Holzwickede – Zeche

1. Fortsetzung

06.03.2023

 

Nach der historischen Einordnung ausgehend vom Königlichen Kammerherrn Giesbert Freiherr von Romberg hochgeboren zu Brünninghausen  geht es noch einmal zurück zu seinen Fehlinvestitionen im Holzwickeder Bergbaugebiet.  Er investierte in die Einrichtung eines Erbstollens  im Bereich nördlich der  heutigen Bundesstraße 1. Dieser Weg schon  im Jahr 1000 als ottonischer Handelsweg bezeichnet und z.Zt. der Hanse eine wichtige Verbindung  von Aachen bis Königsberg wartet mit seinen ortsbekannten Synonyma auf:  Köln-Berliner Straße, Chaussee, Heerstrasse, Fernverkehrsstraße 1 (F1), Reichsstraße 1 (R1) und Bundesstraße 1 (B1).

 

Romberg investierte nach dem Misserfolg des Erbstollens erneut im freien Bergfeld  und suchte mit Abtäufung  über dem Erbstollen zur Entwässerung  mit der neuen  Zeche Norm den Erfolg. Aber wie der Bergmann weiß - „hinter der Hacke ist es dunkel“-  und trotz geologischer Überlegungen  ist manches spekulativ. Die Zeche Norm war ebenfalls unter schwierigen Verhältnissen  nicht profitabel und wurde dann endgültig im Jahr 1865 aufgegeben und im Jahr 1869 übernahm die im Jahr 1855 neu gegründete  Bergbau=Actien=Gesellschaft Caroline die Zeche Norm und hielt die Anlage noch einmal  6 Jahre bis 1875 im Betrieb aufrecht.

 

Zur Vorstellung der örtlichen Verhältnisse einmal eine Abbildung auf einem Kuxschein aus dem Jahr 1872 und dem Buch J. Huske mit eigenen Ergänzungen zur  Erklärung der Lageverhältnisse der Bergbauaktivitäten im Raum Holzwickede (nach Korrektur Achim Ackermann)

 

Zunächst der mittlere  Pfeil links zeigt auf die B1 die damalige Wickeder Chaussee. Dann oben der Verlauf des Romberger Erbstollens und darauf  im südlichen Abschnitt des Stollens die Abtäufung der Zeche Norm. Mitte rechts kennzeichnet das Mundloch des Caroliner Erbstollens, das nach aufwendiger  handwerklicher Arbeit durch den bergbauhistorischen Ortsverein freigelegt und restauriert wurde und auch besichtigt werden  kann. Darunter dann der Holzwickeder Bach, der durch Aufstauung und begradigten 350m langen Wasserlauf   abgeleitet  auf ein Wasserrad zulief   und diente zur Schachtentwässerung sog.“Wasserkunst“  für das Steinkohlen- und Eisenstein  Bergwerk CAROLINE am Brauck. Ortskundige erkennen rasch die Bahnstrecken durch die  damals noch getrennt liegenden Ortsteile Rausingen, Natorp, Holzwickede und Dudenroth. Schon hier der Hinweis, dass die Caroline recht rasch an die Bahn in den Ortsteil Rausingen umzog und dazu ein  jüngeres Luftbild von Holzwickede mit den trennenden Bahngleisen, der enormen Erweiterung des Ortes nach Süden und es sind sogar noch Restbauten der verlegten Caroline vom Brauck an die Bahnstrecke erkennbar (s. Pfeil), die im Jahr 1951 stillgelegt wurde. Darüber im Hintergrund quer verlaufend die Bundesstraße 1 mit ihrer damaligen Pappelallee. 

 

Im Jahr 1855 hatte die gegründete Bergbau-Actien-Gesellschaft Caroline  den sog. Caroliner Erbstollen und die Abbaurechte zunächst am Brauck erworben und mit 2 Schrägschächten betrieben und dies mit einem Pferdetransport zur Bahnlinie. Dazu Schnittzeichnungen aus dem angeführten Buch von J. Huske

 

Der oben angeführte Bau der Eisenbahnlinien war dann sicherlich auch der Grund zum Umzug der Zeche direkt an die Bahn mit der Errichtung ab dem Jahr 1857 der neuen Zechenanlage benachbart zum Bahnhof Holzwickede. Die nachfolgende Topografie ca. aus dem Jahr 1930 dokumentiert noch einmal die Verhältnisse  (Schriftzug V.E.W. dokumentiert bereits die Übernahme der Gewerkschaft Caroline im Jahr 1927 durch die Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen).

 

Da die Ortsentwicklung nach Süden hinter die Bahnlinie sich rasant vollzog, war sichtlich ein Verkehrsproblem zu erwarten bei ca. 150 Zugbewegungen über die oben angeführten Strecken. „Stundenlanges“ Warten für die Fuhrwerke und eilige Passanten bis zu tödlichen Unfällen führten zur Petition nach Berlin und später nach  Elberfeld (Eisenbahndirektion) bezüglich einer Verbesserung dieser Situation. 1889 wird zumindest zunächst für 20 Jahre eine 60m lange Fußgängerbrücke aus Stahl über die vielen parallelen Gleise realisiert. Dazu ein Bildausschnitt aus einer Lithografie gestempelt 1898.

 

Blick quasi vom Förderturm der Zeche auf die Bahnlinien und auf die Fußgängerbrücke. Das Bahnhofsgebäude versteckt sich links hinter den Bäumen  und mit dem angedeutet erkennbaren Wasserturm. Die Dampflokomotiven benötigten erhebliche Wassermengen in Holzwickede und speziell durch die Entwicklung eines Umladebahnhofs durch  die beiden wichtigen oben angeführten Zuglinien entstand über Jahre ein Rangiergelände mit ca. 50 parallelen Gleisen, ca. 40 Rangierlokomotiven und war bis zum Kriegsende des 2.WK einer der größten Rangier- und Umladebahnhöfe Deutschlands. Auch die Zeche entwickelte sich und so wurden Bahn und Zeche langjährig mit bis zu jeweils ca. 900 Beschäftigten die großen Arbeitgeber mit der Folge der raschen Steigerung der Einwohnerzahlen. Aus der obigen Lithografie 1898 auch das passende Zechenbild. Angedeutet erkennbar der einfache Zaun zur Abtrennung von Bahn- und Zechengleisen.

 

Betrug die Gesamtzahl von Holzwickede im Jahr 1818 mit den noch getrennten 4 Ortsteilen 340 Einwohner, so war in den kommenden 80 Jahren eine Vergrößerung vom Bauerndorf zum Industriestandort  im Jahr 1900  mit 4600 Einwohnern zu registrieren!

 

Fortsetzung  folgt