Friedrich Stehfen und seine Stiftungen
Holzwickeder Persönlichkeit (1809 -1879)
5.Fortsetzung
17.10.2023
J. Flechtner beschriftet seine Karte mit Knabenerziehungsanstalt und mit dieser Einseitigkeit habe ich meine Zweifel. Das Erziehungshaus Holzwickede nahm Jungen und Mädchen auf aus desolater und gefährdeter Situation ca. ab dem 4. Lebensjahr und betreute bis zur Konfirmation und damit in der Regel mit dem Volksschulabschluss. Die nachfolgenden Detailaufnahmen von einer Fotoansichtskarte (Photogr. H. Kluge, Unna i. Westf.) leider ohne Datum aber ca. 1912, denn ich kann im rückseitigen Text einen Gehilfen des Erziehungshauses mit Franz Kopp dokumentieren zu dieser Zeit. Die Ansichten sind nun beschriftet mit Erziehungsanstalt Opherdicke Bez. Arnsberg und dokumentieren vorderseitig wohl das Hauselternpaar (vermutlich Heinrich Orlopp und Ehefrau) und es sind nun eindeutig sowohl Jungen als auch Mädchen mit der Lupe zu erkennen und zu unterscheiden. Ferner interessante Hinteransicht mit weiterem östlichen Wirtschaftsgebäude und spielende Kinder.
Den oben erwähnten Franz Knapp kann ich mehrfach postalisch dokumentieren und zunächst auf einer vorgedruckten Postkarte der Erz.-Anstalt Opherdicke Bez. Arnsberg mit Datum 26.10.1912. Der Hausvater Orlopp stellt eine Legitimationskarte für den Gehilfen Franz Kopp aus mit dem Anstaltssiegel Erziehungshaus Opherdicke Kreis Hörde zur Suche wohl des entwichenen Zöglings Ewald Rusert.
Folgend eine weitere vorgedruckte Postkarte der Erziehungsanstalt Opherdicke mit einem Schreiben erneut von Heinrich Orlopp an Franz Kopp, der sich zu dieser Zeit in Düsseldorf befindet. Leider fehlendes Datum im Anschreiben und auch die Briefmarke wurde entfernt und damit fehlt ein lesbarer Poststempel.
Neben dem Gehilfen des Erziehungshauses Franz Kopp kann noch Fräulein Alma Hoffmann postalisch als Beschäftigte belegt werden. Alma Hoffmann war vermutlich als Köchin tätig. So lautet es folgend in der Anschrift einmal Fürsorge-Erziehungsanstalt und einmal nur Fürsorge-Anstalt auf den Belegpostkarten an Fräulein Alma Hoffmann aus Unna und Altona jeweils im Jahr 1912. Im Fall der Karte aus Unna lässt die Schreiberin oder der Schreiber Grüße an Orlopps bestellen.
Auf die Dauer der Beschäftigung von Fräulein Alma Hoffmann in der Erziehungsanstalt Opherdicke kann spekuliert werden mit folgender Postkarte. Denn in diesem Fall am 6.8. 1915 geschrieben, wohnt die besagte Dame schon wohl bei ihrer verwitweten Mutter in Unna. Erstaunlich, die Angabe Hoffmann und Unna reichte wohl aus zur ordnungsgemäßen Zustellung. Der kurze Text an Alma sind beste Glückwünsche zur Verlobung und auch in diesem Fall kann etwas spekuliert werden. Denn im Absender mit P. Stratmann & Frau kann im Adressbuch aus dem Jahr 1911/12 praktisch passend nur Pfarrer Strathmann in Opherdicke belegt werden und macht die vermuteten Spekulationen durchaus sinnvoll.
Ergänzend zu Pastor Strathmann der Hinweis zu seiner Gründungsinitiative des evang. Frauenvereins in Opherdicke aus dem Jahr 1908. Interessant dazu ein Bild aus dem Gemeindearchiv Holzwickede
Eine nicht versiegende Tätigkeit war wohl das Häkeln von Socken für das Erziehungshaus. Die Fürsorge für die Kinder im Erziehungshaus war also im Bewusstsein der Bewohner angekommen, aber beim Kirchenbesuch wurden wohl die Kinder des Erziehungshauses auf der Empore links separat platziert zu den Kindern aus Opherdicke und Hengsen, um Kontakte zu vermeiden!
War dann noch Mitte der 1920er Jahre eine Belegung mit 70 Kindern zu registrieren, traten zunehmend wirtschaftliche Probleme auf und das Kuratorium fasste den Beschluss, das Erziehungshaus Opherdicke zu schließen und der Landeshauptmann von Westfalen vollzog im 1931 das Ende des Heimes. Das Gebäude wurde seitens des Kuratoriums vermietet und war ab dem Jahr 1933 wohl kurzfristig eine Jugendherberge. Dazu kann ich eine leider nicht beschriebene Fotoansichtskarte des bekannten Gebäudes vorstellen. Herausgeber war der Sauerländische Gebirgsverein Hengsen und geworben wird für die Jugendherberge als günstiger Ausgangspunkt für Sauerlandwanderungen. Nähere Angaben dazu sind aus dem Kreis der Homepagebesucher dringend erwünscht.
Nach mündlicher flüchtiger Information war im Erziehungshaus nach der Jugendherberge noch einmal die Hitler - Jugend und das Segelfliegerheim (s. Flugplatz auch heute noch im Landschaftsschutzgebiet nahe der Langscheder Straße) einquartiert. Nähere Auskunft dazu herzlich willkommen!
Fortsetzung folgt