Holzwickede Kellerkopfdenkmal
9. Fortsetzung
08.04.2026
Nach dieser Einweihungsfeier zum Kellerkopfdenkmal zu Ehren der gefallenen Soldaten des Regiments der 130er in Metz einschließlich der Reserveregimenter und der Maschinen-Gewehr – Abteilung firmierte der Wirt Karl Pampus den Namen seiner Gastronomie von
Zur Waldlust in Zum 130er Denkmal um (Annonce 1937)
Wirtshaus Pampus und das Kellerkopfdenkmal blieben auch weiterhin Anlaufpunkte für die Hinterbliebenen der 130er Regimenter, sondern auch Ausflüge z.B. am Wochenende führte die Einwohner aus den Nachbardörfern zum Kellerkopf. Es wurden mir Privatfotos zur Verfügung gestellt, die allein durch die Uniformträger die 1940er Zeit belegen.
Die obigen Bilder der Familie Hauske zeigen einmal die Gesellschaft auf dem Treppenaufgang zur 3. Ebene links und rechts die Gruppe verteilt auf der 2. Denkmalsebene vor der Balustrade zum Tal hin.
Interessanterweise sind oben 2 Fahnenmasten aufgestellt in den Feuerschalen zu erkennen. Wann die Aufstellung erfolgte, ist mir unbekannt, möglich ist auch eine variable Verwendung je nach Veranstaltung am Denkmal vorstellbar. Die Littfassreklame zum Geschäft Kahre auf der Nordstraße habe ich nur beigefügt, da nach rückseitigem Stempel dort die Bilder entwickelt wurden.
Auch die Familie Stasius/Wix stellte ein Ausflugsbild zur Verfügung (Jahr 1934)
Am Kellerkopfdenkmal fanden weiterhin jährlich Totenehrungen zum Volkstrauertag der Kriegsopfer durch den Reichsbund der 130er statt, aber auch Sonnenwendfeiern mit der üblichen NS – Inszenierung unter der Hitlerjugend sind in der Erinnerung.
Die Sonnenwende mit dem höchsten Sonnenstand des Jahres mit der längsten Tages- und kürzesten Nachtzeit feiert die Menschheit dieses Ereignis seit Jahrhunderten unter vielen unterschiedlichen Religions- und Kulturaspekten und seit je häufig im Brauchtum verbunden mit einem symbolträchtigem offenem Feuer. Unter der deutschen Jugendbewegung der 1920er Jahre verbreiteten sich unter „kultisch altgermanischen Aspekt“ die Sonnenwendfeiern wieder aus und dazu eine Primus Künstlerkarte aus dem Verlag Wohlgemuth & Lissner, Berlin.
Die Nationalsozialisten stilisierten die Sonnenwendfeier speziell unter dem Einfluss von Heinrich Himmler zur pseudoreligiösen Veranstaltung im Einklang abstruser keltischer und altgermanischen Vorstellungen und ab dem Jahr 1937 wurde in Berlin im Olympiastadion die zentrale Hauptveranstaltung der Sonnenwendfeiern zelebriert. Pathetische Reden, Fanfaren, Totengedenken mit Kranzverbrennungen wechselten sich ab bis zum „SIEG HEIL für den FÜHRER und sein VOLK“. Zu dem Fest in Berlin kann ich keinen Poststempel vorstellen, aber die Sonnenwendfeier im Jahr 1939 auf der Freilichtbühne Stedingsehre soll hier mit passendem Sonderstempel als Ersatz dienen. Ausgebaut zur NS – Kultstätte für 20.000 Besucher fand im Jahr 1939 hier eine Sonnenwendfeier statt ausgerichtet unter der Regie von Alfred Rosenberg.
Alfred Rosenberg als von Hitler ernannter „Chefideologe der NSDAP“ wäre schon ein Thema
mit nicht steigerungsfähigem Antisemitismus, Chefredakteur des Völkischen Beobachters seit 1923, Leiter des Außenpolitischen Amtes seit 1933 und „Ausbeuter des Ostens“ unter deutscher Besetzung.
Ende des Jahres 1937 finden sich noch Zeitungsannoncen in Verbindung zu den 130ern und Major a.D. Thiele avancierte zu diesem Zeitpunkt bereits als Bundesführer
aus der gleichen Zeitung
Aus der Folgezeit unter dem NS – Regime oblag dem Reichsbund der 130er auch die Pflege des Kellerkopfdenkmals und die Situation wurde durch den 2. Weltkrieg nicht einfacher.
Der Krieg wurde nun allgegenwärtig, wie dies auch das
folgende Ensemble postalisch offenbart
Die Verhältnisse in Deutschland hatten sich dramatisch verändert. Wenn schon keine Reklame für Auslandsreisen, so war doch im Jahr 1938 noch das Reisen im „fröhlichen“ Deutschland eine Werbung in den Absenderfreistempeln wert.
Aber auch in den Maschinenstempeln war der Krieg dann angekommen, vom Fröhlichsein
keine Rede mehr und „man hört geradezu den Befehl von Hitler
ERST SIEGEN - DANN REISEN !
Der Deutsche Volkssturm ab Oktober 1944 sollte mit noch waffenfähigen Männern im Alter von 16 bis 60 Jahren, die Wehrmacht im erhofften Endsieg unterstützen und ist an Sarkasmus nicht zu überbieten
Direkt unter dem Denkmal am Kellerkopf sollte die Autobahn noch nach Plänen im 3. Reich gebaut werden. Niederländische Zwangsarbeiter hatten schon 1941 mit der Rodung begonnen ! Im Jahr 1942 Einstellung der Arbeiten. 1961 wurde dann die neue Trasse der A1 fertig bis Remscheid und zwar südwestlicher als vorher geplant, daher Schonung des Kellerkopfgeländes !
Der Krieg endete nach schrecklichen Kriegserfahrungen für Deutschland in der totalen Kapitulation mit allen Konsequenzen: Offenbarung für die Weltöffentlichkeit für das willkürliche und unmenschliche Leid (s.a. KZ) vieler Betroffener auf allen Seiten und für Deutschland und die eigene Bevölkerung noch zusätzlich die Teilung des Landes und Vertreibung aus alten Heimatgebieten
Le Collège Moderne et Technique de Reims aù fut signèela Capitulation Allemande
Aus dem Set der 10 französischen Ansichtskarten zur Unterzeichnung der Kapitulation am 7. Mai 1945 in Reims habe ich folgende 3 Ansichten ausgewählt u.a. mit General D. EISENHOWER und Generalmajor I. SUSLAPAROFF und unterschreibend Generaloberst A. Jodl.
Das geheime Potsdamer Abkommen bestimmte dann im August 1945 die wesentlichen Grundzüge der Siegermächte für den Umgang mit Deutschland und seine zukünftige unwiderrufliche besatzungsmäßige Gestaltung in und für alle Lebensbereiche
An dieser Stelle soll zunächst nur mit einigen philatelistischen Beispielen die geographische Konsequenz vorgestellt werden mit Franz.-Zone, Amerikanische Zone, Amerikanischer Sektor, Russische Zone, sowjetische Besatzungszone Deutschlands, Englische Zone, um nur einige diesbezügliche Bezeichnungen vorzustellen.
Holzwickede lag nun in der englischen Zone und die britische Besatzung setzte rasch Josef Kiel aus der SPD als kommissarischen Bürgermeister ein. Ein rechtlich nicht weisungsbefugter Bürgerrat wurde etabliert und im Mai 1945 fand eine erste Nachkriegssitzung im Rathaus statt.
Im Jahr 1921 war der Kriegerverein „ REICHSBUND EHEMALIGER 130er“ gegründet worden mit Sitz in Dortmund und hatte die Aufgabe die Erinnerung an die Dienstzeit wachzuhalten, Ehrung der Gefallenen, Unterstützung von Hinterbliebenen und gemeinsame Veranstaltungen zu gestalten. Die Kriegervereine wurden von den alliierten Mächten im Jahr 1945 aber sofort verboten und damit auch der Reichsbund der 130er und im Jahr 1951 wurde zudem der Cordula-Schrein mit den 5000 Namen der gefallenen Soldaten gestohlen und diese Gegebenheiten verbesserten den Pflegeeinsatz am Kellerkopfdenkmal sicherlich nicht zumal auch die Demografie des Älterwerdens ihren Tribut zollte.
Karl Pampus firmierte erneut seine Restauration im Jahr 1945 um mit dem Nahmen
Zum Kellerkopf
und blieb auch weiterhin Anlaufpunkt für Vereine, Tanzschule und Treffpunkt der Hengser Gemeindepolitiker
Vorstehendes Bild aus dem Buch von Herbert Wilhelmy aus der Reihe
Archivbilder HOLZWICKEDE im Sutton Verlag GmbH Erfurt im Jahr 2005
Inserat ca. 1951
Fortsetzungen sind wünschenswert, aber aktuell mit Zeitverzögerung belastet.
Bis demnächst wieder einmal, Ihr E.-M.Eden, Holzwickede