Holzwickede Kellerkopfdenkmal
10. Fortsetzung
18.042026
Das Denkmal drohte nach dem Krieg zu zerfallen. Vermutlich im Jahr 1921/22 als Reichsbund ehemaliger 130er gegründet, brachte die Alliiertenverordnung 1945 das Ende der Kriegervereine in Deutschland. 1953 gründete sich noch einmal ein „TRADITIONSVEREIN DER EHEMALIGEN 130er“ unter Major a.D. Thiele
Major Thiele im Jahr der Denkmalseinweihung am Kellerkopf
aus dem vormaligen „REICHSBUND EHEMALIGER 130er“ .
Zu diesem Zeitpunkt im Jahr 1953 war Major a. D. Richard Thiele bereits 83 Jahre alt und wohnhaft in Unna und seine Mitstreiter zur Pflege des Denkmals waren in seiner Altersstufe und die Zahl der Mitglieder reduzierte sich bis ca. zum Jahr 1978 auf ca. 12 Hinterbliebene und dies teils über ganz Deutschland verteilt. Hier offenbart sich der “Fehler“ im ersten Satzungsentwurf mit der Begrenzung der Mitglieder größtenteils auf ehemalige dienende Soldaten des 130.Regiments in Lothringen. Schon aus demografischen Gründen war damit ein aktiver Einsatz zur Pflege des Denkmals in einer zunehmend schwierigen Lage durch fehlende jüngere Vereinsmitglieder. Eine Satzungsänderung und Zugangserweiterung für weitere durchaus interessierte Bürger am Erhalt des Kellerkopfdenkmals war anscheinend kein Thema.
Nachfolgend eine Denkmalsansichtskarte zum 25jährigen Jubiläum der Einweihung am Kellerkopf und im Jahr 1954 aufgelegt, die aber auch später zu Korrespondenz genutzt wurde.
Teils betreute das Jugend Rotes Kreuz Holzwickede mit Säuberungsaktionen das Denkmal.
hier beispielhaft im Jahr 1964
mit aufgebautem Zeltlager
Neben dem wuchernden Pflanzenbewuchs wurde das Denkmal auch Zielort von Schmierereien.
Bildquelle Magazin des Freundeskreises Holzwickede-Luoviers e. V. (1921)
Pietätlos gegenüber der Gedenkstätte der gefallenen Soldaten des 1. Weltkrieges wurden die Bronzereliefs Oberst Carl von Lengerke und Gottlieb Graf von Haeseler preußischer Generalfeldmarschall übermalt und die Augenpartien mit roter Farbe überstrichen. In gleicher Farbe findet sich dann noch der Satz STALINGRAD WAR WUNDERBAR.
Meine persönliche Analyse: bei fehlerfreier Schreibweise vermutlich ca. 15 jähriger deutscher Jüngling mit fehlender Empathie, mangelhaftem Wissen und Freude an Provokation! Mein Onkel wurde in Stalingrad im Häuserkampf durch eine umstürzende Wand verschüttet, nach 2 Tagen ausgegraben und hatte erhebliche Folgeschäden mit fast völliger Erblindung.
Über Wandschmierereien beschwerten sich die Senatoren in Pompeji schon vor 2000 Jahren. Bei einem Teil der männlichen Jugend ist das Phänomen also sicherlich genetisch fixiert und ein persönliches Aufmerksamkeitssignal und die heutzutage teuren Farben für großflächige Bilder werden den „Großeltern aus dem knappen Rentenportemonnaie geleiert“.
Der Zustand des Denkmals wurde zunehmend bedenklich und die Erben Pampus und Müller erinnerten an den Erstvertrag und die Rückgabepflicht des Geländes bei Verfall des Denkmals. Die Auflösung des Traditionsverbandes ehemaliger 130er stand im Raum und der Rechtsanwalt Helmut Philippi wurde vom Amtsgericht Unna zum Notvorstand bestellt und mit dem weiteren Procedere beauftragt.
Der Landeskonservator wurde eingeschaltet zur Beurteilung des doch recht imposanten Gesamtwerkes geschaffen durch den Bildhauer Prof. Fritz Richter – Elsner aus Berlin.
Bildhauer Fritz Richter – Elsner vor dem Bronzerelief von Oberst Carl von Lengerke,
dem letzten Friedenskommandeur des 1. Lothringischen Infanterie Regiments 130
Diese Dimension des Denkmals veranlasste wohl im Jahr 1977 den Landeskonservator von Westfalen – Lippe zur folgenden Beurteilung gegenüber dem Regierungspräsidenten in Arnsberg „dass diese Gedenkstätte in ihren Ausmaßen einmalig für den Kreis Unna ist und vom Typ her an das Hermannsdenkmal in Detmold anknüpft“. Der Kultusinnenminister des Landes Nordrhein – Westfalen schloss sich diesem Gutachten an und seitdem sind Fördergelder zur erhaltenden Unterstützung genehmigt worden. (s. Timm S. 136).
Rechtsanwalt Philippi - selbst überzeugt von der Erhaltungswürdigkeit des Denkmals - berief im Jahr 1978 eine Mitgliederversammlung der Ehemaligen 130.er ein. Als Leiter der Versammlung der ehemaligen 130er war RA Philippi als Notvorstand eingesetzt durch das Amtsgericht Unna und zusätzlich ausgestattet mit der schriftlichen Vollmacht der letzten noch lebenden Altmitglieder mit u.a. von A. Lengerke (Sohn von Oberst Carl von Lengerke) wohnhaft Winterberg-Langewiese und Herrn Fritz Neuhaus wohnhaft Witten-Heven. Insgesamt wurden zu dem Zeitpunkt noch 12 Altmitglieder geführt.
Rechtsanwalt Philippi aus Dortmund informierte auch die örtliche Presse über die bedrohliche Lage und bat Interessierte zum Erhalt des Denkmals aktiv zu werden.
So stand der Übernahme des Altvereins tatsächlich unter neuer Namensgebung und Satzungsänderung nichts mehr in Wege und am 28. September 1978 fand die entscheidende „Mitglieder“versammlung unter Rechtsanwalt Philippi ohne Altmitglieder in der Gaststätte Rosenberg, Dortmund-Lichtendorf um 18Uhr statt, vergrößert mit einem 15köpfigen Interessenkreis nachbarschaftlicher Bürger und hier ist an erster Stelle der Kaufmann Hartmut Mertin anzuführen. Die Erben des Geländes Herr Müller und Herr Pampus waren eher an einer Rückgabe interessiert.
Hartmut Mertin scharte aber eine aktive Bürgerschaftsinitiative um sich und es gelang eine Vereinsfortführung unter Umbenennung zum Förderverein zur Erhaltung und Pflege des 130er Denkmals im Jahr 1978 und 14 Anwesende stellten sogleich den Aufnahmeantrag.
Quelle Archiv der Gemeinde Holzwickede
Eine neue Satzung wurde entworfen und zum ersten Vorsitzenden wurde Hartmut Mertin gewählt, Heinz Schulz wurde zum Schriftwart und 2. Vorsitzendem gewählt und Kassenwart wurde Klaus Ebbinghaus.
Am 25. Januar 1979 war die erfolgreiche Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Unna mit Anerkennung der Gemeinnützigkeit vollzogen.
Fortsetzungen sind wünschenswert, aber aktuell mit Zeitverzögerung belastet.
Bis demnächst wieder einmal, Ihr E.-M.Eden, Holzwickede