen.

Der folgende Rechtsstreit zog sich dann 4 Jahre von 1936 bis 1940 hin und es waren beteiligt der Rittergutsbesitzer Schulze-Dellwig, die Zeche Caroline und die Fa. Mayweg und Wiederholt und diese auf dem ehemaligen Gelände der benachbarten Zeche Freiberg am Ostrand von Sölde und ab dem Jahr 1927 zugehörig zu Holzwickede. Hier dernoch ein ergänzender Hinweis. Die Zeche Freiberg wurde im Jahr 1912 aus Rentabilitätsgründen stillgelegt und Besitzer war seit ca. 1874 der Rittergutsbesitzer Schulze-Dellwig gewesen und mit Stilllegung der Zeche erwarb er im gleichen Jahr den Hof Lünschermann. Dieser blieb bis zum Jahr 2001 im Familienbesitz  (ab dem Jahr 1947 Tochter Waltraud Schulze-Dellwig), die im Jahr 2001 den Hof der Emschergenossenschaft  übergeben hat. Aufwendig hat die Genossenschaft den Quellhof der Emscher restauriert und zum Tagungsort aber auch Ausflugsziel mit Gastronomie  hergerichtet.

 

Familie Schulze Dellwig  (Linie der Familie vom Schultenhof  Dellwig an der Ruhr)  übernahm  im Jahr 1815 das Haus Sölde (AK-Ausschnitt rechts oben)  mit Länderreihen angrenzend an Holzwickede und im Jahr 1912 übernahm Walter Helmut Schulze-Dellwig übrigens  auch, wie oben schon erwähnt, den Emscherquellhof s. Fotoansichtskarte links oben  mit der Hofstelle Emscherquelle.

Im Jahr 1918  gründeten dann der Ingenieur Hugo Mayweg und der Kaufmann Vincenz Wiederholt auf dem Gelände der im Jahr 1912 stillgelegten Zeche Freiberg  in Sölde im Amt Aplerbeck und Landkreis Hörde (dies bis zum Jahr bis 1927 dann Holzwickede im Amt Unna – Kamen im Landkreis Hamm) ihre Firma zur Herstellung von Metallrohren im Elektroschweißverfahren s. alter AK-Ausschnitt unten links der Zeche Freiberg und  Absenderfreistempel der Fa. Mayweg – Wiederholt aus dem Jahr 1935. Der Firmenteilhaber Mayweg schied im Streitverfahren übrigens  im Jahr 1935 aus und nachfolgend einmal die Fa. Wiederholt  mit Logo und späteren Freistempelabschnitten und ein Blick auf die Elektrorohrverschweißung.

 

Der Streit bestand  dann berechtigt seitens Schulze-Dellwig durch Verunreinigung der Emscher  mit Schädigung durch Abwasser  seiner Wiesenflächen durch die Zeche, die aber ihrerseits  Mayweg und Wiederholt als beteiligt ansahen und mit in den langwierigen Gutachterprozess hineinzogen. Die Zeche wurde im Jahr  1940 zu Schadensersatz  verurteilt und eine Mitverpflichtung von Mayweg & Wiederholt  ist nicht überliefert.

Verhältnisse auf einem Gleisplan aus dem Jahr 1924 mit Markierung der Zeche,

der Fa. Mayweg-Wiederholt und dem betroffenem Wiesengelände

 

Fa.Wiederholt (Mayweg 1935 ausgeschieden) hat weiterhin einen eigenen Gleisanschluss und hat nach wechselhafter Firmengeschichte aktuell einen chinesischen Besitzer.  Das Netz der Rangiergleise rechts wurde bis auf die durchgehenden Bahnstrecken völlig abgebaut.

Fortsetzung folgt