Holzwickede – Zeche

12. Fortsetzung

10.07.2023

 

Paul Geldmacher kann auch postalisch auf einer Funknachrichtenkarte vorgestellt werden.  Durch die Funkübertragung wurde wohl  nur Schäferstr. 48 anstatt Schäferkampstraße 48 auf der Karte vermerkt. Paul Geldmacher wohnte meines Wissens nach damals im Wohnhaus Karl Schmidt (s. Fa. für Feld- und Grubenbahnweichen) und besagter Schäferkampstr. 48 und dort erreichte ihn folgende seltene Funknachrichtenkarte mit Datum vom 9.11.1944  („stummer“ Reichspoststempel auf Feldpostkarte des Oberkommandos der Kriegsmarine) aus der Festung St. Nazaire am Atlantik.  

 

Antwortsendungen waren eigentlich nicht möglich und in den dringendsten Fällen nur über den „Kameradschaftsdienst West, Gruppe PK“  mittels Ortspostamt im Telegrammstil an das  Haus des Rundfunks in Berlin-Charlottenburg in der Masurenallee möglich.

Ob der oben angeführte Absender mit Helmut aus der Festung St. Nazaire  im  neu erstellten U-Boot-Bunker  seinen Kriegsdienst leistete, ist mir allerdings nicht bekannt. St. Nazaire war ein großer französischer Atlantikhafen und die deutsche Wehrmacht erreichte den Ort Mitte des Jahres 1940 und baute hier sofort eine U-Boot-Bunkeranlage  mit Fertigstellung der ersten Box bereits nach einem Jahr. Für Interessierte der Militärgeschichte hier noch der Hinweis auf den britischen  Angriff am 28. März 1942. Das Ziel galt in diesem Fall allerdings weniger den U-Boot - Bunkern, sondern der Zerstörung des großen Trockendocks, was verlustreich gelang.

 

Dazu möchte ich einmal die Fa. Karl Schmidt KG noch vorstellen auf einem  frühen Nachkriegsbeleg  mit dem Briefmarkenersatzstempel Postamt Holzwickede (roter Einkreisstempel) und der Verrechnung  Gebühr bezahlt  und Posttagesstempel Holzwickede  (Kr.Unna) mit Datum vom 26.4.1946.

 

Zurück  aber noch einmal zur erhaltenen Zeche Caroline in das Jahr 1933 mit einer Fotopostkarte (aus dem EK-Verlag, Freiburg) mit einem Blick auf die Rangierlokomotive der Baureihe 64 auf der Drehscheibe und im Hintergrund die  Zeche Caroline mit Schacht I.

 

Im Jahre 1936,  kurz nach den olympischen Spielen in Berlin und der damit  gelungenen  NS – Propaganda und Täuschung der eigenen und internationalen Bevölkerung über Deutschland in  Zeiten der Diktatur, kam schon aus  Berlin im Rahmen des 4Jahresplanes die Anfrage an die Zeche Caroline zur möglichen Eisenerzgewinnung. Stahl für die geplante Kriegswirtschaft wurde benötigt und dies möglichst mit heimischer Produktion und damit  Autarkie.

Essen – Ruhr.    Krupp´sche Kanonen  Werkstätten
 

 

Kanonen jede Menge und je größer umso besser. Krupp baute nicht nur 42cm Mörser und

Schiffskanonen sondern konstruierte und fertigte auch gleich die dazu benötigten 

Eisenbahntransportwagen mit „grandiosen“ 100.000kg Tragfähigkeit!

 

Die Zeche Caroline hatte im Stollenvortrieb zur Kohleförderung auch  Eisensteinflöze getroffen und eine Probelieferung von 120 Tonnen an die Birlenbacher Hütte in Geisweid (mein erster Wohnsitz) erbrachte bei einem maximalen Eisengehalt von ca. 25%  keine kostendeckende  Ausgangslage zur  weiteren Förderung.

 

Birlenbacher Hütte Geisweid aus Buch von Horst F. Kesper 1979 im Verlag Vorländer Siegen

Ein erneuter Versuch im transportgünstigeren Dortmund  mit über 1000 Tonnen Eisenstein  beendete auch in diesem Fall nach Überprüfung des Erzgehaltes dennoch endgültig die Eisensteinförderung der Zeche Caroline und dazu noch eine Bildpostkarte nach einem Gemälde von Franz Gerwin, Dortmund einer Hochofenanlage eines rhein.-westf. Eisenwerkes.

 

Im Jahr 1938 ereignete sich ein tragisches Ereignis auf der Zeche Caroline durch einen Strebbruch über 35m  und 6 Bergleute konnten nur noch tot geborgen werden. Direkt betroffen waren 6 Ehefrauen und 10 Kinder wurden Halbwaisen. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung gab es einen Trauerzug von der Zeche bis zum Friedhof und auch hier durften die Hakenkreuze nicht fehlen. Dazu ein Bild erneut aus dem lesenswerten Buch von Joachim Huske.

 

1938  war dann auch das Jahr in dem die Brikettfabrik der Caroline stillgelegt wurde.  Das Jahr 1939 wurde der  Beginn des 2. Weltkrieges mit geschätzten 50 Millionen Toten auf allen Seiten der betroffenen Länder und erreichte eine bis dahin  nicht bekannte apokalyptische Dimension. Es kann hier nicht eine Abhandlung zu Adolf Hitler und seiner wahnsinnigen Kriegsinszenierung folgen, es gibt dazu eine unübersehbare Literatur zur näheren Information.

 

Ab dem Jahr 1941 konnte die Zeche Caroline nicht mehr  deutsche Arbeitskräfte rekrutieren und ersetzte zunächst mit angeworbenen Arbeitern aus Italien und schließlich  Zwangsarbeitern  aus den besetzen Ländern. Ihre Zahl auf der Zeche kann auf ca. 200 geschätzt werden. Ähnlich dem 1. Weltkrieg ist zunächst  zur Unterkunft wieder das  Gebäude und Gelände in der Bahnhofstraße mit dem  Hotel Deutsches Haus  anzuführen (vormals Gasthof  Zum Deutschen Kaiser u. später Emscherhof).

 

Schließlich errichtete die Zeche Caroline ein Barackenlager auf ihrem eigenen Gelände und auch auf der Ziegelei in Natorp, die nun als kriegswichtig eingestuft worden war und dann doch noch bis in das Jahr 1944 produzierte.

Fortsetzung folgt