Holzwickede Kellerkopfdenkmal
7. Fortsetzung
5.3.2026
Dem Besucher des Kellerkopfdenkmals imponiert als wesentliches Detail nicht das zuvor beschriebene und nicht mehr erkennbare „Allerheiligste“ sondern die ca.4m hohe Denkmalsfigur auf ca.6m hohem Sockel mit dem aufrecht stehenden Soldaten, in der linken Hand sein abgestelltes Gewehr an der Mündung haltend , der gerade gerichtete Blick nach Südwesten zur Garnisonstadt Metz und die rechte erhobene Hand zum Schwur erhoben. Im Sockel nach vorne das Kennzeichen der 130er im Kranz und im stilisierten „Eisernen Kreutz“ platziert.
Die Teleobjektivaufnahme rechts oben belegt unter Lupensicht eindeutig die Schwurhand mit eingeschlagenen 4. und 5. Finger und Daumen, Zeige- und Mittelfinger in gestreckter Haltung !
Die Lettern des gelobenden Treueschwurs des 130er Soldaten sind verschwunden und waren auf 6 Granitsteinen auf der Sockelrückseite platziert.
Dort hinter jenen Bergen liegst du Metz !
Dein treues Regiment grüßt Dich, die Heimatstadt !
Ob ich das Herzblut gab für Dich – Du liegst in fremden Banden,
und nur das Auge meiner Sehnsucht kann Dich schauen,
die einstmal meins.
Doch meine Treue soll Dich nie verlassen.
Ich bin Dein Sohn und Du die Mutter mein,
die mich gelehrt zu kämpfen und zu sterben für das Vaterland.
Fünftausend treue Söhne sind von uns um Dich verblutet.
Wir Lebenden des Regiments grüßen in heißer Sehnsucht Dich – Stadt Metz-
und schwören ewig`gen Eid :
Der toten Kameraden und Dir Stadt in Liebe zu gedenken
und die Treue zu halten.
Die Schwurhand (teils auch in Form der offenenen Hand) hat einen urchchristlichen Ursprung mit nach oben gestreckter Armhaltung zur Bezeugung einer Aussage bzw.eines Versprechens. Finger und Hand waren waren christlich „besetzt“ und in der „maximalen“ Form ruhte die Schwurhand gelegentlich zum Eid auf der ausgelegten Bibel. Dazu Abbildungen Wikipedia aus dem Jahr 1798 und Briefmarke Österreich September 1946 aus der Serie „NIEMALS VERGESSEN“ !
Ein Meineid bedeutete im Mitttelalter durchaus den möglichen Verlust der Schwurhand !
Nach der Denkmalbeschreibung soll nun die eindrucksvolle Einweihungsfeier am 1.September 1929 folgen und sicherlich mit geschätzten 12000 Teilnehmern, das jemals bis dato zahlenmäßig größte Ereignis für Holzwickede, Opherdicke und Hengsen. Gemessen an den damaligen Einwohnerverhältnissen waren die Besucher der Denkmalseinweihung fast die doppelte Anzahl der genannten Ortsteile.
Auch das Datum ist wieder symbolträchtig gewählt mit dem 1.September und mit dem Siegestag über Frankreich und der Schlacht bei Sedan und damit 59 Jahre vor dem 1.9.1929.
Das Bild im Zeughaus Berlin hält die Szene fest, wie der französische Kaiser Napoleon III. sich persönlich in die Gefangenschaft des preußischen Königs Wilhelm I. begibt !
Anmerkung: Zeughäuser begerbergten die Waffensammlungen in den Residenzstätten zur Ausrüstung der Soldaten, wandelten sich später auch in Sammlungsstätten militärischer Dokumente und auch alter Waffensysteme bis hin zu Ritterrüstungen und Schwertern und entwickelten sich teils zu Museen.
Der Sieg über Frankreich mit der Schlacht bei Sedan wurde übrigens reichsweit gefeiert am 2. September in unterschiedlicher Form und zunehmend in abnehmender Ausprägung und Teilnahme.
Die Datenlage zur Einweihungsfeier des Kellerkopdenkmals ist durch die großformatigen Berichterstattungen dieses durchaus überregionalen Ereignisses in der Presse recht gut erhalten.
Hellweger Anzeiger 2.9.1929
Westfälischer Anzeiger 2.9.1929
Aber schon am Vorabend hatte sich am Hansaplatz eine Abteilung der Infanterie ( vermutlich 8. Kompanie des preußischen Infanetrieregiments Nr. 9) formiert mit Marsch vorbei am kommandierenden General von Mudra und Generalmajor a. D. Stachow als Kommandeur des aktiven Regiments und Protektor des Reichsbundes der Nr.130 und zum Abmarsch zur Westfalenhalle mit dortigem Kommers.
Am Sonntag den 1. September brachte 9Uhr 30 ein Sonderzug aus Dortmund aktive Verbände und sicherlich auch regional und überregionale Besucher zum Bahnhof Holzwickede. Von dort sammelten sich die Menschen aus allen Richtungen , die am Zug zum Denkmal in Hengsen teilnahmen auf dem Rathausplatz vor dem Kriegerenkmal 1870/71.
Dazu kann ich keine Ansicht vorstellen, aber es existieren Ansichtskarten zum Weiheakt der Ergänzungstafeln zum 1. Weltkrieg 1914/1918 an diesem Denkmal und vermitteln so einen gewissen Eindruck (s. nachfolgende Ansicht dazu) zum Treffpunkt des Festzuges vom 1.9. 1929.
Major a.D. Thiele legte am Kriegerdenkmal auf dem Rathausplatz im Auftrag des Reichsbundes der ehem. 130er einen Kranz nieder und es formierten sich die Vereine zum Festzug. Dazu gibt es eine Beschreibung im Hellweger Anzeiger, die folgend zitiert, den eindrucksvollen Ablauf bestmöglich vor Augen führt
Auch dieses Mahnmal zu Ehren der Gefallenen des 1. Weltkrieges der Gemeinden Opherdicke und Hengsen auf der Haarstranghöhe auf der Grenze der beiden Ortsteile war ein Werk von Fritz Richter – Elsner und dazu nachfolgend seine Entwurfszeichnung vermutlich aus dem Jahr 1926 für den Bau ab 1927.
Eine Abhandlung zu diesem Mahnmal und seinem Gestaltungsverlauf als eigener Menüpunkt wäre einmal durchaus wünschenswert !
Folgend nach meiner Meinung früheste Ansicht der ersten Ausführung. Die Seitenwände der Vertiefung zum Denkmal waren mit Steinplatten belegt mit den Namen der Gefallenen.
Auch an diesem Mahnmal legte Major a.D. Thiele im Auftrag des
Reichsbundes der ehemaligen 130er einen großen Kranz nieder mit den Worten :
Treu dem Volke , treu dem Vaterland
Danach marschierte der Festzug durch die Gemeinde Hengsen zum Kellerkopf
Der rührige Wirt Karl Pampus am Kellerkopf (die Gastwirtschaft firmierte noch „Zur Waldlust“) hatte für 12000 Besucher mit 2 oder 3 Festzelten zusätzlich wohl „aufgerüstet“ und hatte vom eröffneten Denkmal gleich die passende Fotoansichtskarte angefertigt durch den Fotografen Julius Fechtner aus Unna und die Brüstung der 2. Denkmalsebene ist mit den Festkränzen behangen.
Fortsetzungen sind wünschenswert, aber aktuell mit Zeitverzögerung belastet.
Bis demnächst wieder einmal, Ihr E.-M.Eden, Holzwickede