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Ruhrtal 1000 Jahre - von Lappenhausen bis zum Wellenbad.
2. Fortsetzung
28.08.2026
Unter dem oben angeführtem „Bruderkrieg“ um die Grafschaft Mark litt die hiesige Bevölkerung sehr. Im Jahr 1424 besetzten zudem bergische Truppen unsere Region mit Opherdicke, Holzwickede, Sölde und Vellinghausen. Plünderungen und Brandschatzungen waren die entsetzliche Folge. Auch die Stadtfehden – Dortmund und Soest im Jahr 1389 und 1414 - zogen sich teils langjährig hin und unsere heimische Region wurde dabei nicht verschont.
Verschont blieb wohl aber das Haus v. Lappe zu Ruhr
In den Quellen finden sich keine Hinweise auch nicht zum 3ojährigen (1618 bis 1648) und 7jährigem Krieg (1756 bis 1763) mit kriegerischen Beteiligungen zum Haus Ruhr. Nach meiner Vorstellung dazu lag das Haus Ruhr etwas versteckt abseits und zudem mit den ausgedehnten Gräften und Wehrmauern gesichert, stand kein Überfall bei den zu erwartenden Verlusten zur Eroberung oder einem Plünderungsgewinn im gerechtfertigten Verhältnis.
So konnte das adlige Geschlecht von Lappe über Generationen agieren und den zugehörigen Besitz sichern und ausbauen. So gehörten zum Haus Ruhr nach Willy Timm bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts insgesamt 19 Höfe. Im Schatzbuch der Grafschaft Mark (im Kloster Werden im Jahr 1486) wird z.B. die Luttigen - Muhlen (Lüttgemüller zum Hause Lappenhausen / Rura) als Ölmühle (Raps, Leinsamen) gehörig erwähnt.
Es gilt noch einmal die Beziehung Haus Ruhr zum Haus Opherdicke aufzugreifen. Bis zum Jahr 1176 im gemeinsamen Besitz erhielt Rembold I. von Grafschaft das Gesamtlehen vom Kölner Erzbischof, gab aber die Lehnsverhältnisse von Haus Opherdicke im Afterlehen ab. Namhafter Lehnsherr in Opherdicke war dann u.a. Goswin von Herike zugleich Ordensmeister des Deutschen Ritterordens in Livland (Estland u. Lettland). Durch Heirat der einzigen Tochter gelangte Haus Opherdicke an Johann Gruwel und im Jahr 1469 fiel das Haus zurück im Erbgang und Heirat an Wilhelm Lappe zur Ruhr, der aber wohl aus wirtschaftlichen Gründen das Haus Opherdicke nun an die Kamener Burgmannenfamilie von Fresendorf für die nächsten fast 3 Jahrhunderte erneut als Afterlehen abgab.
Dazu einmal eine Vereinbarung von
Caspar Lapp zur Ruhr mit Catharina von Fresendorp zu Opherdicke
über Land- und Holznutzung mit Datum vom 15. August 1569
Unter Ritter Caspar Lappe zur Ruhr ist wohl die größte Besitzansammlung zu registrieren einschließlich dem Patronat über die Opherdicker Pfarrkirche und die Hengser Gerichtsbarkeit.
Im höheren Alter – nach meiner Vermutung ließ es mit seiner Vernunft etwas nach - bezahlte Caspar Lappe zur Ruhr seine Lehngebühren an den Erzbischof verzögert und schwängerte mit 70 Jahren die Tochter des Gutsverwalters auf seinem Lehnhof Lenninghausen (Haus Bimberg). Neben dem Erzbischof in Köln war auch sein Dienstherr Herzog Wilhelm von Cleve-Mark nicht begeistert. Caspar Lapppe konnte wohl mit Mühe sein Besitztum und die Lehen behalten.
Im Jahr 1600 wurde die Burg Vierbeck durch einen Brand zerstört und nur noch ein Wirtschaftsgebäude zur Nutzung von Haus Ruhr errichtet. In der NS-Zeit wurde hier noch die Segelfliegerschule untergebracht und nach dem 2.WK waren Notunterkünfte für Flüchtlinge dort, bevor im Rahmen der Übernahme des Geländes für die neu aufgebaute Bundeswehr alle bäuerlichen Gebäudereste eingeebnet wurden. Der Bundeswehrstandort Unna nutzte das Gelände selten im Gegensatz zu den zivilen Spaziergängern und im „Jahr 2026 wurde das Gelände für die Ausbildung der neuen Wehrpflichtigen gesperrt, die ich dort täglich im Einsatz sehe“.
Das 17. Jahrhundert war schon zu Beginn in schlechter politischer „Großwetterlage“. Die Bauern begaben sich gegen Ende des Mittelalters aus Sicherheitsgründen in die Leibeigenschaft der Adligen, um hier Schutz zu erhalten vor zunehmender Gewalt der vielfältig wechselnden Truppenverbände und Plünderungen auch von Räuberbanden und allenfalls bei rechtzeitiger Information konnten die adligen Burgen zumindest Bevölkerungsanteile aufnehmen. Die Lehen waren in der Regel mit Abgaben verbunden in Form von Naturalien, Hand- und Spanndiensten usw.
Schon vor dem 30jährigen Krieg fielen spanische Truppen Anfang des 17. Jahrhunderts unter Admiral Mendoza mehrfach in die Grafschaft Mark ein und die Hellwegregion war ebenso im 30jährigen und 7jährigem Krieg stark betroffen. Aber auch in diesen Fällen finden sich keine Hinweise auf direkte Beteiligung von Haus Ruhr. Soldaten aller beteiligten Nationen durchzogen die Hellwegdörfer, marodierende Soldaten plünderten und mordeten, zu allem Überfluss brachten die fremden Truppen auch noch die Pest mit. So wurde Dietrich Lüttikenmüller abends am 3. Januar 1643 von umherziehenden marodierenden Soldaten in seinem Haus erschossen und die restlichen Bewohner flehten um Gnade um zu überleben.
Im Jahr 1659 verstarb der letzte männliche Erbe im Haus Lappe zur Ruhr durch Ertrinken und seine Schwester Anna Margarete von Lappe wurde Alleinerbin (s. später weiteres Geschehen).
Ob der oben angeführte männliche Erbe in der Ruhr ertrunken ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Ruhr als durchaus teils tückischer Fluss hat immer wieder einmal Ertrinkungsopfer gefordert. Zu dieser Zeit war die Ruhr unreguliert, wechselte schon einmal den Verlauf, Sumpfgebiete und Hochwassertendenz waren nicht ungewöhnlich. Im Jahr 1719 erwarb von Gerhard Moritz von Fresendorf mit Johann Diederich (damals noch brit. Generalmajor)von Haen (Hahne) aus der Adelsfamilie zu Werve und Burgmann zu Kamen und Wambel das Haus Opherdicke. Sein Sohn Baron Johann Christian mit seinen 3 Schwestern befahl dem Kutscher trotz dessen Warnung bei Hochwasser am 3.9.1721 die Fahrt durch die Ruhr durch die Lenninsgfuhr (später Schoof) und 5 Menschen starben. Allein ein Knecht konnte sich retten. Vermutlich konnte sich niemand aus der Kutsche befreien und zudem wohl Nichtschwimmer in schweren Kleidern und Stiefeln. Voll gelaufene Stiefel kann man im Wasser nicht ausziehen und auch voll durchtränkte Kleidung macht Schwimmen unmöglich (in meiner Erinnerung war neben obligatorischer Schwimmweste reduzierte Kleidung empfohlen und für Schuhwerk gab es ein Verbot bei Kanufahrten im Amazonasquellgebiet). Pfarrer Geilenberg berichtet in seiner Schrift im Jahr 1934 neben dem obigen tragischen Beispiel von weiteren Ruhrtoten von den Höfen Westermann und Krümmer im 18. Jahrhundert und ich habe noch eine Notiz von 2 tödlichen Badeunfällen im Jahr 1958 gefunden, dabei beziehen sich diese Fälle allein auf den Abschnitt Haus Lappe bis Wellenbad.
Zurück zum Jahr 1659 mit dem Tod des letzten männlichen Erben im Haus Lappe zur Ruhr durch Ertrinken und seine Schwester Anna Margarete von Lappe wurde Alleinerbin und heiratete im Alter von 16 Jahren Heinrich Friedrich von der Mark zu Villigst.
Bleibender Wohnsitz wurde aber für das Ehepaar die Burg Villigst im Lehen der Familie von Elverfeldt zu Herbede.
Folgend die Burganlage Villigst direkt an der Ruhr nach Vorstellung und Zeichnung von Reinhold Stirnberg ohne gesicherte Quellenangabe
Ludwig Gisbert von Elverfeldt hat die Burganlage Villigst abgetragen und durch einen Neubau im klassizistischem Stil im Jahr 1819 neu errichtet. Dazu nachfolgend eine Lithografie (Poststempel Schwerte 14.10.1899) mit einem Blick über die Ruhr auf Haus Villigst.
Nach verschiedenen Erbvorgängen wurde das Haus Villigst mit dem Parkgelände im Jahr 1948 an die Evangelische Kirche von Westfalen in Erbpacht übergeben als Veranstaltungs- und Schulungsort. Nachfolgend eine Ansichtskarte (Poststempel Villigst 17.3.1965) mit Blick durch das Eingangsensemble auf das Hauptgebäude.
Es bestand übrigens ein direkter Weg von Haus Ruhr zum Haus Villigst, der durch den Stauseebau der Dortmunder Stadtwerke in den Jahren 1934/36 überdeckt wurde. Von Haus Ruhr führte damals ebenso ein Weg zum Haus Vierbeck und von dort zum Haus Opherdicke.
Aber zurück zum Haus Ruhr/Lappe im 18. Jahrhundert, das ebenso wie das Haus Vierbeck durch Verwalter von Haus Villigst landwirtschaftlich genutzt wurde. War die Burganlage Vierbeck schon abgetragen und durch ein Wirtschaftsgebäude ersetzt worden, folgte nun dieser Schritt auch für die Burganlage Haus Ruhr.
Fortsetzung folgt