Holzwickede – Zeche

7. Fortsetzung

o5.05.2023

 

Aber auch der 2. große landwirtschaftliche Betrieb in Holzwickede mit dem Schulzenhof  kam im  Jahr 1913 in den Besitz der Zeche Caroline und mit dem schon erwähnten großen Hof Dudenroth war Holzwickede „endgültig ein Dorf im Besitz der Zeche“.  Das Flächenbesitztum  war immens und die Zeche konnte zentrale Flächen auch an die katholische und evangelische Kirchengemeinde  südlich der Bahnlinie  und damit  im zukünftigen Hauptentwicklungsgebiet der Gemeindemitte abgeben. Mit der stark angestiegenen Bevölkerungszahl  zu Beginn des 20. Jahrhunderts  war der Wunsch eigene Kirchen in der Gemeinde zu etablieren vorhanden  und  großzügig war auch die Geste der Zeche mit den Grundstücken. Trotz Bergbauregion und teils Grundwasserproblemen in der Senke zwischen Haarstrang und Chaussee konnten die Gründungen auch für die gewichtigen Kirchtürme bewältigt werden. Die katholische Kirchengemeinde kam zuerst zu ihrem Bauwerk und die Einweihungsfeier  war der 13.II.04 und in dieser Schreibweise hielt der Grußschreiber das Ereignis auf einer „Bausteinkarte“ fest. Die evangelische Kirche folgte im Bau mit  der Einweihung am 12.7.1907.

 

Die obigen Zeichnungen entstanden also vor dem Bau der Kirchen und hielten die Planungsskizzen bildhaft als Ansichtskarten fest und spez. zu den Kirchturmspitzen mit Kreuz und Kirchturmhähnen ist eventuell  später einmal etwas näher einzugehen Die obigen visionären Zeichnungen nach Planungsunterlagen mit praktisch identischer Gestaltung der Kirchturmspitzen mit Kreuz und Hahn hatten nämlich ihre Entwicklungsgeschichte und dazu vielleicht später einmal weitere Ausführungen.

Auf  die oben erwähnten Bergbauschäden für den Ort im Detail einzugehen, ist hier nicht beabsichtigt. Festzuhalten ist zumindest, dass im 1. Jahrzehnt des 20.Jahrhunderts hier ein Schwerpunkt zu verzeichnen war und die Zeche in der Regel  bereitwillig für Ausgleich sorgte. Gleichzeitig war dieses  1. Jahrzehnt auch mit wirtschaftlichen Problemen der Zeche Caroline verbunden und Anlass zu wiederholten Streikbewegungen in den Jahren 1905 und 1912.

Wir nähern  uns   dem  schicksalhaftem  Jahr 1914 mit Beginn des 1.Weltkrieges

An dieser Stelle die Eskalation zum Ausbruch des 1. Weltkrieges vorzustellen  und in die alleinige Schuldfrage  Deutschlands einzusteigen, ist nicht beabsichtigt. Fakt und Status  waren ein allseits hohes aufgebautes Militärpotential und propagandistisch geschürte Vorurteile in England, Frankreich, Deutschland und Russland mit „Erbfeinden hinter den Landesgrenzen“  und es genügte wohl ein Funke, um die Situation im Jahr 1914 zu entladen. Im offenen Automobil wird am 28.Juni 1914  der  österreichisch - ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo von extremen Nationalisten aus der serbisch - bosnischem Untergrundbewegung erschossen. Dazu folgend eine Bildillustration (Wikipedia). Ebenso erlag seine begleitende Ehefrau Herzogin Sophie den zugefügten Schussverletzungen.

 

Der 1. Weltkrieg 1914 bis 1918 war ausgehend von diesem Ereignis nicht mehr aufzuhalten, die Mobilmachung erfolgte mit Kriegserklärung am 1.August 1914 Deutschlands an Russland, 3 Tage zuvor hatte die habsburgische Monarchie schon dem serbischen Königreich den Kriegsfall erklärt und kaskadenförmig schlitterten die europäischen Mächte in das folgende Kriegsdesaster. Deutschland griff Frankreich über Belgien an, missachtete dessen Neutralität und zwang damit  England konsequenterweise mit in diesen Krieg. Von den vielen existierenden verherrlichenden und zeitgenössischen Ansichtskarten dazu folgend ein besonders extremes Beispiel der martialischen Einstellung zum kommenden 1. Weltkrieg. (kurz zur Erläuterung: mit dem FLAMBERG ist das ehemals beidhändig geführte Schwert der Landsknechte gemeint)  und Wilhelm II. mit Vorwärts mit Gott, der mit uns sein wird, wie mit den Vätern. Dieser anmaßende und unerfüllbare Wunsch wurde in allen Feldgottesdiensten und auf allen Seiten von den Kriegsparteien hoffärtig gepredigt.

 

Dazu eine Zeitungsausgabe vom 1. September 1914

 

 

 

In der Zeit des ersten Weltkrieges gab es Kriegsgefangene unter anderem auch Russen, die als Arbeiter auf der Zeche Caroline eingesetzt wurden. Unterkunft der russischen Kriegsgefangenen u.a. im Saal oder auf der Festwiese zugehörig zum Gasthof  Zum Deutschen Kaiser (Literaturangabe unterschiedlich, später Deutsches Haus und Emscherhof).

Dazu ein Ausschnitt mit dem Gasthof aus einer Lithografie  im Jahr 1898 und Blick in die Gartenanlage mit Festwiese links und im Vordergrund die Bahnhofstraße  mit Pferdefuhrwerk  und Spaziergängern auf hoffentlich trockenem  Lehmboden.

 

Aber auch Frauen wurden Übertage als Ersatz für die eingezogenen und wehrpflichtigen Soldaten  auf der Zeche Caroline eingesetzt (Foto Buch J.Huske).

 

Aus der Zeit des 1. Weltkrieges existieren  viele Fotopostkarten mit dem Bezug zu Holzwickede, denn in den Mobilisierungsplänen  von 1914 war  Holzwickede als Verpflegungs- und  Umschlagbahnhof  der Militärtransporte   fest eingeplant.

 

Der Schreiber obiger Karte (Schrift nachgezeichnet, da  dtl. verblasst) hatte wohl die Aufgabe die Militärverpflegungsstationen zu prüfen und lobt mit Datum vom 12. August  Holzwickede in höchsten Tönen im Vergleich zum desolaten Zustand in Hamm (Westf.). Die eskalierende  politische Lage brachte die zivile Eisenbahnverwaltung schon ab 27. Juli 1914  vollständig unter die Oberste Heeresleitung. Mit der  allgemeinen Mobilmachung am 1.August wurde jeglicher Zivilverkehr  auf den Bahnstrecken unterbrochen und erst nach Tagen und Wochen  wieder eingeschränkt aufgenommen. Im Jahr 2014 habe ich dazu einmal eine kleine 30seitige Schrift erstellt zum Thema Holzwickede und der 1. Weltkrieg.

 

Fortsetzung folgt