Holzwickede Kellerkopfdenkmal
5. Fortsetzung
27.01.2026
Grundsteinlegung des Kellerkopfdenkmals war der 5.9.1926
(auch Westfalendenkmal der 130er genannt).
Das Denkmal wurde ganz unter dem Blickwinkel der damaligen Zeit und mit detaillierten Strukturen auf einem pathetischem Gedankengut konzipiert, durchtränkt von Gedanken an postulierte altgermanische Tugenden von Treue, Blut und Ehre und dies durchaus vermischt mit christlicher Symbolik an den Opfertod von Christus.
Schon auf dem ansteigenden Weg zum Versammlungsplatz und der ersten Ebene vor dem Denkmal ist ein Stein von mir mit rotem Rechteck markiert. Die Steininschrift HEILIGLAND steht verbunden mit dem christlichen Anspruch zur würdevollen Haltung des Besuchers im Denkmalsbereich und symbolisch für Verlässlichkeit zur Treue bis zum Tod für das Vaterland und ein biblischer Bezug zu Matthäus ist nicht ausgeschlossen : und ich sage dir: Du bist Petrus. Auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen, und selbst die Macht des Todes wird sie nicht besiegen können.
Es war im Jahr 1921 der Kriegerverein „ REICHSBUND EHEMALIGER 130er“ gegründet worden mit Sitz in Dortmund und mit Major Thiele leitend als Vorsitzender im Denkmalbereich. Schon in der Vorkriegszeit zum 1. Weltkrieg existierten ca. 12 Regionalverbände der ehemaligen 130er im Rheinland und Westfalen ! Der Nachkriegsverein des Reichbundes ehemaliger 130er existierte übrigens bis 1945, denn auf Veranlassung der Alliierten wurden 1945 alle Kriegervereine aufgelöst. Kriegervereine hatten die Aufgabe zur Wachhaltung der Erinnerung an die Dienstzeit, Ehrung der Gefallenen bis hin zur Unterstützung von Hinterbliebenen und unabdingbarer erster Paragraph war stets die TREUE ZUMM DIENSTHERRN.
Die Bauzeit für das Kellerkopfdenkmal betrug 3 Jahre und schon dieser Zeitraum verdeutlicht die doch erhebliche Dimension der Gestaltung über ca. 30m von der untersten Ebene mit beiderseitigem Treppenaufgang zur 2. halbrunden Ebene und Plattform vor dem Aufstieg zur 3. Denkmalsebene
Links der Treppenaufgang mit 47 Stufen und Zustand nach Restaurierung der Fugen und neuem glänzendem Edelstahlgeländer. Die alten grünen Stahlgeländer waren sicherlich optisch dem Denkmal und der Landschaft besser angepasst. Die beiden seitlichen und gebogenen Treppenaufstiege schließen ein „Felsenmeer“ vor der Denkmalsplattform ein. Die Stufen aus Naturstein sind unterschiedlich hoch und tief und erfordern Aufmerksamkeit beim Aufstieg.
Nach 95 Jahren hat niederes Pflanzengeflecht das „Felsenmeer“ erobert
Die Gesamthöhe des Bauwerks ergibt sich aus den weiteren 18 Stufen zur Denkmalebene und Sockel und Soldat sind jeweils mit 4 bis 5 m zu veranschlagen und so ergibt sich die geschätzte Gesamthöhe von ca. 30m. Diese Dimension veranlasste wohl im Jahr 1977 den Landeskonservator von Westfalen – Lippe zur folgenden Beurteilung gegenüber dem Regierungspräsidenten in Arnsberg „dass diese Gedenkstätte in ihren Ausmaßen einmalig für den Kreis Unna ist und vom Typ her an das Hermannsdenkmal in Detmold anknüpft“. Der Kultusinnenminister des Landes Nordrhein – Westfalen schloss sich diesem Gutachten an und seitdem sind Fördergelder zur erhaltenden Unterstützung genehmigt worden. (s.Timm S. 136).
Der Aufstieg über die geschwungenen seitlichen Treppen aus Naturstein führt dann zur 2. Denkmalsebene mit nicht geschlossenem Halbrund als Vorhof mit einer Breite von ca. 35m von Eckpfeiler zu Eckpfeiler und mittig erfolgt dann der endgültige Treppenaufgang über 18 Stufen zur 3. Denkmalsebene mit geschlossenem Kreisgang. Die hintere Wandpartie ist im Halbrund ausgeführt mit seitlichen Abschlusspfosten auf denen Opfer- und Feuerschalen platziert sind und Reliefbilder angebracht sind.
Wir sehen links das Bronzerelief des General=Feldmarschalls Gottlieb Graf von Haeseler, der von 1890 bis 1903 das Armeekorps in Metz kommandierte und rechts das Bronzerelief von Oberst von Lengerke, dem letzten Friedenskommandeur des 1. Lothringischen Infanterie Regiments 130. Bewusst hat man damit sicherlich namhafte Militärs aus noch „unbesiegten Zeiten“ gewählt ohne Schmach an den verlorenen 1. Weltkrieg.
Dennoch ist festzuhalten, dass bei Kriegsbeginn am 9.9.1914 das Infanterieregiment Nr. 130 unvorbereitet den Befehl erhielt, die vom Feind besetzen Höhen von Heippes unter hohen Verlusten zu stürmen und Oberst Carl von Lengerke war unter den Gefallenen.
Zurück zum Kellerkopfdenkmal.
Die rückwärtige Steinmauer umschloss den Denkmalsockel im Halbrund und war vielfach bedeutungsvoll gestaltet. Die Abschlusspfosten des Halbrundareals mit den beschriebenen Reliefs trugen Feuerschalen und neben den Feierlichkeiten und Treffen der Hinterbliebenen, war das Denkmal auch zu NS – Zeiten mit Sonnenwendfeiern ein Ort sicherlich mit revanchistischen Aspekten gegen Frankreich und symbolträchtiger Huldigung „altgermanischer Gepflogenheiten“.
Diese Rückwand ist über fast 100 Jahre in seiner ursprünglichen Form nicht mehr vorhanden. Messing- und Bronzeinschriften wurden abgeschlagen in der Nachkriegszeit des 2. Weltkrieges und Farbschmierereien folgten in unerträglicher Form Ende des 20. Jahrhunderts.
Ich habe einmal aus alten Unterlagen eine Rekonstruktion der zweizeiligen Friesinschrift versucht mit leider mangelhaftem und unzulänglichem Erfolg. Aber zumindest eine Vorstellung der Erstform ist zu erahnen mit
DEN GEFALLENEN DES 1. LOTHT. INF.=REGtS. Nr. 130, DES RES.-INF. REGTS. Nr. 130, DER
Fest.=M.=G.A. 12 ZUM GEDÄCHTNIS, DEN RUHMREICHEN REGIMENTERN ZUM ANDENKEN
Dazu eine aktuelle Panoramaaufnahme von Andreas Heidemann (Leiter Historischer Verein)
von der Firstinschrift ist nur noch links 1914 und rechts 1918 zu erkennen
Ich habe noch nachfolgend einmal 3 aktuelle Einzelfotos eingefügt. Die mittlere Aufnahme illustriert den „allerheiligtsten später vergitterten Bereich des Denkmals mit seinen seitlichen 3eckigen Resttafeln“ (dazu später mehr) und seitlich davon die erst nach der Einweihung gestalteten Steinreliefs.
Links mit Eisernem Kreuz und der Tafel ÜBER TOTEN TÜRMEN SICH DIE TATEN und weiteres Kreuzsymbol und rechts zwischen Schwert und Fackel WIR RUFEN EWIG: IM HIERSEIN IST TROST. Das Wort Trost ist evtl. falsch, bitte melden bei besserem Wissen.
Fortsetzungen sind wünschenswert, aber aktuell mit Zeitverzögerung belastet.
Dennoch bis demnächst wieder einmal, Ihr.-M.Eden, Holzwickede