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Ruhrtal 1000 Jahre - von Lappenhausen bis zum Wellenbad.
1. Fortsetzung
13.08.2026
Ich versuche einmal etwas zur Ruhr und hier mit ihren markanten Liegenschaften Lappenhausen bis zum Wellenbad aufzugreifen und dies aus persönlichen Gründen wenn es möglich ist in zeitlich durchaus gestreckter Form. Auch wenn die Historie zum Haus Ruhr recht komplex ist, soll ein Überblick versucht werden und auch genügen.
Nachfolgend zunächst einmal laienhaft die Vorstellung von Besitz- und Eigentumsentwicklung. Die juristische Handlungsweise alle Menschen unter einem Gesetzbuch nach gleichem Grundsatz zu beurteilen, ist ein netter Irrtum, aber jeder Mensch ist ein Einzelindividuum und mit persönlichen Charaktereigenschaften und mit mehr oder weniger Begabung ausgestattet zum Leben in einer sozialen Gemeinschaft. Nach meiner Erfahrung von kleinen indigen Gemeinschaften (unter anderem z.B. Akha im Hochgebirge Thailands, Gemeinschaft der Iban im tiefen Dschungel auf Borneo) funktionieren die sozialen Gemeinschaften in der Regel auf den christlichen 10 Geboten , die sie gar nicht kennen, aber wohl als Urbasis dienen eines gemeinsamen instinkthaften Verhaltens um ein friedliches Überleben zu garantieren und damit auch die Chance unter eingeschränkten gefährlichen Umweltverhältnissen zu überleben.
Aber auch in diesen Strukturen gibt es den anerkannten Häuptling, der mit Muskelkraft vor Feinden schützt und den intellektuellen Medizinmann für die geistige Betreuung.
Diese Führungspersönlichkeiten sind nun seit Jahrhunderten zu beobachten, häufig leider mit der Neigung ihre Machtbefugnisse auszuweiten und zu sichern, um die privilegierte Stufe z.B. eines Adels zu erreichen.
Dem König oder Kaiser gehörte von Gottes Gnaden alles und
damit auch Grund und Boden!
Aber hier liegt schon bezogen auf unsere Welt z.B. im frühen Mittelalter ein Irrtum vor! In Rom hatte sich der Klerus bezugnehmend auf die dortigen Märtyrertode von Petrus und Paulus in eine Führungsrolle der aufbauenden Kirche bis zum interessanten Papsttum und bis hin zum Anspruch zur Unfehlbarkeit entwickelt und in direkter Nachfolge Gottes auch in seinem Namen zu agieren. Die Geschichte des Papsttums hier noch einzubauen, ist unmöglich und für Interessierte gibt es genügend Literatur dazu.
Aber festzuhalten ist, dass deutsche Könige oder Kaiser teils in Abhängigkeit vom Klerus in Rom standen und geschickt hatte Rom schon früh immense Güter in Deutschland zusammen gehäuft. Bistümer, Klöster, Stifte, Vogteien wurden gegründet und dies mit teils erheblichem Grundbesitz. Karl der Große arrangierte sich recht gut mit Rom (spätere Nachfolger teils absolut nicht mit der Folge teils größter Streitigkeiten) und die entstandenen Machtverhältnisse dokumentieren sich recht gut im Erzbischof von Köln als zweitmächtigsten Landesfürsten hinter dem König.
Beide - gleich ob nun der Klerus oder Kaiser - konnten die Bewirtschaftung und Organisation nur über Vergabe von Lehen gestalten und diese gingen dann wieder verständlicherweise an ihre Adlaten mit dem privilegiertem Adel, der seinerseits teils überfordert Teillehen (Afterlehen) an den niederen Adel einrichtete.
Als Paradebeispiel in unserer Region ist die Abtei Werden anzuführen mit ihren riesigen Ländereinen und der Reichtum reichte anscheinend um eine Landkarte anzufertigen. Ein französischer Kartenstecher war am Werk und zeigt meinen Ausschnitt dazu im Jahr 1700.
Abbaye d`Esssen und darunter
Abbaye de Werden.
Die Abtei Werden führt uns dann nach Opherdicke mit dem bis dato frühestem Dokument um das Jahr 1100. Denn selbst im entfernten „Herrche = Opherdicke“ erwarb die reiche Abtei Werden einen Hof und Willy Timm vermutet darin den späteren Hof Schnier (nachweisbar als kontribuables Gut schon 1705 in der Grafschaft Mark). Spätere Bezeichnungen zu Opherdicke firmieren unter „Upherreke“ bzw. „Herreke oder Ophereke“ im Archiv Werden (ca. 1150) und Stift Essen (Anfang 13. Jahrhundert). Opherdicke ist öfters vertreten und dies sicherlich durch die Position als Kirchspielort unterstellt der Kirche in Unna.
Dokumente aus dem Mittelalter zu Holzwickede sind in den Archiven relativ spärlich vorhanden. Von einer Besiedlungsaktivität ist aber bereits Mitte des 9. Jahrhunderts auszugehen und um diese Zeit wird sicherlich auch der Grundstein für das Haus Ruhr gelegt worden sein.
Das Recht nun eine Burg zu bauen, vergab der König, Gaugrafenschaften waren nach dem Sieg über die Sachsen unter Karl den Großen eingerichtet worden und zugehörige Grafen oder der geistliche Landesherrn vergaben an verdiente Gefolgsleute aus dem Adel die Güter im Lehnsrecht.
Kenntnisse zu den ersten Gegebenheiten im Lehen der Burganlage Ruhr sind meines Wissens nach nicht dokumentiert. Beteiligt war zumindest schon im 10. Jahrhundert die mächtige Grafenschaft zu Werl und dies sicherlich im Streit mit dem Bistum Köln. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts wurde unter Kaiser Konrad II. (1024 bis 1039) das Reichslehen der Grafen - zunächst nur Reichsbeamte - mit Erbrecht ausgestattet. Dies förderte natürlich den weiteren Machtanspruch und dies in unserer Region trotz Teilung in die Grafschaften zu Berg und Altena.
Haus Ruhr entwickelte sich anspruchsvoll z.B. unter dem Geschlecht der Edelherrn von Rüdenberg mit Rabodo von Hegeninchusen (Hengsen), der kinderlos im Jahr 1170 Haus Ruhr an seinen Schwager Heinrich von Herrecke (gemeinsam mit Haus Opherdicke und Haus Ruhr) vermachte und dies später als Lehen mittlerweile unter Philipp von Heinsberg - Herzog von Westfalen und Erzbischof von Köln.
Die Wasserburg Haus Ruhr (auch „Rure“) war systematisch ausgebaut worden und dies spez. mit einem ausgedehnten Gräftensystem teils in doppelter Anlage und mit 7,5Ha Gräftenfläche wohl einmalig an der Ruhr. Teils auch recht tief ausgehoben sind die Spuren noch heute recht gut erkennbar. Gräften (evtl. am Boden noch mit eingegrabenen Speerspitzen versehen) waren im Abwehrsystem zum Schutz unabdingbar und bei entsprechender Wassertiefe auch schwierig zu überwinden. Außerdem waren Raubritter, Plünderer und Soldaten zur damaligen Zeit sicherlich zu 99% Nichtschwimmer. Dazu noch einmal eine Zeichnung von Stirnberg.
Eine Burg auf einer Bergspitze ist natürlich im Vorteil gegenüber den ländlichen Schutzanlagen. Nachfolgend Burg Altena. Gegründet durch die Grafen von Altena. Nachfolgend Trennung in einen rheinischen Teil mit den Grafen von Berg und den westfälischen Teil in Altena, die ca. um das Jahr 1260 auf die Burg Mark bei Hamm umzogen.
Urkundlich ist in der Gründungsurkunde des Klosters Oelinghausen aus dem Jahr 1174 nun der Edelherr „Heinricus van ther Rura“ zu finden zusammen mit seinen Schwägern Everhard und Jonathas von Wicheln. Hier zeigt sich schon die mittlerweile anerkannte Entwicklung des Hauses Ruhr.
Kloster Oelinghausen (Arnsberg)
Im Jahr 1176 übergaben (s. schon obige Anmerkung) die kinderlosen Eheleute Heinrich und Adelheid „de Herreke“ Haus Ruhr dem Bistum Köln und erhielten das Anwesen als Lehen zurück zugeteilt mit der Genehmigung der eigenständigen Bestimmung der Nachfolge. Sie wählten Heinrichs Neffen „Rembold I“. als Erben.
Das Machtstreben der Erzbischöfe im Bistum Köln kollidierte zwangsläufig mit den örtlichen Interessen der Grafen an Lenne, Ruhr und Lippe und hier sind die Grafen zu Ardey, Altena und Isenburg (Letztere in verwandtschaftlicher Beziehung) anzuführen sowie meine Ausführungen im Thema RATHAUS HOLZWICKEDE unter https://www.eden-internet.de/holzwickede-rathaus/2-fortsetzung-rathaus-18022025.
Grafen zu Altena konnten ihre Machtstellung stabilisieren und ausbauen und zogen auf die Burg Mark bei Hamm. Wichtig wurde den Grafen nun von der Mark der Erwerb von Landbesitz (spez. Klöster), Burganlagen, Stadtbefestigungen und Einfluss auf die Landbevölkerung durch Besitz der Gogerichte. Dazu hat Stirnberg eine Zeichnung gefertigt, die ich ergänzt habe mit einem roten Rechteck, denn nicht das Haus Dudenroth war mit dem Patrimonialgericht ausgestattet sondern der Schulzenhof im Besitz der adligen Häuser zu Grimberg, Sobbe und Grevel.
Neben dem Adelssitz Opherdicke und Haus Ruhr lag ein weiterer Adelssitz in der Vierbecke am Vogelsberg unterhalb von Schloß Opherdicke. Dazu noch einmal eine Detailtopografie von Haus Hegeninchusen = Haus Hengsen = Haus Vierbeck.
An dieser Stelle noch einmal die tragische Historie zu im Jahr 1378 mit Agneta („neyse“) von der Vierbecke.
Agneta war mit dem Dortmunder Patrizier Sudermann verheiratet gewesen, dann verwitwet und blieb damit Bürgerin der freien Reichsstadt Dortmund. Wahrscheinlich überredet vom Grafen von der Mark, der wie immer mit Dortmund in Fehde lag, ließ sie sich zur Hilfe beim Überfall auf die Stadt Dortmund überreden. Rotger von Giesenberg machte den Plan, der leider ein unglückliches Ende nahm. Vielleicht vom trojanischen Pferd geträumt schickte Rotger Agneta zum Wißstrassentor im Morgengrauen des 4.10.1378 mit Sohn und Junggraf Conrad von Dortmund um Einlass für Sie und zwei Wagen zu bitten. Der erste Wagen mit Brennholz beladen sollte das Fallgitter des ersten Tores blockieren und nach Öffnung des Innentores sollten die im Heu versteckten Soldaten des Grafen von der Mark das Wißtor sichern, um den weiteren versteckten Soldaten von draußen Einlass zu ermöglichen. Das erste Tor ging auf, Agneta stieg auf den Torturm und schwenkte ihr weißes Kopftuch den nachkommenden versteckten Soldaten des Grafen von der Mark als „Angriffszeichen“. Die Dortmunder Wachmannschaft des Tores bemerkten die Überfallabsicht und ließen das Innentor geschlossen. Abends wurde Agneta auf ihrem eigenen Brennholzwagen verbrannt und der Sohn mit Conrad von Dortmund auf dem Marktplatz enthauptet. Im Jahr 1392 söhnten sich die Angehörigen von Agneta mit der Stadt Dortmund wieder aus.
Die Besitzer der Adelshäuser Opherdicke, Vierbeck und Ruhr hatten untereinander vielfältige Beziehungen durch Heirat, Erbschaften und Übernahmen. So übernahm das Haus Ruhr auch das Haus Vierbeck im Jahr 1418.
Die Wasserburg Vierbeck (Haus Hegeninchusen vermutlich mit einer Motte geschützt) wurde nun nicht mehr als adliger Wohnsitz sondern nur noch als Wirtschaftshof für das Haus Ruhr genutzt und verfiel langsam, die Gerichtsbarkeit blieb und oblag nun dem Haus Ruhr. Der Anspruch an das Haus Vierbeck war für das Haus Ruhr wichtig, erfolgte doch von dort „nach Zusammenfluss der 4 Bäche vom Haarstrang“ die Gräftenfüllung mit Wasser am Haus Ruhr. Ein Stichkanal zur Ruhr war eher Abfluss als Zufluss (s. Höhenverhältnisse) und die Lage für das Haus Ruhr (ebenso für das spätere Haus Externbrink mit dem Wellenbad) wurde im Jahr 1719 durch eine neue Situation erheblich beeinflusst.
Die Ruhr suchte sich ein neues Flussbett in Richtung Süden.
Dazu eine Topografie ca. auf der Basis des Jahre 1840.Umzeichnung von Reinhold Stirnberg.
Gestrichelt blau alter Ruhrverlauf
Verlief also die Ruhr ursprünglich an der Lappenmühle und Haus Lappe vorbei, so hatten sich die Verhältnisse grundlegend verändert.
Aber zurück um das Jahr 1400 als durch Erbverhältnisse das Haus Ruhr an „Arnd Lappe van der Rure“ aus dem Zweig des Adelsgeschlechtes Lappe zu Altena kam.
Durch die politischen Verhältnisse kommt im Jahr 1368 der Verwaltungssitz der Mark nach Cleve und 30 Jahre später kommt es auch zum Zusammenschluss der Grafschaft Mark mit Cleve unter Graf Adolf von Cleve und die folgenden Zeiten waren geprägt durch „Bruderzwist“. im Haus der Grafschaft Mark.
Über lange Zeit (um das Jahr 1420) gab es teils kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Graf Adolf IV. von Cleve-Mark und seinem jüngeren Bruder Gerhard Graf von Berg um den Besitz der Mark.
Fortsetzung folgt