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Ruhrtal 1000 Jahre - von Lappenhausen bis zum Wellenbad.

5. Fortsetzung

16.10.2026

Peter Krämer  richtete für seine Familie eine Wohnung  ein  und  Trinkwasser gab es zunächst nur in Kanistern von der  benachbarten Lappenmühle. Ende der 1940er Jahre zog es bei gutem Wetter die Bewohner aus Dortmund, Schwerte, Iserlohn und Holzwickede an die Ruhr, die zur damaligen Zeit die noch mehrfach öffentlich zugängigen Wege zur Ruhr nutzten und Krämer organisierte zunächst  einen Getränkeverkauf in Lappenhausen.

 

Unter  den Freizeitbesuchern waren auch Faltbootbesitzer, die spez. in Lappenhausen ihre Boote zu Wasser ließen. Auch ich kann mich noch gut erinnern, wenn die Faltboote des Marktführers „Klepper“ mit ihren Holzteilen mühsam zusammengesetzt wurden und in die Außenhülle geschoben wurden.

Dazu beispielhaft ein Wikipedia – Bild

 

Das  Zerlegen des Holzgerüstes  vor der Heimfahrt war auch zeitlich  anspruchsvoll und Krämer  vermietete nun erfolgreich das ehemalige Stallgebäude in Lappenhausen als Dauerquartier für die Boote. Die Gastronomiekonzession wurde erworben und Peter Krämer und Familie firmierten unter „Gasthaus zum Bötchen“. Familie Krämer legte einen Biergarten an, das Gesamtgelände Lappenhausen wurde nun gepachtet und Kleinparzellen wurden auf den Gräftenresten  eingerichtet. Krämer verpachtete nun seinerseits  21 Parzellen und die Interessenten konnten sich kleine Holzhäuser errichten unter dem Motto „Wochenendhaus“.

 

Ich besitze  leider nur schlechte Bilder aus der Schrift von  Reinhold Stirnberg, die zumindest eine gewisse Vorstellung ermöglichen zu den Holzhütten auf den Gräftenwällen.

 

Bereits mit 52 Jahren starb Peter Krämer im Jahr 1960 und seine Frau Maria führte das kleine Freizeitunternehmen weiter. Aber bereits 5 Jahre später war für die Faltbootbenutzer und Wochenendhäuser das Ende angesagt. Die Ruhr spielte spez. im Abschnitt Lappenhausen über Villigst-Ergste bis Westhofen eine  zentrale Rolle in der Wasserversorgung (aktuell von ca. 3 Millionen Verbrauchern) und der genannte Abschnitt lag mit seinen Uferflächen in der Trinkwasserschutzzone I. Zur unproblematischen Ausgangslage der Trinkwassergewinnung war es einfach zweckmäßig  die Schutzzone I  in Eigenbesitz zu bringen und in diesem Fall mit ihren wenigen Immobilien  Lappenhausen und Schoof  durch Abriss  unliebsame Abwasser  von vorneherein zu vermeiden und ein Naturschutzgebiet  von 94ha wurde eingerichtet.

 

Dazu einige Zeilen zur Wasserversorgung Holzwickede, Opherdicke und Hengsen.

Grundsätzlich war die frühe Wassergewinnung an Flussläufe oder an zahlreiche Brunnenschächte  gebunden. Ein Bauernhof hatte in unmittelbarer Nähe in der Regel  einen Wasserbrunnen und teils auch Teichanlage (s.a. Viehversorgung).  Mit dem Zechenbau der Caroline versiegten die Brunnen in Holzwickede.  Das Oberbergamt verpflichtete im Jahr 1869 die Zeche zur Wasserversorgung  aus ihrem Reservoir  (s. Wasseranfall im Grubenbetrieb) und die Leitung führte zum Obstgarten  Hof Bürger im Alten Dorf mit zwei weiteren Leitungen zur Unterverteilung. Die Bahn mit ihren Kohlelokomotiven  errichtete für sich eine Pumpstation in Natorp im Reiche des Wassers mit Leitung bis zum Bahnhof und dortigem Hochbehälter. Um eine sichere und bessere Wasserversorgung zu erreichen, schlossen sich Holzwickede, Opherdicke und Hengsen vertraglich im Jahr 1888 dem Unnaer Ruhrwasserwerk an, das im Jahr 1906  an das Wasserwerk Gelsenkirchen verkauft wurde. Von dem Jahr 1909 bis 1913 errichtete der Kreis Hörde (damals gehörte Holzwickede, Opherdicke und Hengsen zum Kreisgebiet Hörde s. Kapitel Rathaus) bei Westhofen  an der Ruhr ein  kreiseigenes Wasserwerk und die angeführten Gemeinden wechselten 1913  vom Gelsenkirchener zum Hörder Wasserwerk. Als Großkonsumenten erhielten Holzwickede, Opherdicke und Hengsen  die Genehmigung  zum Eigenbetrieb (1912) und sorgten für die entsprechende Weiterverteilung durch Rohrleitungsbau in den Gemeindeteilen. Das Wasserwerk Hörde fusionierte im Jahr 1920 mit der Dortmunder Wasserwerks GmbH mit ihren Pumpstationen im Ruhrtal  in der Gemeinde Hengsen. Es entstand ein Anreicherungsgraben und Filtrationsbecken (Absinkbecken) für täglich 17.500 Kubikmeter Wasser.  Schon im Jahr 1935 wurden Erweiterungsmaßnahmen notwendig und dazu an späterer Stelle ergänzende Ausführungen.

 

Zurück nach Lappenhausen.

Der Pachtvertrag für das Gelände und Anwesen der Familie Krämer endete im Jahr 1967 und  nach Auszug schufen die  Bagger in kürzester Zeit durch Einebnung „klare Verhältnisse“ und bis auf die Gräftenreste und die  alte Wehrmauer mit dem Teilstück Eulenmauer endet die Geschichte zum Haus Ruhr bzw. Lappe.

Aber das Thema lautet Ruhrtal 1000 Jahre - von Lappenhausen bis zum Wellenbad und so geht es eine kurze Strecke von Haus Ruhr nordöstlich  zur Lappenmühle, die schon mehrfach angeführt wurde und dazu noch einmal das Haus Ruhr mit den Gräften und eingezeichnet Pferde- und Rübenkamp sowie Garten und Spinplatz.  Oberhalb der eingezeichneten Lappenmühle der Stauteich (mit blauem Rechteck markiert) und  mit Wasserversorgung aus der Vierbecke und Abfluss zur Ruhr und noch rechts östlich die  Lutcke  Mühle (Lütgemüller).

 

Ein nord-südlicher Blick über den Mühlenteich auf Haus Lappenmühle

 

Folgend das Bild der Mühle Lappenhausen aus süd-nord-westlicher Sicht und hinten links ist  wohl das unterschlägig gebaute  Mühlrad in der Kellerlinie  angedeutet zu erkennen.

 

Vor der Mühle ist allerdings der schweißtreibende Erntevorgang  mit dem Dreschflegel zu erwähnen. In der Regel wurde das trockene Getreide in der Tenne mit dem Dreschflegel bearbeitet, um die Getreidekörner zu gewinnen. Der Wind half bei geöffneten vor- und rückseitigen Tennentüren „die Spreu vom Weizen zu trennen“, aber die folgende Ansicht dokumentiert die Arbeit aber auch auf befestigtem Boden gleich neben dem Getreidefeld und damit besonders windgünstig. Die Dreschflegel wurden nacheinander im Gruppeneinsatz  geschlagen und die Landarbeiter bewegten sich dazu rhythmisch im Kreis teils unter Gesang.

 

Ende des 19. Jahrhunderts kam als Ersatz die Dreschmaschine z.B. auf dem Dorfplatz zum Einsatz und nach meiner Erinnerung häufig nach Umrüstung durch den eigenen Traktor  über Treibriemen verbunden. Aktuell fahren nur noch Mähdrescher mit klimatisierten Steuerkabinen (teils unter GPS – Einsatz) und breitem Schnittfeld notfalls unter Beleuchtung, denn die Erntezeit und Klima verlangen  von der Lohnarbeit sehr häufig einen zeitlich eng getakteten Einsatz der Mähdrescher.

 

Eine Mühle zur Verarbeitung der Getreidekörner war natürlich extrem wichtig für die Landwirtschaft und durch königliche Konzession (Friedrich Barbarossa) schon im früheren Mittelalter  mit dem 12. Jahrhundert in der Regel an den Grundherrn z.B. Adelshöfe und Klosterbetriebe gebunden. Die Investition in einen Getreidemühlenbetrieb war auch damals ein „finanzieller Kraftakt“  und der sog. „Mühlenzwang“  verpflichtete die Bauern die ihnen zugewiesene Mühle ausschließlich unter Ausschaltung von weiterer Konkurrenz zu nutzen. Für unsere Gemeinde mit  den Ortschaften Rausingen, Natorp, Dudenroth und Holzwickede (Altes Dorf), Hengsen und Opherdicke war nun die sog. Bannmühle ruhraufwärts in der kleinen Ortschaft Langschede etabliert, die insgesamt ca. 190 Höfe (aus 5 Kirchspielen) versorgte. Der Weg nach Langschede war teils beschwerlich und die Lehnshöfe  mit zugehöriger möglicher adliger eigener Mühle waren natürlich begünstigt. Das bedeutet für die obigen Ortsteile die Wassermühlen in Natorp, Dudenroth und Lappenhausen. Der sog. Mühlenzwang wurde im Jahr 1810 durch die Stein-Hardenbergsche Reform  für Preußen aufgehoben (s. „sofortiger“ Windmühlenbau Opherdicke, dazu vielleicht später etwas mehr an Information). Das kleine Langschede war übrigens ein wichtiger Handelspunkt an der Ruhr und spielte eine bedeutende Rolle im Salz-und Kohlengeschäft und die Ruhr wurde sogar bis dorthin schiffbar mit Pferdetreidel  betrieben !

Folgend ein Blick über den Mühlenteich Lappenhausen nach Norden und das  sichtbare Gebäude im Hintergrund ist die vorübergehend gebaute und genutzte  Blockstelle der Ruhrtalbahn in Lappenhausen !

 

Die Bahnblockstelle  Hengsen  fordert im Thema Ruhrtal an dieser Stelle einige Anführungen

 

Fortsetzung vorgesehen, Ihr Edo-Meino Eden, Holzwickede