Holzwickede – Zeche

2. Fortsetzung

15.03.2023

Im Jahr 1861 hatte die Zeche Caroline sicherlich noch nicht die obige Ausbaustufe erreicht als der Bergtechniker auf Zeche Caroline bei Holzwickede Heinrich Kirb (o. Kerb) an  die Dame seines  Herzens  Fräulein Lina Naderhoff in Bochum  am 1.12.1861 geschrieben hat.

Zweizeiliger Kastenstempel Holzwickede war damals in dieser Stempelform wie üblich ohne Jahreszahl aber 1.12. und Uhrzeit 5-6.

 

Der obige Brief mit 2 Seiten Text ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert

 

Auffällig ist schon die „schöne Schrift“, aber der Schreiber bezeichnet sich als Bergtechniker und selbst als ZEICHNER, der übrigens evtl. einen Arbeitsplatzwechsel nach Aden  ins Auge fasst. Es ist durchaus ein Liebesbrief an das auserwählte Fräulein in Bochum, das er gerne  am  Donnerstag  morgens auf  dem Bahnhof  Barop in Empfang nehmen möchte (siehe vollständige Transkription).

 

Interessant ist mit diesem Datum 1.12.1861 die bis dato früheste Dokumentation des Kastenstempels der Poststelle Holzwickede, denn  erst am 10.6. 1861 war eine Postexpedition II. Klasse der Oberpostdirektion Arnsberg eröffnet worden in der kleinen Bahnhofsbaracke Holzwickede. Denn erst 5 Jahre nach Eröffnung der Zugstrecke von 1855 wurde Holzwickede Haltepunkt für die Linie Dortmund – Soest („wichtig für Kartoffeln gegen Kohle“).

 

Im obigen  Bild das Minigebäude der Bahnwärterbaracke links aus dem Jahr 1860 beherbergte zunächst für 6 Jahre die erste Holzwickeder Poststelle, rechts davon sind schon spätere größere  2 Anbauten erkennbar, im Hintergrund Schornstein Ziegelei Natorp.

10.06.1861 Posteröffnung Holzwickede im Bahnhofsgebäude (s.o.) und der Bahnhofsvorsteher Herr Alfter war auch nebenbei erster Postvorsteher.

                   Dazu im Staatsarchiv Münster folgender Hinweis:

„Circulare an sämtliche Königlichen Postanstalten im Bezirk der Oberpostdirektion Arnsberg vom 9.Juli 1861 Nr 8:

Dem Landbestellbezirke der seit dem 1.Juni 1861 neu eingerichteten  Postexpedition in Holzwickede sind folgende Ortschaften zugeteilt worden:

Zeche Caroline (am Brauck), Hengsen, Kellerholz, Lappenhausen, Opherdicke, Ostendorf, Wickede, Asseln – bisher zum Bestellbezirk Unna gehörig-, und Dudenroth, Hohenleuchte und Rausingen - bisher zum Landbestellbezirke von Aplerbeck gehörig.“

Mal locker 25 Kilometer von Lappenhausen bis Wickede und Asseln  und der erste Zusteller  Herr Funke kann auf einem Post-Insinuationsdokument -heute Zustellungsurkunde- mit dem frühen Datum vom 31.Januar 1862 als vereideter Postbote festgehalten werden.

 

Der Posteröffnung wurde übrigens nach 150 Jahren mit einem Sonderstempel nach meinem Entwurf gedacht.                        

 

Die 60mtr. lange Fußgängerbrücke über die Bahngleise war bei Glatteis gefährlich und nützte den Fuhrwerken in keiner Form. Im April 1907 tätigten  der Eisenbahnminister Breitenbach aus Berlin (kam mit Extrazug nach Holzwickede), der Präsident der Eisenbahndirektion Elberfeld  Herr Höft und der Oberbahnhofsvorsteher Robert Schöller  eine Ortsbesichtigung  mit dem Ergebnis zur Planung einer Unterführung mit zwei Brücken unter den ca.8 Gleisen (bedingt auch durch Zechengleisabgang und Rangiergleise). Baubeginn Juli 1910 Fertigstellung Oktober 1911 und das ohne moderne Baufahrzeuge und ohne Computertechnik.

 

Bauausführende Firma Garre aus Holzwickede (damals Sedanstraße, aktuell Vinckestraße), rechts erkennbar der mittlerweile gebaute Lokomotivschuppen aus dem Jahr 1884 mit vorgelagerter Drehscheibe (nicht sichtbar), der Wasserturm aus dem Jahr 1870 und die südliche Brücke im Hintergrund.

Nachfolgend Sedanstraße ca. 1910. Der Pfeil markiert das Haus August Garre später hier Drs. Wiedemann

 

Das Ergebnis mit der Unterführung konnte sich nach 1 ¼  (!) Jahren Bauzeit Ende 1911  

nachfolgend links oben durchaus sehen lassen

 

und  unten rechts ein Paradebeispiel militärischer Eskalation  34 Jahre später. Der Luftangriff auf Bahnhof und Zeche erfolgte am 23.3.1945. Die alliierten Luftaufnahmen zeigen den „erfolgreichen Angriff“ mit 1000 Bombentrichtern. ca. 50 Toten, zahlreiche zerstörte Häuser, 1000 Waggons standen 7 Tage in Flammen, Bahnhof und Zeche und der Ort spez. das „alte Dorf“  schwer  betroffen.

 

Dazu ein Gleisplan aus dem Jahr 1924  mit der Dimension des innerörtlichen Rangiergeländes

 

Fortsetzung folgt