Holzwickede   Kellerkopfdenkmal

6. Fortsetzung

16.02.2026

An dieser Stelle  gilt es das „Allerheiligste“ des Denkmals an der Rückwand  im Steinhalbrund vorzustellen, das  kryptenartig gestaltet war  und seitlich umgeben  wurde von Dreiecksschildern  mit den Orten der Feldschlachten des 130. Infanterieregiments und seinen Reserveregimentern.

 

Im inneren Bereich ist oben das patinierte  Bronzerelief der Stadt Metz  eingefügt

mit  zwei goldenen Ringen über der Kathedrale, darunter Text in Bronze

 

O DU MEIN ALTES METZ – DER SEHNSUCHT HEILIGES GEBET

Die mittlere Steintafel  schwebt über dem Cordula- Schrein

 

Den Manen

unserer 5000 Toten.

Ihre Lettern  im Schrein

rufen die Lebenden

und die Kommenden

 

Der Begriff  Manen kommt aus dem Lateinischen  di manes  und  waren

in der römischen Religion  die Geister der Toten

 

darunter  der Cordula - Schrein

 

Replik mit Patina des Cordula – Schreins zu Cammin mit den Namen der 5000 Toten des

1. Lothringischen Infanterieregiments  auf Pergamentpapier

Schon die Auswahl  der Replik des Cordula – Schreins aus dem Camminer Dom (Ostsee Pommern)  zur Aufbewahrung der Namensliste der gefallenen Soldaten  ist  auch in diesem Fall symbolisch  zu interpretieren.  Der Märtyrertod der Heiligen Cordula bei Köln ca. im Jahr 400 n.Ch.  durch die Hunnen  mit ihren Gebeinen im Schrein wird quasi gleichgesetzt  dem Opfer-bzw. Märtyrertod der Soldaten des 1. Lothringischen Infanterie – Regiments für Gott, Kaiser und Vaterland.

Zur Historie des Cordula – Schreins gibt es etliche Hinweise, sicher ist die Herstellung durch einen skandinavischen Künstler im sog. Mammenstil um das Jahr 1000 (Wikipedia).

 

Eines der im Mammen-Stil verzierten Felder des Schreins von Cammin (Wikipedia Internet) vermutlich aus Elchhorngeweih. 27 Felder mit vergoldeten Bronzebändern  fixieren die Platten und an den Endpunkten waren Tierkopffiguren positioniert und Füße dienen zur Aufstellung.

Nachbildung des Cordula-Schreins, dem im Jahr 1938  in Stettin extra eine Ausstellung (https://stettin.blog/2025/03/04/der-cordula-schrein) gewidmet war

 

Der Schrein hatte durchaus eine deutliche Größe mit einer Länge von 63cm, Breite von 33cm und eine Höhe von 26cm. Eine zugängige  und verschließbare Klappe  verschloss den hölzernen Innenraum. Besucher imponiert das Kunstwerk teils als Schiffform  andere interpretieren einen Schildkrötenvergleich.

Die Repliken wurden gewöhnlich in den Berliner  Museumswerkstätten hergestellt, bezeugen die historische Bedeutung und finden sich unter anderem im Dänischen Nationalmuseum in Kopenhagen, im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald, im Römisch-Germanischem Zentralmuseum in Mainz und auch der Camminer Dom besitzt wieder eine Replik, denn das dortige Original ging gegen Ende des 2. Weltkriegs bis dato verloren.

 

Der Dom zu Cammin  in seiner frühesten Bauzeit  romanischen Ursprungs ist der älteste und größte Kirchenbau in Pommern. Allein die historischen Versionen sind lesenswerte Kapitel im Internet, wie der Cordula – Schrein über welchen lokalen Herrscher und Kriegsherrn auch immer  in den Domschatz zu Cammin kam.

Ebenso ist der postulierte Inhalt des Originals mit den Gebeinen der heiligen Cordula mit verschiedenen  fraglichen Beschreibungen ein Kapitel für sich.

Der Domschatz wurde wohl 1942 zum Schutz  auf den Besitz der Familie von Flemming in Benz ausgelagert, aber der weitere Fluchtweg auf dem viel zu spätem Treck nach Westen im März 1945 wurde von den Russen überrollt und der Original – Cordula – Schrein ist bis heute seither verschwunden und auch die phantastische Replik am Denkmal der 130er in Hengsen ist seit dem Jahr 1951 verschwunden!

Zunächst aber wurde der Schrein in den letzten Augusttagen 1929 in der Schankwirtschaft Pampus am Kellerkopf in Hengsen zur Besichtigung ausgestellt.

Zur Einweihungsfeier  am 1. September 1929 folgt noch eine Ausarbeitung.

Was war das Schicksal im Jahr 1951 der Kellerkopf – Replik des Cordula Schreins? Nach Recherchen von Hartmut Mertin – dem ehemaligen Vorsitzenden des Fördervereins Kellerkopfdenkmal – hat ein Schrotthändler aus Lichtendorf den Schrein  gestohlen und einfach pietätlos „versilbert“. Das Strafmaß vor Gericht ist mir nicht bekannt geworden.

90 Jahre das „Allerheiligste“

 

Links im ursprünglichen Zustand mit den beiderseitigen beschrifteten Dreickeckstafeln der Schlachtorte  des Aktiven-  und des Reserveregiments der 130er. Rechts der heutige Anblick mit den Zeichen der Verwitterung. Die Nische ist mit einem Eisengitter praktisch vor leerem Platz wohl später verschlossen  worden.  Aber auch in diesem Fall wohl noch symbolträchtig. Die 3 Kreuze erinnern an die Kreuze von Golgatha und in den unteren beiden Ecken „germanische Sonnenräder“.

Fortsetzungen sind wünschenswert, aber aktuell  mit Zeitverzögerung belastet.

Bis demnächst wieder einmal, Ihr E.-M.Eden, Holzwickede