Holzwickede   Kellerkopfdenkmal

3. Fortsetzung

27.12.2025

Interessant ist ferner auf der obigen Topografie südlich vom Kellerkopf  der Eintrag und Hinweis Linnscheidt. Ein einziges Haus eingetragen auf einer Karte  ca. Mitte  des 19. Jahrhunderts wirft Fragen auf.

Die Begründung liegt  im Bestehen als niederer  Adelssitz  aus  früheren Zeiten.

 

Die vorstehende Todesanzeige aus dem Jahr 1906  gilt

Karl Damm

Freiherlich v. Lilien`scher Förster in Opherdicke

verstorben am  30. Juli. Die Todesannonce beschreibt seinen ganzen ehrwürdigen Lebenslauf u.a. mit der Betreuung seiner pflegebedürftigen Frau. Er war beamteter Förster in nieversagender Pflichttreue  zu seinen Dienstherren aus dem Haus von Lilien zu Opherdicke. Nachfolger von Förster Damm wurde Förster Kellermann s.  aber Verkauf Haus Linscheid im Jahr 1912.

Für Heimatinteressierte 2 wichtige Hinweise. Zum einen gehörte Linscheid  dem Haus Opherdicke  und daher wird Hengsen aus diesem Grund in der Todesanzeige  oben nicht erwähnt. Ferner basierte das einsame Forsthaus auf einem alten und niederen Adelssitz, der an das Haus von Lilien gekommen war. Dazu eine Zeichnung  zu Linscheid  (Quelle Fr. Busemann)

 

Ganz rechts Kirchturm Opherdicke und links oben ist der Blick auf den Kellerkopf gerichtet.

Linscheid als unbedeutender niederer Adelssitz war im Jahr 1793  aus dem Besitz  derer von Hane  zusammen mit dem Haus Opherdicke   an den Neffen Kaspar Freiherr von Lilien  aus der  Werler  Erbsälzerfamilie gekommen.

Dazu Schloss Lilien  Opherdicke und Briefanschriften Lilien in Werl.

 

Die Ortsteile Keller, Kellerkopf  einschließlich Linscheid, Hengserheide und Jungholz waren bis ca. Mitte des 19. Jahrhunderts  völlig bewaldet (erklärt eine Forsthausnutzung)  und im Jahr 1799 kauft Freiherr Frydag zu Buddenbberg  zu Lünen  das Gebiet  Keller und Kellerkopf aus dem ererbten Besitz von Lilien, der aber Linscheid als Forsthaus behielt.

An dieser Stelle  zu Linscheid aber kurz  ein Sprung um 110 Jahre.

Freiherr Franz Kaspar Michael v. Lilien vermachte seiner Nichte 1906 Enna von Fürstenberg Gut Opherdicke. Sie heiratete einen Grafen Berge von Trips in Hemmersbach. Enna v. Fürstenberg blieb im Rheinland. Sie hatte wohl kein großes Interesse an ihrem Erbe in Opherdicke. Sie verkaufte  Linscheid wohl schon ca. 1910/12 an den Landwirt Externbrink  aus Hengsen und einige weitere zugehörige Parzellen  zu Linscheid und  zum Haus Opherdicke an die umliegenden Höfe, um im Jahr 1918 sich endgültig von ihrer Liegenschaft  in Opherdicke zu trennen durch Verkauf von Schloss mit restlichem Grund und Boden (ca. 200ha) an den Landwirt Theodor Regenbogen, der in Dortmund - Huckarde der Zeche Hansa weichen musste.

Zurück zum Gelände Keller und Kellerkopf

Ab dem Jahr 1838 konnte das Gelände  Keller von Freiherr zu Buddenberg in Erbpachtparzellen  erworben werden. Hauptsächlich  Tagelöhner und  Bergarbeiter  der Zeche Caroline  nahmen die Gelegenheit in Anspruch und hatten einen beschwerlichen Fußweg besser Pfad durch den Holzwickeder Bruch. Die Erbpachtverträge waren recht stringend gehalten. Die gefällten Bäume blieben bis zum Verkauf (geplant 2 Jahre nach Vertragsbeginn) im Besitz von Buddenberg. Das gerodete Land war zwingend an Ackerbau gebunden und die Verpflichtungen  duldeten  keinen Aufschub   sondern  Verlust der Erbpacht nach 2 Jahren bei Zahlungsverzug. Die Wege wurden den Erbpachtgrundstücken abgezogen  und es entstand eine kleine verstreute Siedlung und  in den Kirchenbüchern wurden die Pächter  als Anbauern angeführt und von den Hengsenern als Kolonisten tituliert. Die Erbpachtverträge wurden später abgelöst. Namen zur Urbarmachung mit Rodung der Waldflächen sind noch bekannt u.a. mit  Buse  speziell im Linscheid – Bereich und im Jungholz war wohl eine Zweckgemeinschaft am Werk und der Linscheider-Weg findet in diesem Zusammenhängen seine Bedeutung. Das Haus Linscheid kam  wohl in den Besitz von Hartmut Mertin (akt. Bergstraße 30, Hengsen), der sich 45 Jahre um den Erhalt des Kellerkopfdenkmals  sehr verdient gemacht hat (dazu später mehr).

 

Blick  über die gerodeten Flächen Keller  aber den weiterhin bewaldeten Kellerkopf

Hier noch einmal  die Topografien Mitte 19. Jahrhundert und  Entwicklung ca. 40 Jahre  später.

 

Die Baumkennzeichnungen sind folgend nach Rodung bis auf den Kellerkopf verschwunden und

 die roten Pfeile markieren die Denkmäler Kellerkopf und Hengsen/Opherdicke.

 

Zurück zum Kellerkopfdenkmal  und die Liegenschaft Pampus. Zum Jahr 1845  kann ein Heinrich Pampus mit Ehefrau Maria Chriistina geb. Schäfer dokumentiert werden. Die Einrichtung einer Schankwirtschaft erfolgte ca. um die Wende 19. und 20. Jahrhundert. Pampus – Kellerkopf wurde eine Institution. Es etablierte sich ein Ausflugslokal auch für die westlichen Orte Schwerte, Lichtendorf und Sölderholz mit Terassen am Hang, Tanzboden in der Scheune und Holzkegelbahn. Hengser Vereine wie Gesangsverein, Fußballverein hatten hier ihre  Konstante und auch der Gemeinderat tagte hier später im Wechsel mit den Hengser Gaststätten Gödecke und Becker. Auch die Angehörigen  aus dem  Kreis der 130er   hauptsächlich aus  Schwerte und Westhofen nutzten nun in der Nachkriegszeit  den sonntäglich üblichen Spaziergang  häufig zur Einkehr  in der Gastwirtschaft  „Zur Waldlust“  bei dem Wirt  Karl Pampus  auf dem Kellerkopf in Hengsen, der vielfach das Leid der Hinterbliebenen vernahm.

 

Die Vorstellung einer gemeinsamen Gedenkstätte stand im Raum und der im Jahr 1921 gegründete Kriegerverein „ REICHSBUND  EHEMALIGER 130er“  mit Sitz in Dortmund und späterem Vorsitzendem des Denkmalausschusses Major Thiele  nahm das Angebot von Pampus wahr auf dem Kellerkopf ein Denkmal zu errichten. Das Ehepaar überlies ein großzügiges Gelände mit der einschränkenden Verpflichtung zukünftig dann alle Vereinsaktivitäten in ihrer Gaststätte abzuhalten.

 

Notarieller  Kellerkopfvetrag  vom 4. August 1926 (Quelle W. Hochgräber)

Schon hier einmal die Standortattraktivität (Aufnahme ca. 1930) für ein Denkmal mit damaliger  noch freier Sicht zum Ruhrtal und Schwerte.

 

Fortsetzung folgt